Die Filme dieser WocheWann sich der Kino-Ausflug lohnt - und wann weniger

Spione gegen Rasputin, Spioninnen gegen gefährliche Hacker, ein Horrormärchen aus Island und eine Provinzkomödie aus Frankreich - das sind die Filme, die Sie ab jetzt im Kino sehen können.

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Rasputin in Aktion: in "The King's Man - The Beginning", ab sofort im Kino © AP
 

„The King’s Man – The Beginning“

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In „The King’s Man – The Beginning“, dem nun anlaufenden ersten „Kingsman“-Prequel, werden die Anfänge der titelgebenden Geheimorganisation erforscht. Nach dem Tod seiner Frau gründet der britische Aristokrat Orlando Oxford (Ralph Fiennes) zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Spionagenetzwerk, mit dem er sein Land vor Gefahren schützen will. Als der Erste Weltkrieg ausbricht und Orlandos Sohn dem Militär beitreten möchte, setzt sein pazifistisch angehauchter Vater alles daran, dieses Vorhaben zu verhindern. Indes entpuppt sich eine gefährliche Gruppe aus historisch bekannten Figuren, angeführt vom russischen Geistheiler Rasputin (Rhys Ifans), als Strippenzieher einer Verkettung mysteriöser Vorkommnisse. Der dritte „Kingsman“-Film jongliert mit geschichtlichen Fakten und ersetzt den angenehm selbstironischen Ton seiner Vorgänger durch eine ernstere Erzählweise. Tadellos inszenierte Action macht Unzulänglichkeiten im Plot verzeihlich. Mit Valerie Pachner gibt es diesmal österreichischen Zuwachs im Cast. Christian Pogatetz

Lamb

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Leos Carax und Julia Ducournau haben es 2021 bereits vorgemacht, hier taucht das nächste obskure Filmbaby auf. Maria (Noomi Rapace) und Ingvar (Hilmir Snær Gunason) führen ein simples Farmerleben. Ihr Alltag nimmt eine drastische Wende, als sie ein Mischwesen zwischen Mensch und Schaf finden. Das kinderlose Paar behandelt das anthropomorphe Lämmchen fortan wie sein eigen Fleisch und Blut. Der isländische Oscar-Beitrag verpackt eine nahegehende Parabel über Elternschaft und Verlust ins Gerüst eines eigenwilligen Horrormärchens. Religiöse Symbolik und ökofreundliche Metaphern schmücken das eindringliche Stückchen Folk-Horror aus. Atmosphärische Aufnahmen des Mikrokosmos laden zum Staunen. CP

The 355

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Gleich zum Auftakt des Agenten-Thrillers „The 355“ geht in sachen Hacker-Neutralisierung gleich einmal etwas schief. Da muss sich Agentin Mace (Jessica Chastain), um den Dritten Weltkrieg noch rechtzeitig abzuwenden, mit starker weiblicher Unterstützung  (Lupita Nyong’o, Penélope Cruz, Diane Kruger, Fan Bingbing) also wohl oder übel zur Rettung des Planeten aufmachen. Simon Kinbergs setzt in seinem hochkarätig besetzten Action-Kracher ganz auf starke Weiblichkeit - mit Erfolg. Hier finden Sie Marian Wilhelms ausführliche Filmkritik zu unserem Film der Woche.

Hope

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Während in Oslo die weihnachtliche Beleuchtung strahlt, herrscht Dunkelheit in der Seele von Anja (Andrea Bræin Hovig): Die Choreografin erhält die Diagnose Gehirntumor. Heilungschancen gleich Null. Der Anfang einer Tour de force, die die Patchwork-Mutter und ihren Lebensgefährten Tomas (Stellan Skarsgård) an ihre Grenzen führt. Schonungslos rückt Regisseurin Maria Sødahl in ihrem zweiten Langfilm existenzielle Themen in den Fokus: Leben und Tod, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Wut. Authentische Protagonisten und die semi-dokumentarische Inszenierung kreieren eine dramatische Atmosphäre, die mit der Frage konfrontiert, wie man selbst mit einer solchen Diagnose umgehen würde. Jürgen Belko

Beanpole – Bohnenstange

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1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, werden dessen nachhaltige Folgen für zwei junge Frauen spürbar. Im verwüsteten Leningrad passt die traumatisierte Ex-Soldatin Ija (Wiktoria Miroschnitschenko) auf den kleinen Sohn ihrer besten Freundin Mascha (Wassilissa Perelygina) auf. Nach dem plötzlichen Tod ihres Kindes bleibt Mascha kaum Zeit zu trauern. Ija soll ihr dabei helfen, ein weiteres Kind in die Welt zu setzen. Mit ungeschöntem, aber einfühlsamen Blick lässt Kantemir Balagow die Traumata hochkochen, mit denen Soldatinnen der Roten Armee in der Nachkriegszeit zu kämpfen hatten. Bedrückend, menschlich und wunderschön gefilmt! CP

Plötzlich aufs Land

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Ist Tierärztin in der Provinz ein Traumjob oder ein Horror? Diese Frage stellt sich die junge Veterinärin Alexandra, als ihr Onkel sie in die Provinz zurücklockt. Sie soll seinem Kollegen Nico helfen. Dort, im Burgund, findet die Pariserin Kindheitserinnerungen sowie Freude an der Arbeit mit den Tieren. Auch wenn der Arm bis zur Schulter in einer trächtigen Kuh steckt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der jungen Frau die Provinz und der fesche Tierarzt-Assistent ans Herz wachsen. Regisseurin Julie Manoukian hält die Spannung und lässt ihren Film nicht ins Alberne abgleiten. Realistische Tieraufnahmen geben der Story unaufgeregte Ehrlichkeit. Und Hauptdarstellerin Noémie Schmidt spielt zurückhaltend-grantig genug, um Kitsch zu vermeiden. Marian Wilhelm

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