Neu im KinoWelche Filme Sie diese Woche unbedingt sehen sollten - und welche nicht

Eine Außenseiterfreundschaft im tiefsten amerikanischen Westen, Bob Odenkirk als nur scheinbar biederer Buchhalter, zwei Urzeit-Monster im Clinch und ein Zauberer in Nöten: Die Kinostarts der Woche in der Kurzkritik.

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John Magaro in Kelly Reichardts "First Cow" © Verleih
 

FIRST COW
Bewertung: ****

Eine Männerfreundschaftsgeschichte aus den Anfangsjahren der Vereinigten Staaten erzählt von Kelly Reichardt, einer der wichtigsten US-Regisseurinnen, in „First Cow“. In einer Siedlung am Rande der Wildnis in Oregon wollen sich die zwei Außenseiter und Underdogs King-Lu und Cookie den amerikanischen Traum ohne allzu viel Gewalt erfüllen. Dazu verkaufen sie köstliche Süßspeisen an dreckige Trapper. Doch die Milch dafür ist gestohlen von der titelgebenden ersten Kuh in diesem Teil der neuen Welt. Zwischen den Zeilen ihres Anti-Westerns erzählte Regie-Veteranin Kelly Reichardt damit vergangenes Jahr, pünktlich zur US-Wahl, viel über einen falsch verstandenen Gründungsmythos Amerikas, den amerikanischen Kapitalismus - und das Gegengift der Solidarität. Diese zutiefst humanistische und in warmes Licht getauchte Siedler-Geschichte über das Konditoren-Duo am Außenposten der Zivilisation ist klein und harmlos, aber auch wunderbar angenehm und lyrisch-süß. MW

NOBODY
Bewertung: ****

Hutch Mansell ist ein prototypischer Buchhalter-Niemand, mit Frau, zwei Kindern und Vorstadt-Haus - perfekt besetzt mit dem Loser-Anwalt aus „Breaking-Bad“ und „Better Call Saul“ Bob Odenkirk. Nicht einmal nächtlichen Einbrechern begegnet Hutch mit Gewalt. Doch unter dieser Oberfläche schlummert eine Vergangenheit, der man im Kino am besten völlig ohne Vorab-Warnung durch Trailer und Kritik begegnet. Wer es dennoch wissen will: Hutch ist gewissermaßen eine „John Wick“-Figur im Ruhestand. „Nobody“ wird bald derart konsequent zum coolen Ein-Mann-Armee-Actioner, dass alle moralischen Bedenken über die gefährlich-befreiende Befriedigung dieser brutalen Gewalt schnell vergessen sind. Immerhin ist der Gegner nur ein ebenso brutaler Mafiosi namens Yulian Kuznetsov samt namenlosen Schergen. Da kann der Protagonist der tödlichen Verführung nicht widerstehen und Regisseur Ilya Naishuller liefert ihm in 93 Minuten wunderbar schnörkellos gefilmte Gelegenheiten dafür. MW

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SPACE DOGS
Bewertung: ****

Nachdem der preisgekrönte Dokumentarfilm der Kärntnerin Elsa Kremser und ihres Co-Regisseurs Levin Peter nach der Locarno-Premiere 2019 auf mehr als 60 Festivals zu sehen war, bekommt er nun endlich einen Kinostart. „Space Dogs“ ist ein außergewöhnlicher, visuell betörender Essay über Straßenhunde in Moskau, Sowjet-Propaganda und die erste Hundekosmonautin Laika, die 1957 in den Weltraum geschickt wurde und das nicht überlebte. Bevor Laika berühmt wurde wie nach ihr Belka und Strelka, war sie ein Straßenköter. Die Filmemacher hefteten sich monatelang an ein Rudel Tiere und schenken dem Publikum bis dato ungesehene Bilder, die mit philosophischen Einsichten in die Sowjetära und Weltraumpolitik garniert sind, während die Protagonisten des Films durch Plätze oder Parks strawanzen. JS

DER SPION
Bewertung: ***

Er ist kein Spion a la James Bond: Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) ist ein Geschäftsmann, der gerne zu tief ins Glas schaut und keine Probleme mag. Als er eines Tages in den 1960ern, mitten im Kalten Krieg, unerwartet vom britischen MI6 und dem US-Auslandsgeheimdienst CIA engagiert wird, ändert sich sein fader Alltag abrupt. Er soll in Moskau auf den  Geheimdienstmitarbeiter Oleg Penkowski (Merab Ninidze) treffen und Dokumente tauschen. Je länger ihre gefährliche Mission dauert, desto mehr freunden sich die beiden an. Bis sie auffliegen und um ihr Leben, jenes ihrer Familien und jenes des anderen kämpfen müssen. Die Story des Politthrillers unter der Regie von Dominic Cooke basiert auf einer wahren Story: gängiger Spionagelook, großes Schauspielkino. JS

GODZILLA VS. KONG
Bewertung: ***

Teil 4 im millionenschweren „Cinematic Monsterverse“, das die Urzeit-Kreaturen aus der trashigen Ecke der Filmgeschichte in die Franchise-Gegenwart holt. Nach „Godzilla“ (2014) und „Godzilla: King of the Monsters“ (2019) darf das Monster-gewordene japanische Atomwaffen-Trauma nun endlich gegen die Darwin’sche Kolonial-Kreatur aus „Kong: Skull Island“ (2017) antreten. Erneut werden die Monster nebenbei zu Beschützern gegen das menschliche Böse, diesmal in Form des künstlichen Mechagodzilla. Zwischen der großformatigen Zivilisations-Zerstörung Hongkongs und einem Jules-Verne’schen Ausflug ins urzeitliche Innere der Erde menschelt es auch gehörig, wenn das gehörlose Ozeanier-Waisenkind Jia dem großen King-Kong mittels Zeichensprache ‘Familie’ und ‘Heimat’ erklärt. Auch wenn die Proportionen etwas verschwimmen und alles etwas sehr geradlinig durchexerziert wird, funktioniert der Monster-Spaß ohne überflüssige Bedeutungsschwangerschaften ganz ordentlich. MW

THE SECRET OF THE KENYAN RUNNERS
Bewertung: ***

Wie ein Vater um seine Kinder kümmert sich Coaching-Legende Colm o’Connell um seine Schützlinge: Erst liefen sie barfuß in Kenia, jetzt sind sie an der Weltspitze. Die spannende Dokumentation „The Secret of the Kenyan Runners“ der Wiener Regisseurin Barbara Gräftner begibt sich auf die Suche nach dem Erfolgsgeheimnis der kenianischen Athleten. Dabei wurden Weltrekordhalter Rhonex Kipruto, sein guter Freund Solomon Boit und die erfahrene Langstreckenläuferin Nancy Kiprop ein Jahr lang begleitet. Für sie alle führte das Laufen zu einem besseren Leben: Nur mit Erfolg in der westlichen Welt konnten sie aus der Armut ihres Heimatlandes ausbrechen. Der rund 90-minütige Film gewährt einen Blick auf eine oft verborgene Seite des Hochleistungssports. Die Langwierigkeit der Dokumentation wird durch die atemberaubenden Kulisse des ostafrikanischen Landes erfolgreich kaschiert. MWG

CATWEAZLE
Bewertung: **

Otto Waalkes in der Rolle des britischen BBC-Serien-Magiers Catweazle. Durch einen schief gegangenen Zauber 1000 Jahre in die Zukunft katapultiert, muss der etwas beschränkte Zeitreisende seinen Zauberstab im verschlafenen bundesdeutschen Dorf Derwitte des Jahres 2020 suchen. Dabei hilft ihm der 12-jährige Außenseiter-Junge Benny (Julius Weckauf) und erklärt ihm nebenbei den Elektrik-Trick. Doch auch die Auktionshaus-Kapitalistin Katharina Metzler (herrlich-überdrehte Hexen-Figur von Katja Riemann) ist hinter dem Artefakt her.  Auch wenn Waalkes nicht wie in seinen Otto-Filmen ausgiebig Gelegenheit bekommt sein charakteristisch-anarchisches Jerry-Lewis-Slapstick-Talent zu demonstrieren, ist der berühmteste Ostfriese keine schlechte Besetzung für diesen vergnügten Kinderfilm. Insgesamt ist die deutsche Hochglanz-Variante von „Catweazle“ für ein Fantasy-Abenteuer zwar etwas fantasielos und vorhersehbar, aber kein unangenehmer kleiner Kinder-Spaß. MW

Und das läuft außerdem noch an

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PETER HASE II. Animationsspaß „Peter Hase“ spielte 2018 weltweit mehr als 351 Millionen Dollar ein. Naturgemäß musste es da eine Fortsetzung geben.
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