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Mit Crowdfunding"Zurück in die Zukunft": Wiener Gartenbaukino wird wieder wie in den 1960ern

Möglichst nah ans Original der 1960er: Im nächsten halben Jahr erhält Österreichs wichtigstes Premierenkino am Wiener Parkring ein Facelifting. Das Publikum kann sich ein Stück vom alten Kino sichern oder eine Sesselpatenschaft übernehmen.

RENOVIERUNGSBEGINN GARTENBAUKINO
So hat man den ausgeräumten Saal im Wiener Gartenbaukino auch noch nie gesehen © APA/ROLAND SCHLAGER
 

"Bis Herbst 2021. Gartenbaustelle. Zur Sanierung des Gartenbaukinos", prangt auf der Leuchtschrift des Kinos. Innen drinnen liegt die legendäre Theke bereits in Trümmern, der grüne PVC-Boden im Gang ist abgedeckt, der große Saal im denkmalgeschützten Gartenbaukino in Wien leergeräumt - und dennoch: Sofort beim Betreten stellt sich Kino-Gefühl ein. Die Vorfreude auf die riesige, 70mm-taugliche Leinwand, das gemeinsame Erleben oder das Heben des samtenen Vorhangs. Und Erinnerungen werden wach: an Hollywoodstars, an vergossene Tränen, an Viennale-Eröffnungen oder zum Beispiel Premieren von heimischen Filmen wie "Die Dohnal" oder "Ein bisschen bleiben wir noch" im Vorjahr.

Das 1919 eröffnete und 1960 neu errichtete Einsaalkino durfte schon zahlreiche Hollywood-Prominenz begrüßen. Zur Wiedereröffnung 1960 mit Stanley Kubricks "Spartacus" kam auch Kirk Douglas nach Wien. Es folgten: David Lynch, Tilda Swinton, Christoph Waltz, Tom Cruise und andere. Nebst vielen Welt-RegisseurInnen.

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Seit einer Woche wird das Haus am Parkring nun technisch in puncto Lüftung, Klimatisierung, Elektrik, Brandschutz und Sanitärausstattung auf den neuesten Stand gebracht und im nächsten halben Jahr auch restauriert. Motto: "Zurück in die Zukunft". Genauer gesagt: Das Gartenbaukino wird in den Ursprungszustand von 1960 "zurückgebaut". Architekt Manfred Wehdorn erinnert sich an Glamour, die Aufbruchstimmung, die neue Farbe in der Stadt sowie die Damentoiletten mit den langen Spiegeln und einem Hauch New York. Bei dem Rückbau will man sanft vorgehen: originale Wagenfeldlampen von Lindner sollen ins Damen-WC zurückkehren, Schwanenhalslampen sollen das Foyer wieder "festlicher" machen und die originale Bar mit wiederentdeckten alten Decken-Mosaiken soll ebenso rekonstruiert werden. Dass der Kinosaal mit seinen 736 Sitzplätzen de facto seit den 1960ern unverändert geblieben ist, erweist sich nun als großer Vorteil. Der Saal wird gereinigt, die Sitze aus den 1980ern werden saniert, erhöht und neu gepolstert.

 

 

"Wir werden zur Viennale fertig sein, wir können gar nicht anders", sagt Norman Shetler, der das seit 2018 denkmalgeschützte Kino seit 2008 leitet. "Jeder, der hier schon einmal war, geht nicht unbeeindruckt heraus", sagt er. In einer umfassenden Crowdfunding-Kampagne kann man sich nicht nur ein Stück der Leinwand oder einen Leuchtreklamespruch sichern, sondern für 360 Euro auch Sesselpate oder Sesselpatin werden oder eine Matinee mit Lieblingsfilm, Getränken und Sportgummi für 1000 Euro erwerben. Insgesamt erhofft man sich dadurch die noch fehlenden 200.000 Euro.

RENOVIERUNGSBEGINN GARTENBAUKINO
Bar und Galerie werden zurück in die 1960er gebaut Foto © APA/ROLAND SCHLAGER

Rund 3,36 Millionen Euro kostet die Sanierung. Mit zwei Millionen Euro stemmt den Großteil davon die Stadt Wien, der Bund steuert 600.000 Euro bei, VDFS und VAM je 150.000, hinzu kommen Rücklagen und Sponsoren. „Hier schlägt das Herz der Wiener Kinokultur“, freute sich Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) über die Restaurierung und erinnert an einen "Geruch von Galas, Festivals und Festen". Und daran, dass viele dieser Orte der Kinokultur nicht mehr am Leben sind.

Auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) hatte sich zum Umbaustart eingefunden: "Das ist für mich in einer sehr schwierigen Zeit ein sehr glücklicher Moment", sagte sie. So kündigte Mayer am Montag die Einrichtung von Österreichischen Kinopreisen an. Diese sollen sich jährlich an einen mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis für herausragende Programmarbeit sowie an zwei mit je 5000 Euro dotierte Förderpreise für nachhaltiges sowie innovatives Programmieren verliehen werden.

 

Kommentare (1)
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dieRealität2020
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Lesenswert?

Wäre es nicht ratsamer in ein zeitgemäßes Kulturobjekt zu investieren?

Rund 3,36 Millionen Euro kostet die Sanierung.
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Mit zwei Millionen Euro stemmt den Großteil davon die Stadt Wien, der Bund steuert 600.000 Euro bei, VDFS und VAM je 150.000, hinzu kommen Rücklagen und Sponsoren. Durch die Crowdfunding-Kampagne erhofft man sich dadurch die noch fehlenden 200.000 Euro.
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Wenn es fertig ist, wird es vermutlich an die 4,0-4,5 Millionen ausmachen. Eigentümer der Immobilie die Stadt Wien. Wo liegt aus meiner Sicht der Sinn und Zweck eines derartigen Projekts, ausgenommen Größenwahn, wieder an große Zeiten anzuschließen die es schon längere Zeit nicht mehr gibt. Wird es tatsächlich zum Kultobjekt der nächsten 10 Jahre?