Filme dieser WocheWas Sie in dieser Woche (nicht) im Kino sehen sollten

Joel Coen wagt einen Alleingang, ein Drama kurz vor dem Ende es Zweiten Weltkriegs und Einblicke in die Pornoindustrie.

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"Wanda, mein Wunder" © KK
 

Die Besprechung des Films der Woche, "Spencer", mit Kristen Stewart als Diana, finden Sie hier.

Wanda, mein Wunder

Bewertung: ***

"Wanda, mein Wunder" erzählt eine ungewöhnliche Geschichte europäischer Arbeitsmigration. Der Schweizer Film von Bettina Oberli versuchte eine leichte Note in seine durchaus harte Drehbuch-Prämisse zu bringen. Die polnische Krankenpflegerin Wanda wird fern der Heimat von der reichen Zürcher Familie Wegmeister-Gloor nicht gerade familiär behandelt. Doch das pflegebedürftige Familienoberhaupt Joseph empfindet bald eine schwierige Zuneigung für die junge Frau, während die dysfunktionale Familie um die beiden herum auseinanderzubrechen droht. Die amourösen und ausbeuterischen Verwicklungen lassen die Geschichte dann noch recht ausgiebig zwischen Sozialdrama und Familienkomödie hin und her schwanken. Doch die exzellenten Schauspielerriege – allen voran Agnieszka Grochowska in der Titelrolle mit André Jung, Marthe Keller und Birgit Minichmayr an ihrer Seite – lösen dann doch einen ordentlichen Teil des ambitionierten Drehbuchs von "Wanda, mein Wunder" ein. (MAW)

The Tragedy of Macbeth

Bewertung: ****

Die Coen-Brüder kennt man als unzertrennliche Einheit. Nun hat Joel Coen erstmals im Alleingang und ohne Aushilfe seines jüngeren Bruders Ethan einen Film inszeniert. Eine kurze Kinoauswertung ist im Gange, mit dem 14. Jänner ist der Film auch auf der Streamingplattform AppleTV+ zu sehen.

Die ältere Hälfte des gefeierten Regie-Duos ("Fargo", "No Country for Old Men") wagt sich mit seiner Neuinterpretation von "Macbeth" an einen der meist-behandelten Shakespeare-Stoffe. Die titelgebende Hauptrolle des Lord Macbeth, der mit allen Mitteln zum schottischen König gekrönt werden möchte, wird von keinem Geringeren als Oscar-Preisträger Denzel Washington verkörpert. In atmosphärischen und surreal anmutenden Schwarz-Weiß-Bildern lässt Coen das Epos für ein neues Publikum wiederauferstehen. Die textgetreue und famos gespielte (neben Washington begeistert Frances McDormand als Lady Macbeth) Verfilmung ist eine der besseren Shakespeare-Adaptionen der jüngeren Vergangenheit, fern vom gewohnten Galgen-Humor der Coens. (POG)

Endphase

Bewertung: ****

1945, wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges, ereignete sich in der niederösterreichischen Gemeinde Hofamt Priel eine Schreckenstat. 228 Jüdinnen und Juden aus Ungarn wurden von unidentifizierten Mitgliedern der SS ermordet. Einziges Erinnerungsstück an das Verbrechen bleibt eine Steintafel am jüdischen Friedhof in St. Pölten. Regisseur Hans Hochstöger und sein Bruder Tobias untersuchen die abscheuliche Vergangenheit ihres Heimatorts. Das aufrüttelnde Doku-Porträt gibt den Opfern ein Gesicht und lässt Angehörige und Hinterbliebene des Massakers zu Wort kommen. Voller Wut und Fassungslosigkeit blicken die Brüder auf eine bis heute ungeklärte Gräueltat zurück und leisten wertvolle Erinnerungsarbeit. (POG)

Pleasure

Bewertung: ***

Für ihr Debüt richtet die schwedische Regisseurin Ninja Thyberg ihren Blick auf die US-Pornoindustrie. Die 19-jährige Linnéa alias Bella Cherry gibt bei der Einreise aus Schweden nach L.A. Vergnügen als Reisegrund an. Doch ihr Aufstieg zum Porno-Star ist hart. Thyberg erzählt das fast dokumentarisch, als weibliches Charakterdrama ohne viel Innensicht in die Hauptfigur (Sofia Kappel). Alle anderen Rollen sind mit echten Porno-Starlets besetzt; das bringt Authentizität. Und doch hat "Pleasure" bei seinem Ausflug in die Pornowelt keine starken filmischen Einfälle, die Figuren bleiben blass. Das Setting zwischen schonungsloser Ausbeutung und ethischer Pornografie-Kulturindustrie ist immerhin spannend genug für ein wenig Film-Pleasure. (MAW)

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