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NachrufDer geniale "Trommeslager" Jon Christensen ist still eingeschlafen

Der Norweger Jon Christensen, einer der größten Jazzschlagzeuger, ist im Alter von 76 Jahren verstorben.

Jon Christensen (1943 - 2020) © Facebook/Ellen Horn
 

Jon Christensen, einer der größten und wohl auch fleißigsten Schlagzeuger im Jazz und Artverwandtem, starb im Alter von 76 Jahren. Das teilte das Münchner Label ECM mit, für das der Norweger auf sage und schreibe 74 Platten und später CDs mitwirkte.

Nicht schlecht für einen, der 1959 als 16-Jähriger autodidakt mit dem Schlagzeugspiel 1959 begann. Bereits ein Jahr später holte sich der Osloer einen Preis bei einem Amateurfestival in seiner Heimat. Und schon bald spielte er in den Clubs der norwegischen Hauptstadt mit US-Stars, die dort gastierten, unter ihnen Bud Powell, Don Ellis, Ben Webster, Stan Getz, Kenny Dorham oder Dexter Gordon. Der große Saxophonist ermutigte ihn besonders, auf die eigene Kreativität zu setzen: "Du bist nicht aus Harlem, du bist 20 Jahre alt - spiel, was Du fühlst!"

Anfang der 1970er wurde Christensen auch in Mitteleuropa einem breiteren Kreis durch seine Mitwirkung in den Gruppen von Jan Garbarek und Terje Rypdal bekannt, ab 1974 tourte er dann auch mit dem europäischen Quartett von Keith Jarrett, mit Jan Garbarek und Palle Danielsson.

Jon Christensen in jungen Jahren Foto © ECM/Roberto Masotti

1970 nahm er in Garbareks eigenem Quartett mit "Afric Pepperbird" erstmals für ECM auf. Danach wurde er so etwas wie der “Hausschlagzeuger” des Münchner Labels, und die Größten vetrauten auf sein untrügliches Gespür für Rhythmen und Sounds: Von Ralph Towners Solstice bis zum Charles Lloyd Quartet, vom Enrico Rava Quartet bis zu Ketil Bjørnstads "The Sea", vom Bobo Stenson Trio bis zu Anouar Brahems "Khomsa", von John Abercrombie, Michael Mantler, Miroslav Vitouš bis zu Dino Saluzzi, Eberhard Weber und Tomasz Stańko – alle konnten auf den kreativen Sideman, sensiblen Teamplayer, feinen Zuhörer und quicken Improvisator zählen. Nur einmal erschien mit "Selected Recordings" (2004) bei ECM ein Album unter dem eigenen Namen von “Norwegens Jazzmusiker des Jahres 1993".

Der geniale "Trommeslager" Jon Christensen starb nun im Alter von 76 Jahren. "Er ist im Alterheim Sagenehjemmet in Oslo in der Nacht still eingeschlafen", schrieb die Schauspielerin und ehemaligen norwegischen Kulturministerin Ellen Horn, mit der er verheiratet war, auf Facebook. Sie hatte ihm 1986 eine Tochter geschenkt, die in seine Fußstapfen trat: Emilie Stoesen Christensen ist Jazzvokalistin, trat mit der Band "Play Tell" auf, in der auch ihr Vater spielte, und machte ebenfalls schon auf einem ECM-Album mit - 2011 auf  "Say and Play" des Pianisten und Landsmanns Jon Balke.

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