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Er hört nicht aufAltmeister der Filmmusik: Ennio Morricone ist 90

Der introvertierte "Vater" der Italo-Western-Musik feiert seinen 90. Geburtstag - 500 Soundtracks komponierte er in seiner erfolgreichen Karriere

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2016 erhielt er auch einen Golden Globe. Ennio Morricone, Altmeister der Filmmusik. © APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
 

Eine Abschiedstour, ein Buch und noch ein letzter Soundtrack: Der legendäre Filmmusik-Komponist Ennio Morricone feiert seinen 90. Geburtstag, gönnt sich aber keine Ruhepause. Der legendäre Musiker, der über 500 Filmmusiken für Kino und Fernsehen komponierte, hat noch viele Termine vor sich.

Nächste Woche startet der römische Maestro seine letzte Tournee unter dem Motto "The Farewell Tour". Damit will er seinen Abschied von den Konzertbühnen der Welt gebührend feiern. Auftritte sind in Moskau, Paris, London, Berlin und Budapest vorgesehen. "Meine Werke ein letztes Mal live für Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Herkunft aufzuführen, ist toll", erklärt Morricone.

Der Dirigent komponierte in den letzten Jahrzehnten die Musik für
mehr als 500 Filme, darunter für viele Klassiker wie Bernardo Bertoluccis "1900" oder Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Für eine Handvoll Dollar". Für seine Leistungen wurde Morricone bereits dutzendfach geehrt. Viele seiner Soundtracks sind weltweit bekannt - allen voran die Mundharmonika-Melodie aus dem Western-Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" aus dem Jahr 1969.

Doch auch fast 50 Jahre danach hat der gebürtige Römer noch nicht genug von der Musik. Er arbeitet zurzeit an der Musik des neuen Films von Giuseppe Tornatore. 2000 hatte Morricone für den Soundtrack des Tornatore-Werks "Die Legende vom Ozeanpianisten" den Golden Globe für die beste Filmmusik erobert. Morricone schrieb auch den Soundtrack für Tornatores oscargekröntes Werk "Cinema Paradiso".
Der sizilianische Regisseur Tornatore widmet Morricone ein Buch
mit dem Titel "Ennio, un maestro", das anlässlich des 90.
Geburtstags des Filmmusikkomponisten erscheint. "Wenn man zum Herzen meiner Musik gelangen will, muss man zwischen den Pausen, in der Stille suchen. Denn Stille ist Musik, so viel wie die Klänge und
vielleicht noch mehr", enthüllt Morricone, der Giganten wie Bach und
Strawinsky als Vorbilder nennt.

Millionen Menschen kennen die Melodien Morricones, der introvertierte Italiener bleibt lieber im Hintergrund, Glamour ist ihm fremd. Lange Zeit komponierte er unter zwei Pseudonymen. Preise sind ihm eher egal. "Erfolg kann schon befriedigend sein, aber die Musik muss stets pur und korrekt sein, niemals bloß ein Vehikel, um anerkannt zu werden", schreibt er in seinem Erinnerungsbuch "Life Notes" ("La musica e oltre").

Ein Leben ganz für die Musik

Geboren ist Morricone am 10. November 1928 im Römer Stadtteil Trastevere in einer musikbegeisterten Familie mit vier Geschwistern. Sein Vater war Trompeter und auch Morricone interessierte sich schon als Kind für die Musik, begann im Alter von sechs Jahren zu komponieren. 1938 schrieben ihn seine Eltern am Konservatorium in Rom ein, wo er Diplome in Komposition und Trompete erwarb und danach zunächst in Orchestern spielte.

Von 1964 an arbeitete Morricone gemeinsam mit seinem ehemaligen
Klassenkameraden, dem Regisseur Sergio Leone, für dessen Filme, "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Zwei glorreiche Halunken" (1966) und "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968), er die Musik schrieb, sowie mit
Bernardo Bertolucci. Leone beteuerte immer wieder die Wichtigkeit
von Morricones Musik für seine Filme, da dieser Dinge auszudrücken
vermag, die sonst in Bildern hätten dargestellt werden müssen.

Im Laufe seiner Karriere arbeitete der Römer mit weltbekannten
Regisseuren wie Roman Polanski, Oliver Stone und Margarethe von
Trotta zusammen. Aber auch E-Musik und Fernseh-Melodien hat er komponiert. 2007 erlebte Morricone mit dem Oscar für sein Lebenswerk die Krönung seiner Karriere, nachdem er zuvor die Hoffnung auf die begehrte Trophäe fast schon aufgegeben hatte. Fünfmal war der Italiener nominiert worden, aber leer ausgegangen. 2016 erhielt er im Alter von 87 Jahren den ersten Oscar für seine Filmmusik zu Quentin Tarantinos Western "The Hateful Eight".

Trotz seiner internationalen Erfolgen ist der grauhaarige Italiener mit der Hornbrille immer auf seine Privatsphäre bedacht. Morricone ist seit 1956 mit Maria Travia verheiratet, gemeinsam hat das Paar drei Söhne und eine Tochter. Einer der Söhne arbeitet ebenfalls als Komponist. Morricone wünscht sich, so lang wie möglich mit seiner Frau leben zu können. "Maria habe ich meine beiden Oscar-Preise gewidmet. Es ist nicht einfach, mir zur Seite zu stehen, eine Person auszuhalten, die vor allem mit sich selbst anspruchsvoll ist", pflegt er zu sagen.

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