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250.000 EuroSiemens-Musikpreis an Bratschistin Tabea Zimmermann

Die Bratschistin Tabea Zimmermann aus Berlin erhält in diesem Jahr den Ernst von Siemens-Musikpreis. Die Auszeichnung ist mit 250.000 Euro dotiert und zählt zu den weltweit wichtigsten Musikpreisen. Die Preisstifter lobten Zimmermanns tiefes musikalisches Verständnis und ihre bedingungslose Liebe zur Musik.

Ausnahme-Bratschistin Tabea Zimmermann © Karten Witt Management/Marco Borggreve
 

Mit unermüdlichem Enthusiasmus gestalte Tabea Zimmermann die musikalische Gegenwart auf eindrücklichste Art und Weise. Den Ernst von Siemens-Musikpreis, die Auszeichnung für ihr Lebenswerk, werde der 53-Jährigen am 11. Mai im Münchner Prinzregententheater überreicht, teilte die Ernst von Siemens-Musikstiftung am Donnerstag mit.

Die Bratschistin tritt häufig mit Kammermusik-Ensembles auf, etwa mit dem Arcanto Quartett. Sie spielte aber auch schon mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra oder der New World Symphony. Ihr besonderes Interesse gilt der Neuen Musik. In mehr als 50 Uraufführungen war sie zu hören, etwa von György Ligeti, Wolfgang Rihm, Michael Jarrell oder Enno Poppe. Dadurch habe sie es geschafft, die Bratsche ins Bewusstsein der musikalischen Gegenwart zu rücken, so die Musikstiftung. Viele Auftritte hatte Zimmermann auch mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten David Shallon, der im Jahr 2000 starb.

Zimmermann wurde im baden-württembergischen Lahr im Schwarzwald geboren. Mit drei Jahren fing sie an, Bratsche zu spielen, zwei Jahre später kam noch Klavier hinzu. Ihre Lehrer erkannten früh ihr großes Talent sowie ihr absolutes Gehör. Später studierte die begabte junge Musikerin an der Musikhochschule in Freiburg und am Mozarteum in Salzburg. Mittlerweile lebt sie in Berlin und gibt ihre Erfahrungen als Musikerin an den Nachwuchs weiter. So ist sie seit 2002 Professorin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

Die Ernst von Siemens Musikstiftung verleiht ihren Preis für ein Lebenswerk im Dienste der Musik seit 1973 jedes Jahr. Gewinner waren unter anderem Benjamin Britten, Maurizio Pollini oder Mariss Jansons. Auch der Nachwuchs wird gewürdigt, etwa mit Preisen für junge Komponisten und Ensembles. Darüber hinaus unterstützt die Stiftung rund 120 Projekte für zeitgenössische Musik weltweit. Insgesamt vergibt sie Preis- und Fördergelder in Höhe von 3,6 Millionen Euro.

Offizielle Biographie

Tabea Zimmermann gehört zu den beliebtesten und renommiertesten Interpreten unserer Zeit. Zuhörer und musikalische Partner schätzen an ihr sowohl ihr tiefes musikalisches Verständnis und die Natürlichkeit ihres Spiels als auch ihre charismatische Persönlichkeit. Dass sie heute als weltweit führende Bratschistin gilt, gründet nicht nur in ihrer außergewöhnlichen Begabung, sondern ebenso in der frühen und intensiven Förderung durch ihre Eltern, der umfassenden Ausbildung durch exzellente Lehrer, dem unermüdlichen Enthusiasmus, mit dem sie ihr Verständnis der Werke und ihre Liebe zur Musik ihrem Publikum vermittelt, und einem kompromisslosen Qualitätsanspruch. Auch in der Arbeit mit Orchestern orientiert sie sich stets an ihrem kammermusikalisch geprägten Ideal, bei dem die künstlerische Integrität im Vordergrund steht.

Als Solistin arbeitet sie regelmäßig mit den weltweit bedeutendsten Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Orchestre de Paris, dem London Symphony Orchestra, dem Israel Philharmonic Orchestra und der Tschechischen Philharmonie. In der Saison 2019/2020 ist Tabea Zimmermann Artist-in-Residence des Royal Concertgebouw Orchestra und wird sich in ihrer ganzen musikalischen Vielseitigkeit nicht nur in Amsterdam, sondern auch auf Tournee präsentieren. Sie hat in den vergangenen Spielzeiten Residencies in Weimar, Luxemburg, Hamburg, bei den Bamberger Symphonikern und bei der Frankfurter Museums-Gesellschaft gestaltet; ihre enge Zusammenarbeit mit dem Ensemble Resonanz, bei dem sie zwei Jahre als Artist-in-Residence wirkte, setzt sie auch weiterhin fort.

Tabea Zimmermann startet mit Konzerten beim Schleswig-Holstein Musik Festival, beim Rosendal Festival und den Salzburger Festspielen in die Saison 2019/2020, gefolgt von den Residency-Auftaktkonzerten mit dem Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam sowie bei den Festivals in Luzern und Grafenegg. Unter den vielen weiteren Höhepunkten der Saison sind Konzerte mit Les Siècles unter Francois-Xavier Roth beim Musikfest Berlin, mit dem Saint Paul Chamber Orchestra und der New World Symphony unter Michael Tilson Thomas sowie eine größere Rezitaltournee in den Vereinigten Staaten mit Javier Perianes. Für den Pierre Boulez Saal Berlin und die Badenweiler Musiktage hat sie zwei besondere Kammermusikkonzerte entwickelt. Kammermusikalische Auftritte stehen weiterhin in Triobesetzungen mit Jörg Widmann und Dénes Várjon sowie mit Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras und im Duorezital mit den Pianisten Javier Perianes und Thomas Hoppe an.

Einen Schwerpunkt ihrer kammermusikalischen Arbeit bildete für Tabea Zimmermann in den letzten Jahren das Arcanto Quartett mit Antje Weithaas, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras. Beim Label Harmonia Mundi erschienen CDs mit Werken von Bartók, Brahms, Ravel, Dutilleux, Debussy, Schubert und Mozart.

Tabea Zimmermann hat das Interesse vieler zeitgenössischer Komponisten für die Bratsche geweckt und zahlreiche neue Werke in das Konzert- und Kammermusik­repertoire eingeführt. Im April 1994 brachte sie erstmalig die ihr gewidmete Sonate für Viola solo von György Ligeti zu Gehör. Ihre Interpretation des Werkes, das sie anschließend in London, Paris, Jerusalem, Amsterdam und Japan spielte, fand euphori­schen Anklang bei Publikum und Presse. Seitdem hat sie auch Heinz Holligers Recicanto für Viola und Orchester, das Bratschenkonzert Nr. 2 Über die Linie IV von Wolfgang Rihm, Monh von Georges Lentz, Notte di pasqua von Frank Michael Beyer, das Doppel­konzert von Bruno Mantovani mit Antoine Tamestit und, gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz, Enno Poppes Filz uraufgeführt. Der Uraufführung von Michael Jarrells Bratschenkonzert beim Festival Musica Strasbourg 2017 mit dem Orchestre National des Pays de la Loire unter Pascal Rophé folgten weitere Aufführungen des Stückes mit den Wiener Symphonikern unter Ingo Metzmacher, dem Orchestre de la Suisse Romande unter Pascal Rophé und dem Konzerthausorchester Berlin unter Mario Venzago.

Das Hindemith-Jahr 2013 nahm Tabea Zimmermann als Anlass, bei myrios classics eine hochgelobte Gesamteinspielung aller Bratschenwerke von Paul Hindemith vorzulegen. Nach dem Erfolg ihrer 2009 bei myrios classics erschienen Solo-CD mit Werken von Reger und Bach, für das sie mit einem Echo Klassik als Instrumentalistin des Jahres ausgezeichnet wurde, brachte das Label inzwischen drei weitere Alben gemeinsam mit den Pianisten Kirill Gerstein und Thomas Hoppe heraus. Insgesamt dokumentieren rund 50 CDs, die unter anderem bei Harmonia Mundi, EMI, Teldec und der Deutschen Grammophon erschienen sind, Tabea Zimmermanns musikalisches Schaffen. Bei Ars Musici liegt eine Aufnahme des Konzertes im Beethoven-Haus Bonn vor, bei dem sie, begleitet von Hartmut Höll, auf Beethovens eigener Bratsche spielt.

Für ihr künstlerisches Wirken ist Tabea Zimmermann sowohl in Deutschland als auch im Ausland mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Frankfurter Musikpreis, dem Hessischen Kulturpreis, dem Rheingau Musikpreis, dem Internationalen Preis der Accademia Musicale Chigiana in Siena, dem Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau und als Künstlerin des Jahres der ICMA International Classical Music Awards 2017. Tabea Zimmermann ist Stiftungsratsmitglied der Hindemith-Stiftung mit Sitz in Blonay, Schweiz, und Botschafterin der Bundesstiftung Kinderhospiz. Im Juli 2013 wurde sie zur Vorstandsvorsitzenden des Vereins Beethoven-Haus Bonn ernannt. Unter ihrer Ägide findet seit Januar 2015 jedes Jahr die Beethoven-Woche Bonn statt und gipfelt 2020 anlässlich des Beethoven-Jubiläums in einem dreiwöchigen Festival mit der fast vollständigen Aufführung der Kammermusik von Beethoven.

Tabea Zimmermann erhielt im Alter von drei Jahren ihren ersten Bratschenunterricht, zwei Jahre später begann sie mit dem Klavierspiel. An ihre Ausbildung bei Ulrich Koch an der Musikhochschule Freiburg schloss sich ein kurzes, intensives Studium bei Sandor Végh am Mozarteum in Salzburg an. Eine Reihe von Wettbewerbserfolgen krönte ihre Ausbildung, darunter erste Preise bei den internationalen Wettbewerben in Genf 1982, in Budapest 1984 und beim Wettbewerb „Maurice Vieux" in Paris 1983. Dort erhielt sie als Preis eine Bratsche des zeitgenössischen Geigenbauers Etienne Vatelot, auf der sie seitdem spielt. Seit 2019 spielt sie zudem auf einem maßgefertigten Instrument des Geigenbauers Patrick Robin. Ab 1987 bis zu dessen Tod im Jahr 2000 konzertierte sie regelmäßig mit ihrem Ehemann David Shallon. Sie lebt in Berlin und hat drei fast erwachsene Kinder. Professuren hatte Tabea Zimmermann bereits an der Musikhochschule Saarbrücken und an der Frankfurter Hochschule für Musik inne; seit Oktober 2002 ist sie Professorin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“.

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