Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Interview zum Film "Miss Marx"Heraus aus den Klischees

Mit ihrem Biopic sperren demnächst die Kinos wieder auf: Die römische Regisseurin Susanna Nicchiarelli sprach mit uns über ihre feministische Filmheldin Eleanor Marx und darüber, womit sich die Revolutionärin heute beschäftigen würde.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Susanna Nicchiarellis Film „Miss Marx“ eröffnete im Oktober die Viennale © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Was würde denn Eleanor Marx über ihre eigene Filmbiografie sagen?
SUSANNA NICCHIARELLI: Kino gab es damals natürlich noch nicht, aber Eleanor Marx glaubte an die befreiende Kraft von Kunst und Literatur, zum Beispiel bei „Madame Bovary“ oder Ibsens „Nora“. Sie glaubte, dass Geschichten mit und über Frauen einen positiven Effekt auf die Gesellschaft haben, weil das Publikum eine andere Perspektive einnehmen kann. Und sie war sich sicher, dass Geschichten über diese interessanten Frauenfiguren der Emanzipation helfen können.

Würde eine autorisierte Biografie von Eleanor Marx anders ausschauen als Ihr Film?
Nein, ich war ihrem Leben sehr treu und habe sehr wenig über sie erfunden. Die meisten Dinge kommen aus ihren Briefen und Texten. Ich glaube, sie würde es sinnvoll finden, dass ihr Leben erzählt wird. Denn man muss nicht unbedingt von einer perfekten Frau erzählen. Frauen müssen oft entweder perfekte Heilige oder total falsch sein. Aber die Geschichte einer komplexen Frau mit Fehlern wie Eleanor ist sogar wichtiger, weil es aus den Klischees herausführt.

Wie kamen Sie von der Recherche zu einem verfilmbaren Drehbuch?
Wenn man ein Biopic macht, ist die Versuchung zunächst groß, alles zu erzählen. Aber dann ist auch gleichzeitig nichts richtig interessant. Man muss auswählen. In der Recherche wird eine Person lebendig, aber ab einem gewissen Punkt geht es um einzelne Momente aus einem Leben. Das interessiert mich viel mehr als der Plot. Ich mag den Raum zwischen den Ereignissen.

Die moderne Musik ist sehr auffällig im Kontext des 19. Jahrhunderts. Wie kam’s dazu?
Ich wusste, dass es für Eleanors Geschichte Punk-Musik sein muss, weil Punk die Musik der Verzweiflung und der Revolution ist, Leben & Tod zugleich! Und Eleanors Geschichte hat all diese Elemente.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren