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Kritik Wiener StaatsoperBuhs für Beethoven im Glitterlook

Transpiration statt Inspiration: Die Staatsoper müht sich redlich mit Ludwig van Beethovens „Leonore“ ab. Der Erstfassung des „Fidelio“ fehlt es trotz viel Glitters auf der Bühne an Glanz.

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Katrin Röver und Benjamin Bruns in Beethovens "Leonore" © Michael Poehn/Staatsoper
 

Ist „Fidelio“ – ungeachtet der genialen Musik – überhaupt eine gelungene Oper? Bis heute lässt sich darüber streiten, ob der charakteristische Humanismus Beethovens hier nicht zum steifen Ideendrama geronnen ist, wo Gedankenkonstrukte über die Figuren gestülpt werden. Und deren Pathos (wie so gut wie immer in Beethovens Vokalmusik) für heutige Ohren einfach irritierend sein muss.

Die Urfassung „Leonore“ macht die Probleme nicht geringer, vor allem weil der Dirigent sinnvolle Verbindungen zwischen den singspielhaften Teilen und dem Vollgas-Pathos stiften muss. Tomás Netopil am Pult des Staatsopernorchesters bemüht sich mit Erfolg, die Biedermeierlichkeit von Roccos Wach- und Schließgesellschaft musikalisch zu unterminieren: Die nervöse Spannung, die er über Marzellines Auftrittsarie, ihrem Duett mit Jaquino, Roccos Arie und den beiden Trios legt, führt die Brüchigkeit dieser spießbürgerlich maskierten Unrechtsgesellschaft vor Ohren. Nach einer eher kraftlosen Ouvertüre hätte man sich so viel akkurate Durchdringung nicht mehr erwartet.

Netopil gelingen dazu starke, lyrische Momente und intensive Modellierungen, aber der dramatische Puls dieser nicht immer ideal präzise musizierten „Leonore“ setzt bisweilen aus, auch weil der Dirigent die Klangausbrüche eher verwaltet, als zum Glühen bringt.

Recht wenig Glanz auch bei den Stimmen, obwohl Bass Falk Struckmann einen tief beeindruckenden Rocco singt und Benjamin Bruns einen schlanken, doch kraftvollen Florestan gibt. Chen Reiss brilliert mit lyrischen Bögen, gibt der Marzelline aber auch herbe Dramatik. Jörg Schneider singt einen soliden Jaquino, während Thomas Johannes Mayer vom Bösewicht Pizarro völlig überfordert ist. Ein Tyrann ohne Autorität oder gar Dämonie.

Kommentare (2)

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MoritzderKater
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13
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Es sollte doch schon bis zu den Regisseurinnen......

........durchgesickert sein, dass das RAD bereits erfunden wurde und es absolut nicht notwendig ist, alte Opern umzudeuten und ihnen eine gewisse Modernität aufzuzwingen.

Ich habe mein Abo längst aufgegeben, denn wenn ich in die Oper gehe, möchte ich Oper sehen und keine Interpretationsmöglichkeit eines klassischen, seit Jahrhunderten erfolgreichen Stückes.

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plolin
0
16
Lesenswert?

Warum muss man alles modernisieren?

Was denkt sich diese Regisseurin dabei?
Bei der Fledermaus in Graz gab es den meisten Applaus für das Orchester und den Dirigenten. Warum wohl?
Ich werde in Zukunft solche Veranstaltungen meiden. Schade.

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