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Sexarbeit in "Lovemobil"Der Mythos vom unbefleckten, reinen Dokumentarfilm

Der deutsche Dokumentarfilm „Lovemobil“ sollte Prostitution zeigen. Doch Szenen und Protagonisten sind teils nicht echt. Eine Debatte über Inszenierung und Wahrhaftigkeit ist entfacht – inklusive Heucheleien.

Dokumentarfilm Lovemobil
Wie viel Inszenierung verträgt der Dokumentarfilm? Heimische Filmschaffende berichten © Elke Lehrenkrauss, Christoph Rohrscheidt)
 

Der NDR hält „Lovemobil“ unter Verschluss und hat sich vom Film distanziert. Die Arbeit über Sexarbeiterinnen am Wohnmobil-Strich, irgendwo im Wald in Niedersachsen, sollte vom Alltag der Prostitution erzählen. So nahe, wie man es sonst nie sieht. Auf Festivals bejubelt, mit Auszeichnungen überhäuft, war dem Debüt von Elke Lehrenkrauss die Aufmerksamkeit sicher. Ein Film im Höhenflug. Es folgte der harte Aufprall. Mitsamt Eskalation, zurückgegebenen Ehrungen, der zurückgezogenen Nominierung zum Grimme-Preis und einer auf den ersten Blick klaren Schuldigen: der Regisseurin. Wie das Team von STRG_F, pikanterweise auch beim NDR angesiedelt, herausfand, waren die Sexarbeiterinnen und einige der Freier und Zuhälter gar keine, sondern Darstellende. Und einige der Dialoge von der Filmemacherin am Set vorgegeben. Lehrenkrauss hatte das nach mehrjähriger Recherche verschwiegen: gegenüber dem Publikum, den Fördergebern, der Redaktion und auch einigen Protagonisten. Ein Halbsatz der Filmemacherin verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Sie habe „eine authentischere Realität geschaffen als die Realität selbst.“ Laut „artechock.de“ fehle die Hälfte ihres Satzes: „Durch die Anwesenheit der Kamera verfremdet man die Realität. Authentizität ist auch eine Frage, wie Regie-Arbeit mit diesem Fakt umgeht.“

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