US-Amerikaner Bill Hader (44) kennt man eigentlich aus dem komödiantischen Fach. Seine Beteiligung an der Sketch-Comedy-Show „Saturday Night Live“ legte den Grundstein für seine Karriere, Nebenrollen in Erfolgskomödien wie „Superbad“ und „Tropic Thunder“ schenkten ihm internationale Bekanntheit. Seit mittlerweile knapp vier Jahren zeigt sich der Komiker aber von einer ungewohnt ernsten Seite – und das sowohl vor als auch hinter der Kamera.

In der von ihm geschaffenen HBO-Serie „Barry“ verkörpert Hader Barry Berkman, einen Auftragsmörder mit ganz besonderen Ambitionen. Seiner Tötungsbegabung wegen ließ sich der Ex-Marine nach einer Stationierung in Afghanistan von Familienfreund Fuches (Stephen Root) zu einer kriminellen Karriere verführen. Tagein, tagaus dasselbe: Barry ist zutiefst unzufrieden mit seiner Profession und sehnt sich nach einem neuen Sinn im Leben. Als er für einen Auftrag nach Los Angeles geschickt wird, glaubt er seine wahre Berufung entdeckt zu haben. Über Umwege stolpert er in die Schauspielschule von Gene Cousineau (TV-Legende Henry Winkler: großartig) und erlebt einen seltenen Moment der Erleuchtung. Unter seinem neuen Bühnennamen Barry Block will der deprimierte Berufskiller zum großen Mimen avancieren, die angehende Schauspielerin Sally (Sarah Goldberg) gibt ihm den nötigen Halt. Barrys wahre Identität soll ein Geheimnis bleiben, seine kriminelle Vergangenheit holt ihn jedoch immer wieder ein.


Das Serienprojekt von Bill Hader mag immer mancherorts noch als Comedy klassifiziert werden: wer sich aber eine Aneinanderreihung an Schenkelklopfern, ist definitiv an der falschen Adresse. Mühelos wechselt die Dramedy zwischen morbider Komik und tiefergehendem Charakterdrama. In einem Moment sorgt Mafiosi-Softie NoHo Hank (Anthony Carrigan: urkomisch) für große Lacher, im nächsten droht der Protagonist an der Last der eigenen Schuld zu zerbrechen. Das Verhältnis zwischen Komik und Tragik wird mit jeder neuen Staffel  zunehmend kleiner.


Ein kleines Fernsehjuwel
In der aktuellen dritten Staffel, die hierzulande via Sky verfügbar ist, dringt die Serie in besonders düstere Ecken des menschlichen Daseins vor. Der Mythos des vermeintlich "coolen" Antihelden wird erfolgreich dekonstruiert, jegliche Sympathien für die Hauptfigur schwinden langsam dahin. Hader beweist sich als Schauspieler wie auch Regisseur als wandelbares Talent: eine überraschende Verfolgungsjagd stellt in seiner virtuosen Inszenierung viele Kinofilme der vergangenen Jahre in den Schatten. Die trockene Situationskomik sitzt, die ernsten Momente erreichen stellenweise die Intensität von Prestigedramen à la „Breaking Bad“. Kreative Zwischeneinfälle sorgen für einen erfrischenden Hauch von Unberechenbarkeit. Und das ist selbst im vermeintlich goldenen Zeitalter des Fernsehens ein rares Vergnügen.

Bei uns läuft "Barry" auf Sky.