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Musik-Rückblick 2019Ehret das Alter, ehret den Song

Die Diversität in der Musikszene ist derzeit unglaublich und auch unglaublich spannend. Für mein persönliches Musikjahr habe ich trotzdem auf Interpreten zurückgegriffen, die mich teilweise schon mein (Musik-)Leben lang begleiten.

Bruce Springsteen, "The Boss"
Bruce Springsteen, "The Boss" © APA
 

Moden hin, Hypes her. Meine zwölf Songs des Jahres darf man ruhig unter "Old School" einreihen. Die Interpreten sind alle schon mehr oder weniger ewig im Geschäft und halten das Niveau auf hohem Niveau. Und in diesem Jahr haben sie uns wieder mit Alben und Songs beglückt, die schlicht und einfach gut und relevant sind:

 

1. Bruce Springsteen: "Moonlight Motel".
Aus dem Album "Western Stars". Die Songs darauf könnten den Soundtrack eines alten John Ford-Westerns ergeben. "Moonlight Motel" ist eine wunderschöne, staubige, sehnsuchtsvolle Ballade. Schräge Typen, lange Highways, große Träume - und ein großer Song.

2. Bonnie Prince Billy: "In Good Faith"
Der geniale Waldschratt und Singer/Songwriter schleudert ja Platten im Monatstakt in die Umlaufbahn - nicht alle davon muss man haben. Seine aktuelle CD "I Have Made A Place" ist wieder eine berührende Sammlung von erhabenen Songperlen - und "In Good Faith" ist ein besonders glänzendes Exemplar. Besonders das Video dazu geht unter die Haut. Es handelt von Menschen, die augenscheinlich nichts besonderes tun, aber genau das ist das Besondere an ihnen.

3. Neil Young & Crazy Horse: "Shut It Down"
Für das Album "Colorado" galoppiert Young wieder mit seinen verrückten Pferden. Die Gäule sind zwar etwas zahmer geworden, sind aber zwischendurch noch immer wilde, spielfreudige Viecher. Der Song "Shut It Down" rumpelt und rockt ordentlich durch die Prärie.

4. Mark Lanegan Band: "Night Flight To Kabul"
Der ehemalige Screaming Trees-Frontmann hat mit "Somebody's Knocking" wieder ein dunkles, kraftvolles Album hingerotzt. Der Nachtflug nach Kabul ist äußerst ungemütlich, aber einmal gelandet, ist dieser irrlichternde Song eine schöne Überlebensbelohnung.

5. Nick Cave: "Waiting For You"
Mit dem Album "Ghosteen" hat Cave nach dem Tod seines Sohnes seine Trauerarbeit fortgesetzt - und möglicherweise musikalisch beendet. Ein Album übrigens, dem man viel Zeit und Raum widmen sollte. Wer beim Song "Waiting For You" nicht nasse Augen bekommt, hat kein Herz.

6. Robbie Robertson: "Beautiful Madness"
Vom "The Band"-Frontmann stammt angeblich folgender Satz: "Wir alle haben nach guten Songs gefischt. Dummerweise saß Bob Dylan immer ein Stück flußaufwärts und hat die besten Songs aus dem Wasser gezogen." Nun, für sein Album "Sinematic" hatte Robertson auch einen guten Platz am Fluss - und mit "Beautiful Madness" ist ihm ein besonders guter Fang gelungen.

7. Dan McCafferty: "Mafia"
Wenn ein Album "Last Testament" heißt, lässt das nichts Gutes erahnen. Der ehemalige "Nazareth"-Haudegen atmet aber noch einmal tief durch und zeigt, was in ihm steckt. Das klingt oft beängstigend endzeitlich, dann wieder erstaunlich kraftvoll. Der Song "Mafia" ist auch musikalisch spannend und erinnert an einen Italo-Western. Hier bäumt sich ein Unerschrockener noch einmal auf. Schmerzhaft, stoisch, nostalgisch, tapfer. Und im Wissen, dass das Ende nahe ist...

8. Rodney Crowell: "You Are Only Happy When You Are Miserable"
Im hermetischen Nashville hatte es Crowell nie leicht - und sein Privatleben (Ehe mit Cash-Tochter Rosanne) verlief auch recht holprig. Dabei ist er einer er großartigsten Songwriter in der Branche und wurde zuletzt auch kommerziell mit Grammys geehrt. Sein aktuelles Album heißt schlicht "Texas" und ist ein stimmiges Porträt dieses mystisches Staates. Auf dem lässigen Rocker "You Are Only Happy When You Are Miserable" hockt übrigens ein gewisser Ringo Starr am Schlagzeug.

9. Willie Nelson: "My Favorite Picture Of You"
Zwei, drei Platten pro Jahr schafft die 86 Jahre alte Legende noch immer locker - und da ist selten etwas dabei, für das man sich schämen muss. Hundert Mal gehört, und doch stellt sich bei Willie immer das schöne Gefühl ein, dass da wieder ein alter Bekannter anklopft, der immer willkommen ist und nicht stört. Das Guy-Clark-Cover "My Favorite Picture Of You" ist ein besonders gelungenes, aber nie pickiges Rührstück. Clark ist ja 2016 in die ewigen Jagdgründe vorausgegangen, möge ihm Willie noch lange nicht folgen.

10. Richard Hawley: "Alone"
Der grandiose Northern-Souler, der britische Crooner, der tieftraurige Oden an die Nacht in den Sternenhimmel klebt, hat mit "Further" wieder ein Album vorgelegt, das in den englischen Music Halls ebenso zu Hause ist wie im Südstaaten-Rock. Und "Alone" ist ein Song, der Hawleys DNA pur enthält: zu Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. Ach, so schön!

11. Mavis Staples: "Change"
80 Jahre jung und kein bisschen leiser und weniger kämpferisch. Mit unglaublicher Energie fegt Mavis Staples auch durch ihr neues Album "We Get By". Gospel, Soul, Rock und Pop gehen eine völlig natürliche, ungezwungene Allianz ein. Forever Young in Kopf und Herz!

12. Edwyn Colllins: "In The Morning"
Der ehemalige Orange Juice-Sänger landete mit "A Girl Like You" in den frühen 80er-Jahren seinen großen Hit, wurde dann aber durch eine schwere Krankheit aus der Bahn geworfen. Der Schotte kämpfte sich "With A Little Help From His Friends" Johnny Marr (The Smiths) und Alex Kapranos (Franz Ferdinand) ins Leben und auf die Bühne zurück. "Badbea" ist wieder ein gelungenes Album geworden, der Song "In The Morning" strahlt Verletzlichkeit und Stärke gleichermaßen aus. Ein großer Über- und Weiterlebender!

Kommentare (1)

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Dattinger
0
3
Lesenswert?

Meisterwerk

Das ganze Album Western Stars ist für mich ein Altersmeisterwerk!

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