Neu im KinoWelche Filme sich lohnen und welche eher nicht

Neben "Matrix Resurrections" starten diese Woche etwa auch "Drive My Car" und mit "Aline" eine Hommage an Céline Dion.

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Hidetoshi Nishijima und Toko Miura in "Drive My Car" © AP
 

Drive My Car

Bewertung: ∗∗∗∗

Der Japaner Ryusuke Hamaguchi widmet sich in seiner zweiten Regiearbeit dieses Jahres einem Theatermacher, der versucht, den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Vor zwei Jahren verstarb die Gattin des angesehenen Theaterregisseurs und Schauspielers Yusuke (Hidetoshi Nishijima) an den Folgen einer Hirnblutung. Aktuell arbeitet der Künstler an einer multilingualen Adaption des Tschechow-Stücks „Onkel Wanja“, ist gleichzeitig aber noch nicht über das Ableben seiner Frau hinweggekommen.

Als ihm eine persönliche Chauffeurin (Toko Miura) zugewiesen wird, beginnt er durch intime Gespräche mit der zurückhaltenden Frau, die Traumata in seiner Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei kommen tiefe Geheimnisse rund um seine Ehefrau zum Vorschein.
Hamaguchis Drama ist ein kitschbefreites und angenehm unaufgeregt erzähltes Roadmovie, das tiefe Einblicke ins Innenleben seiner Figuren gewährt. Das dreistündige Mammutwerk entfaltet einen Sog, der einen kaum loslässt.

Aline - The Voice of Love

Bewertung: ∗∗

Eine neue Woche, eine weitere Musiker-Biografie. Diesmal wurde der kanadisch-stämmigen Pop-Ikone Céline Dion ein filmisches Denkmal verpasst, wenngleich auch ein fiktionalisiertes. Aus Céline Dion wird Aline Dieu, die Songs bleiben jedoch die unversehrten Originale. In den 70ern wächst Aline als jüngstes von 14 Kindern in einfachen Verhältnissen auf.

Das Gesangstalent wird früh erkannt. Mithilfe ihres Managers und späteren Manns erobert sie bald die Weltbühnen. Gelegentlich trumpft das Musikerdrama mit flottem Erzähltempo und gewitzten Dialogen auf. Leider werden ehrenwerte Ambitionen durch altbackene Klischees und fragwürdige Regie-Entscheidungen im Keim erstickt. Besonders obskur: die 57-jährige Hauptdarstellerin (und Regisseurin) Valérie Lemercier verkörpert Aline selbst in den Kindheitsszenen.

The Lost Daughter/Frau im Dunkeln

Bewertung: ∗∗∗∗

Maggie Gyllenhaal ist als Schauspielerin für ihre herausfordernde Rollenwahl bekannt. Nun hat sie für ihr erstaunliches Regiedebüt den Roman “La figlia oscura” von Elena Ferrante adaptiert. Es ist eine Erinnerungsgeschichte: Hauptfigur Leda Caruso urlaubt alleine auf einer griechischen Insel. Die Begegnungen dort - speziell mit einer jungen Mutter - provozieren Flashbacks in ihre frühen Zwanziger. Damals war sie am Beginn einer wissenschaftliche Karriere als Komparatistik-Professorin und eine Hälfte eines Elternpaares zweier Mädchen.

“The Lost Daughter - Frau im Dunkeln” nimmt das Tabu-Thema auf, dass man die eigenen Kinder nicht genug liebt, dass eine Mutter nicht nur Mutter sein will und dass Kinder kleine Monster sein können - nicht nur im netten Sinne. Oscarpreisträgerin Olivia Colman als gegenwärtige und Jessie Buckley als junge Leda spielen großartig. Gyllenhaal montiert die Zeitebenen überaus kunstvoll. Ein vielversprechender Auftakt einer Regiekarriere.

Mothering Sunday/Ein Festtag

Bewertung: ∗∗∗∗

Eine Schriftstellerin, die einmal ein Dienstmädchen war. Ein Dienstmädchen, das einen Sohn aus reichen Haus als Liebhaber hat. Die gemächliche-verträumte, aber so gar nicht verstaubte Historien-Literaturverfilmung der Französin Eva Husson nach einem Roman von Graham Swift kreist raffiniert um einen einzigen Tag: Am Muttertag des Jahres 1924 trifft die Protagonistin Jane Fairchild ihren Beau zum Sex und streift danach nackt durch das menschenleere Herrenhaus.

Davon ausgehend zeichnet der Film in Flashbacks und Vorgriffen die feine Skizze der Biografie einer Künstlerin. Elegant wirft der Film dabei ein Schlaglicht auf die britische Klassenfrage im melancholischen Schatten des Ersten Weltkrieges genauso wie auf die Emanzipation der weiblichen Hauptfigur. Odessa Young spielt diese Autorin in spe mit feinem Selbstbewusstsein. In Nebenrollen sorgen Olivia Colman und Colin Firth für die nötige versnobte Britishness.

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