Film der Woche"Wir töten Stella": Vergletscherte Ehe

Mit seiner Verfilmung von Marlen Haushofers Novelle beleuchtet Regisseur Julian Pölsler in die emotionalen Abgründe einer Anwaltsfamilie.

Martina Gedeck in "Wir töten Stella" © Verleih
 

Die vor fünf Jahren bei der Berlinale uraufgeführte Verfilmung von Marlene Haushofers (1920–1970) Roman „Die Wand“ durch Julian Pölsler zählt zu den erfolgreichsten heimischen Kinoproduktionen der letzten Jahren. So erreichte dieser Streifen mit Martina Gedeck im Zentrum und Karlheinz Hackl in seiner letzen Filmrolle an die 100.000 Besucher in Österreich und wurde in insgesamt 18 Staaten verkauft.

Nach diesem Erfolg konnte der aus der Obersteiermark gebürtige Regisseur, der einst als Assistent des legendären Axel Corti arbeitete, an die filmische Umsetzung der vor der „Wand“ (1963) veröffentlichten Haushofer-Novelle „Wir töten Stella“ (1958) gehen. Wieder mit Martina Gedeck in der zentralen Rolle.

Sie spielt die gutbürgerliche Anwaltsgattin Anna, die mit ihrem Mann Richard (Matthias Brandt) und den gemeinsamen Kindern Annette (Alana Bierleutgeb) und Wolfgang (Julius Hagg) in einer exquisiten Vorstadtvilla wohnt. In den letzten zehn Monaten war die Studentin Stella (Mala Emde), die Tochter eines bekannten Paares, hier einquartiert. Und nun ist Stella tot.

Offen bleibt, ob es sich um einen Suizid oder einen „normalen“ Verkehrsunfall mit einem Lkw handelt.
Zwei Tage und Nächte hat Anna nun Zeit, ihre Beobachtungen der Geschehnisse der letzten Monate niederzuschreiben. Anna betätigt sich als gnadenlose Chronistin der Ereignisse, die von einer unglaublich zwischenmenschlichen Versteinerung künden.

Die Beziehung zwischen den Eheleuten muss schon vor langer Zeit das Stadium der Wurstigkeit erreicht haben. Die Lebenslüge scheint der einzige Kitt zu sein. Anna schaut weg, als Richard mit Stella ein Verhältnis eingeht. Sie ist nicht eifersüchtig, er ist ihr vielmehr schnurzegal. Pölsler umschleicht das Geschehen, zu dessen Entschlüsselung er zu offensiv auf Videoaufnahmen setzt.

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