Familienfeiern: manche sehen sie als eine der letzten Gelegenheiten, sich ausgiebig mit Verwandten auszutauschen – für andere sind sie das vorprogrammierte Grauen. Alte Konflikte werden neu aufgewärmt, politische oder religiöse Unstimmigkeiten sichtbar, toxische Verhaltensmuster unreflektiert weiter ausgelebt. Mit einer dysfunktionalen Familie dieser Art beschäftigte sich Stephen Karam in seinem erstmals 2016 veröffentlichten Bühnenstück „The Humans“. In Eigenregie hat der Theatermacher den preisgekrönten Einakter nun auch filmisch umgesetzt - und das mit bedrückenden Ergebnissen.

Die frisch bezogenen Innenräume eines New Yorker Apartments werden zum Hauptschauplatz der Handlung. Pünktlich zu Thanksgiving findet sich darin die mehrköpfige Familie Blake wieder, um die anstehenden Feierlichkeiten ausklingen zu lassen. Brigid (Beanie Feldstein) und Partner Richard (Steven Yeun) laden in ihre neuen Räumlichkeiten zum Festtagsessen ein, die mürrischen Eltern (Richard Jenkins und Jayne Houdyshell: imposante Darbietungen) sind samt Schwester Aimee (Komikerin Amy Schumer: überzeugt in einer vielschichtigen Rolle) und der von Demenz gezeichneten Großmutter Momo (June Squibb) aus Pennsylvania angereist.


Von Beginn an liegt eine unbehagliche Stimmung in der Luft, die sich zunächst anhand von passiv-aggressiven Kommentaren äußert.  Mit zunehmender Laufzeit spitzen sich die innerfamiliären Streitigkeiten zu und gipfeln in erschreckenden Enthüllungen. Konflikte bahnen sich schleichend und nachvollziehbar an, auf künstliches Pathos und melodramatisierte Kitschmusik wird dankenswerterweise verzichtet. Die beklemmende Atmosphäre nimmt streckenweise sogar die unheimlichen Ausmaße eines Horrorfilms an. Der Horror liegt hier jedoch nicht unbedingt im eigentlichen Familiendrama, sondern vielmehr im Nicht-Greifbaren und letztlich Unvermeidbaren. In Tischgesprächen wird über verstörende Alpträume, Nahtoderfahrungen und die nicht weit entfernt geschehenen Terroranschläge vom 11. September diskutiert.

Die Furcht vor beziehungsweise das Eingeständnis der eigenen Mortalität zieht sich als zentrales Thema durch den gesamten Film und spiegelt sich auch in der herbstlichen Tristesse der Bildsprache wider. Aufnahmen leerstehender Räumlichkeiten und einengenden Gängen werden zu Symbolbildern für Einsamkeit und der Furcht vor dem Unbekannten. Letztendlich mündet das Drama in einem düsteren Schlussbild, bei dem einen der kalte Schauer über den Rücken läuft. Das wahre Grauen lauert meist nun einmal nicht im Bereich des Erwartbaren, sondern in der Absurdität  des menschlichen Daseins.

"The Humans" ist auf MUBI verfügbar.