Salzburger Festspiele 2022Orff, Bartók, Janáček und Puccini heißen die Festspielstars

Ausschließlich Opern des 20. Jahrhunderts sind die Neuinszenierungen der Salzburger Festspiele 2022 gewidmet. Dazu werden „Aida“ und „Zauberflöte“ rundum erneuert und wieder gezeigt. Beim „Jedermann“ bleibt alles wie im Vorjahr.

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Aida
Trotz Anna Netrebko 2017 kein großer Erfolg: Verdis "Aida" in einer Inszenierung von Shirin Neshat. 2022 übernimmt Elena Stikhina die Hauptrolle. © AP
 

Es ist die dritte Pandemiesaison für die Salzburger Festspiele, Intendant Markus Hinterhäuser bleibt seinem Motto des „nicht vorauseilenden Pessimismus“ treu und programmierte einen Sommer, für den 225.000 Karten aufgelegt worden sind. Hinterhäuser: „Wir mussten 2021 unendlich viel umstellen, und die Situation ist immer noch nicht leicht.“ Welch ein Koloss die Salzburger Festspiele sind, daran erinnerten auch die Abschiedsworte von Präsidentin Helga Rabl-Stadler. In den 27 Jahren ihrer Präsidentschaft haben die Festspiele knapp mehr als 6 Millionen Besucherinnen und Besucher begrüßt. 2022 bietet man von 18. Juli bis 31. August 174 Aufführungen an 17 Spielstätten.

Dantes „Die göttliche Komödie“ bildet diesmal das Gravitationszentrum des Festspielprogramms, als gedanklicher Bezugspunkt in einem Assoziationsfeld, auf dem vor allem die neuen Opernproduktionen platziert sind. Giacomo Puccinis Triptychon – „Il trittico“ – überführt laut Markus Hinterhäuser die Welt Dantes in veristische Opernfiguren. Die drei Einakter werden von Christof Loy inszeniert, Franz Welser-Möst dirigiert. Der georgische Bariton Misha Kiria singt den Gianni Schicchi, eine Dante-Erfindung, ein „dunkler Poltergeist“ (Hinterhäuser), doch im sängerischen Zentrum steht Sopranistin Asmik Grigorian, die sowohl in „Gianni Schicci“ als auch „Il tabarro“ und „Suor Angelica“ eine Hauptrolle übernimmt.

Um die letzten Dinge geht es beim ungewöhnlichen Doppelabend, der Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ mit Carl Orffs „De temporum fine comoedia“ kombiniert. Letzteres „Spiel vom Ende der Zeiten“ ist eine absolute Rarität, aber gewissermaßen Salzburger Hausstück. Die Uraufführung des Endzeitwerks, in dessen Finale „das Böse wieder zum Teil der Schöpfung und Luzifer rückverwandelt wird“ (Hinterhäuser) fand 1973 bei den Festspielen unter Herbert von Karajan statt. Diesmal dirigiert Teodor Currentzis, der wieder mit dem Regisseur Romeo Castellucci zusammenarbeitet. Das von Hinterhäuser favorisierte Dream-Team war heuer ja für „Don Giovanni“ zuständig.

Tatsächlich sind – das programmatisch stärkste Zeichen – alle vier neu produzierten Opern Werke des 20. Jahrhunderts, die Stars in Salzburg, es sind die Komponisten der Moderne: Leoš Janáčeks „Kátja Kabanová“ in der Regie von Barrie Kosky und in der musikalischen Leitung von Jakub Hrůša macht diese imposante Reihe komplett. Ältere Werke gibt es bei zwei Produktionen, die laut Hinterhäuser eine „zweite Chance“ erhalten. Die Künstlerin Shirin Neshat werde ihre „Aida“-Inszenierung „deutlich weiterentwickeln“. Neshat: „Es wird eine visuell provokantere Fassung, in der wir den vielen Facetten des Werks besser gerecht werden wollen.“ Und natürlich, muss es bei den Festspielen auch eine Mozart-Oper geben: Lydia Steier wird ihre „Zauberflöten“-Inszenierung neu aufstellen und wechselt dafür auch den Ort: Die Inszenierung siedelt vom Festspielhaus ins Haus für Mozart. Der von den Salzburger Pfingstfestspielen übernommene „Barbier von Sevilla“ (mit Cecilia Bartoli in der Regie von Rolando Villazón) sowie konzertante Aufführungen von Wolfgang Rihms „Lenz“ und Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ vervollständigen das Opernprogramm.

Wolfgang Rihm und Béla Bartók sind auch zentrale Bestandteile im Konzertprogramm, wo Salzburg auch Weltstars bringt: Isabelle Huppert wird in Arthur Honeggers „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ zu sehen sein. Das Programm bringt viele musikalische Stammgäste: Grigori Sokolov, Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Maurizio Pollini, Patricia Kopatchinskaja, Christian Thielemann usw.

Die Hauptsache im Schauspiel bleibt der „Jedermann“, der mit unveränderter Besetzung über die Bühne geht. Dazu widmet sich Regisseur Ivo van Hove der Zwischenkriegsdramatikerin Marieluise Fleißer, deren Karriere von Bertolt Brecht erheblicher Schaden zugefügt worden ist, wie Schauspielchefin Bettina Hering meinte. „Ingolstadt“, ein Stück um Feminismus, sexuelle Gewalt, Brutalität, Krämerseelen und ein Provinznest ist eine Koproduktion mit dem Wiener Burgtheater, während der „Reigen“ nach Arthur Schnitzer gemeinsam mit dem Schauspielhaus Zürich produziert wird (Regie: Yana Ross). Regiekultstar Thorsten Lensing wird sein Drama „Verrückt nach Trost“ inszenieren und Ewelina Marciniak widmet sich dem Themenkomplex um die verratene Atridentochter „Iphigenia“.

Karten sind bis zum 24. Jänner online oder über den Postweg zu bestellen, die Benachrichtigung über eine Zuteilung erfolgen bis April. Der freie Verkauf startet ab 7. April.

www.salzburgerfestspiele.at

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