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Kritik Wiener Staatsoper''Die Frau ohne Schatten'': Nur musikalisch eine Gala-Vorstellung

Der deutsche Dirigent Christian Thielemann und die Sängerriege bereiten in Richard Strauss’ "Die Frau ohne Schatten" ein Fest, bei dem die Regie Zaungast bleibt.

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Weltklasse-Trio: Evelyn Herlitzius, Camilla Nylund und Nina Stemme (von links) © Michael Poehn/Staatsoper
 

Allein wie Christian Thielemann die eröffnenden Orchesterschläge der „Frau ohne Schatten“ dynamisch differenziert, macht ohrenfällig, welche Richtung er dem Abend geben wird. Der Dirigent achtet penibel auf die Details, macht die Orchesterstimmen transparent und nimmt die Lautstärke regelmäßig zurück, wenn es darum geht, den Sängern eine Bühne zu geben. Nicht von ungefähr gilt Thielemann als der beste Strauss-Dirigent unserer Tage, und damit auch als Idealbesetzung für die Gala-Premiere, mit der die Staatsoper ihren 150. Geburtstag beging. Wie auch bei seinem Salzburger „Meistersinger“-Dirigat zu Ostern horcht Thielemann in die Verästelungen der Musik hinein, ohne den verbindenden Faden zu verlieren, und bekämpft Kitschgefahr mit Klangsinn.

Auftrumpfend geraten die Verwandlungsmusiken, in denen das Staatsopernorchester wunderbar präzise lärmt, ohne die Klangschönheit zu verlieren. Selbst wenn Thielemann Strauss’ Musik abheben lässt, zieht diese exakte Bahnen. Manches klingt eventuell zu gedämpft, die irrlichternde Klangmagie des Fischzaubers im ersten Akt erhält etwas Behagliches und auch sonst wirkt manches zu wenig spontan. Dass Strauss auch Berserker mit Farbe und Form war, hört man eventuell zu wenig.

Weltklasse-Ensemble

Mini-Einwände, auch angesichts dessen, was sich auf der Bühne tut. Mit Nina Stemme als Färberin und Evelyn Herlitzius als Amme sind zwei der fünf tragenden Partien unüberbietbar besetzt. Stemmes Dramatik ist umwerfend, aber sie kreiert ein facettenreiches Rollenporträt, das sich nicht nur aus ihrer Stimmenergie speist. Evelyn Herlitzius ist eine dunkel-dämonische Amme, die weite Passagen der Rolle wirklich singt, statt zu keifen, eine Sängerin, die die giftige Partie schafft, und nicht umgekehrt. Camilla Nylunds Kaiserin scheint zu Beginn des dritten Akts an die dramatischen Grenzen zu stoßen, doch ihr schimmernder Glanz setzt sich letztlich durch. Wolfgang Koch ist ein anrührender Barak, während Stephen Gould die kürzeste der fünf Hauptpartien, den Kaiser, mit hell gefärbter Bronze ausstaffiert.

Es ist ein musikalisches Fest, bei dem die Inszenierung Zaungast bleibt. Vincent Huguets ambitionslose Regie mit viel Stehgesang, unfreiwilliger Komik in wallenden Kostümen und wenig Personenführung muss man wirklich nicht gesehen haben. Abgesehen davon, dass er die Kaiserin zu Beginn sinnfällig in einen goldenen Käfig steckt, um ihre Isolation zu zeigen, flüchtet er sich anderweitig in beliebige Videoprojektionen und einen geradezu läppischen „Regieeinfall“ mit gefallenen Soldaten. Die Staatsoper feiert ihren 150. Geburtstag mit einer Nicht-Regie, die nur deshalb nicht verärgert, weil sie wenigstens nicht von der grandiosen musikalischen Umsetzung ablenkt.

Die Frau ohne Schatten

Dirigent: Christian Thielemann,
Regie: Vincent Huguet. Mit Nina Stemme, Evelyn Herlitzius, Camilla Nylund, Wolfgang Koch, Stephen Gould, Sebastian Holeck, Benjamin Bruns u. v. a
Orchester und Chor der Wiener Staatsoper
Weitere Aufführungen: 30. Mai, 2., 6., 10. Juni.

www.wiener-staatsoper.at

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