Ab 2021Neubesetzung der Bayerischen Staatsoper

Der belgische Kulturmanager Serge Dorny und der russische Dirigent Vladimir Jurowski übernehmen mit 1. September 2021 einen der renommiertesten Musentempel der Welt.

Vladimir Jurowski
Der 45-jährige Russe Vladimir Jurowski © AP
 

Der belgische Kulturmanager Serge Dorny und der russische Dirigent Vladimir Jurowski bilden ab 2021 das neue Führungsduo an der Bayerischen Staatsoper. Dorny tritt zum 1. September 2021 als Intendant die Nachfolge von Nikolaus Bachler an; da endet die Amtszeit des seit 2008/09 wirkenden 66-jährigen Steirers. Als neuer Generalmusikdirektor soll ihm ebenfalls ab Anfang September 2021 Vladimir Jurowski zur Seite stehen. Der 45-jährige Russe, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB), folgt auf Kirill Petrenko, den künftigen Chef der Berliner Philharmoniker.

Dorny, derzeitiger Chef der Opéra National de Lyon, war schon einmal auf dem Sprung nach Deutschland. Im September 2014 sollte er die Intendanz der Dresdner Semperoper übernehmen. Doch dazu kam es nicht. Wegen "Störung des Betriebsfriedens" wurde ihm noch vor Amtsantritt fristlos gekündigt. Dorny selbst sprach von Kompetenzstreitigkeiten mit Christian Thielemann, dem selbstbewussten Musikchef des Hauses. Die folgende mediale und juristische Schlammschlacht endete 2016 mit Dornys Sieg vor dem Dresdner Oberlandesgericht und einer Schlappe für die sächsische Staatsregierung.

Im zweiten Anlauf hat der 56-jährige Dorny, Schüler des 2014 verstorbenen, europaweit höchst einflussreichen Opern- und Theaterintendanten Gerard Mortier, jetzt den Sprung über Rhone und Rhein geschafft. Die Erwartungen sind groß, denn Staatsopernchef Nikolaus Bachler hat zusammen mit seinem von Publikum und Kritik umschwärmten Generalmusikdirektor Kirill Petrenko an der Isar für eine anhaltende Erfolgssträhne gesorgt.

Wird Dorny zusammen mit Jurowski die Erfolgsgeschichte fortsetzen können? In Lyon jedenfalls hat der Flame, der in Gent Architektur, Kunstgeschichte und Komposition studierte und nach einer Dramaturgenposition an der Brüsseler Opéra La Monnaie unter Mortier zuerst Leiter des Flandern-Festivals und dann Generaldirektor des London Philharmonic Orchestra wurde, seit seinem Amtsantritt 2003 eine beeindruckende Performance hingelegt.

Gerade erst wurde die nach der Pariser Bastille zweitwichtigste französische Oper für ihr experimentierfreudiges Programm und die hohe künstlerische Qualität in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" zum Opernhaus des Jahres gekürt. Eine Auszeichnung, die sich 2013/2014 auch Dornys neue Münchner Wirkungsstätte an die Fahnen heften konnte.

Dorny gilt nicht nur als innovativer Theaterkopf, sondern auch als durchsetzungskräftiger und fordernder Manager, der immer wieder auch in Österreich für verschiedene Leitungsfunktionen im Gespräch war. Nach seinem Dresdner Waterloo wurde ein Brief bekannt, in dem sich die Mitarbeiter der Lyoner Oper gegen eine Rückkehr Dornys nach Lyon wehrten. In einem an Frankreichs damalige Kulturministerin Aurélie Filippetti adressierten, anonymen Schreiben klagten sie über ein angeblich schlechtes Betriebsklima.

Dahinter stand wohl auch der Druck, den die von Dorny programmierten, zahlreichen Neuproduktionen mit sich brachten; Dorny selbst vermutete eine politische Intrige. Trotzdem kehrte er 2014 nach Lyon zurück. Zumindest der Erfolg rechtfertigte diese ungewöhnliche Entscheidung.

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