Als 14-Jährige mutierte sie als lebens- und liebeshungrige Vic in der Teenie-Komödie „La Boum – Die Fete“ (1980) zum Idol vieler Mädchen-Generationen. Sophie Marceau, heute 55, ist aus dem französischen Komödien-Kino seit damals nicht mehr wegzudenken, auch in Hollywood erlangte die Schauspielerin Ruhm – zum Beispiel in „Braveheart“ oder im 007-Kosmos.
Im berührenden Tochter-Vater-Drama „Alles ist gutgegangen“ nach dem autobiografischen Roman von Emmanuèle Bernheim erreicht ihr Spiel eine furiose, seltene Tiefe. Es ist die erste Zusammenarbeit mit dem Filmemacher François Ozon („Acht Frauen“). Tief verwurzelt im bourgeoisen Milieu von Paris, spielt Sophie Marceau die erfolgreiche Verlegerin Emmanuèle. Ihr Leben: läuft. Bis ihr inzwischen hochbetagter Vater André (André Dussollier) sie mit einem Auftrag aus der Komfortzone katapultiert. Ein Schlaganfall hat den einst so agilen Industriellen an Bett und Rollstuhl gefesselt. So stelle er sich kein Leben vor, erklärt der Familienpatriarch. „Ich will, dass du mir hilfst, es zu beenden.“ Sein Wunsch ist ihr Befehl. So war es immer. Die Tochter plant also seinen letzten Trip in die Schweiz, wo Sterbehilfe zwar ein Privileg der Bessergestellten, aber nicht illegal ist.


Der Tod oder die Haltung zu Sterbehilfe stehen nicht im Fokus von Ozon. Vielmehr skizziert er in erstaunlich leichtfüßigem Ton und in Rückblenden die Geschichte eines Auftrags zur Sterbehilfe. Und vor allem, was das mit den Hinterbliebenen und der längst auseinandergedrifteten Familie macht: mit Emmanuèle, der vom Vater zweitgereihten Schwester Pascale (Géraldine Pailhas) und ihrer von Depressionen geplagten Bildhauer-Mutter (Charlotte Rampling) und mit Andrés Geliebten Gérard, sie leben ein queeres Bildungsbürgerleben.
Der letzte Wunsch des Vaters als Liebesdienst, als letzter Akt der Selbstbestimmung, als Auftrag sowie als beklemmende Familienaufstellung: Ozon lädt die Geschichte mit allerlei Emotionen auf, inszeniert sie jedoch in unterkühlten Blautönen. Jeder türkise Schal von Emmanuèle findet sich in einem Ausstattungsdetail in derselben Farbe wieder.

Vom Teenie-Idol zur Charaktermimin: Sophie Marceau
© Mandarin Production/ Wild Bunch Germany


Die Musik von Brahms oder Beethoven bettet die virtuos komponierte Story ein, die zwischen dem Privaten und Politischen, zwischen Humor und Moral, Leben und Tod, Glück und Schmerz changiert. „Alles ist gutgegangen“, meldet die Chefin des Sterbehilfeunternehmens („Hanna Schygulla“) der Tochter am Telefon. Der Tod, berichtete sie, sei zu Brahms eingetreten.

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