Für Christian Sturmbauer war es ein angenehmer Ausbruch aus der Routine der wissenschaftlichen Arbeit. Am Tanganjikasee, wo das Zoologie-Institut der Universität Graz seit vielen Jahren forscht und speziell die einzigartige Vielfalt der Buntbarsche im Fokus hat, unterstützte der Wissenschaftler eine Universum-Produktion als Experte über das „blaue Herz Afrikas“. Zu sehen heute um 20.15 Uhr in ORF 2.
Ein weißer Sandstrand wie in der Karibik und warmes Wasser. Regisseur Harald Pokieser beschreibt den Tanganjikasee als einen der schönsten Orte auf Erden und zugleich touristisch kaum erschlossen: „Es ist, als hätten die Reisebüros einen der schönsten und größten Seen der Welt einfach übersehen.“

Rund 80 Tage, unterbrochen von der Covid-Pandemie, drehte Pokieser den unter anderem von ORF und Arte koproduzierten Naturfilm und bekam neben der Unterwasserwelt auch die Wildtierwelt auf dem Festland vor die Linse. Etwa im nahen Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania, wo Jane Goodall seit den 60ern das Verhalten von Schimpansen studierte und ihre berühmten Bücher schrieb. Im Süden in Sambia liegt der Nsumbu-Nationalpark, der in der Vergangenheit von Wilderern beinahe leergeschossen wurde. Durch spektakuläre und erfolgreiche Wiederansiedlungen konnte das Schutzgebiet gerettet werden.

Tanganjikasee - Das blaue Herz Afrikas
Schimpansen im Mahale Nationalpark Tansania.
© ORF (Harald Pokieser)

Der von vier Ländern umgebene und für seinen enormen Artenreichtum bekannte Tanganjikasee ist der zweitälteste See der Welt. „Vor zehn Millionen Jahren ist ein Fluss durch das Einsinken des afrikanischen Grabenbruchs langsam zu einem See geworden“, erklärt Sturmbauer die Genese. Seither ist er nie ausgetrocknet, und die Evolution brachte eine enorme Vielfalt hervor: „Für uns Evolutionsforscher ist der See mindestens so bedeutend wie die berühmten Galapagosinseln. Dort haben sich in Isolation über Millionen Jahre aus einer Art elf Arten von Galapagos-Finken entwickelt. Am Tanganjikasee hat die Evolution aber 240 Buntbarscharten hervorgebracht. Das ist einzigartig“, erklärt der Evolutionsbiologe.

Seit mehr als drei Jahrzehnten forscht Sturmbauer dort und beobachtet massive Veränderungen im und um das Naturjuwel. Die Uferbewaldung wurde großteils abgeholzt, die Folgen sind unter anderem Erosion und Nährstoffeintrag. „Ein riesiges Problem ist der Bevölkerungsdruck“, erklärt Sturmbauer die Entwicklungen, die dem 670 Kilometer langen See unter anderem in Form von Überfischung zusetzen.

Tanganjikasee - Das blaue Herz Afrikas
Fischmarkt in Sambia
© ORF