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Oscars 2020Oscar-Tipps aus dem Gartenbaukino: "1917 ist für mich der uninteressanteste Film"

In Wien hat die Live-Übertragung der Oscar-Nacht im Gartenbaukino mittlerweile Tradition - inklusive Oscar-Wette. Geschäftsführer Norman Shetler gibt seine Tipps und Einschätzungen ab.

© Gartenbaukino
 

Bereits zum 14. Mal können Cineasten in der Nacht von Sonntag auf Montag im Wiener Gartenbaukino den Academy Awards beiwohnen. Das Einstimmungsprogramm mit Vorführungen aus der Liste der nominierten Filme beginnt am Sonntag um 12 Uhr Mittag.

Zum Oscar-Abend gehört auch die traditionelle Oscar-Wette. Wien.memo hat vorab Norman Shetler, Geschäftsführer des Gartenbaukinos und des Stadtkino Filmverleihs, um seine Tipps und persönlichen Einschätzungen in den Hauptkategorien gebeten.

Bestes Drehbuch Original (Tipp fett)

Noah Baumbach – Marriage Story
Bong Joon-ho und Han Jin-won – Parasite
Rian Johnson – Knives Out
Sam Mendes und Krysty Wilson-Cairns – 1917
Quentin Tarantino – Once Upon a Time in Hollywood

NORMAN SHETLER: Ein sehr starkes Jahr für gute Drehbücher, mit Ausnahme von "1917" erachte ich alle nominierten Autoren – keine Autorinnen, wohlgemerkt – als preiswürdig. "Knives Out", "Marriage Story" und "Once Upon A Time In Hollywood" referenzieren gewitzt und durchaus liebevoll klassisches Hollywood-Kino der 60er und 70er. So sehr ich "Parasite" die Überraschung gönnen würde, und so smart ich die Geschichte fand, ich denke, dass Tarantino seinen dritten Drehbuchoscar holen wird.

Wien.memo

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Bestes Drehbuch Adaptiert

Steven Zaillian – The Irishman
Taika Waititi – Jojo Rabbit
Todd Phillips und Scott Silver – Joker
Greta Gerwig – Little Women
Anthony McCarten – The Two Popes

SHETLER: Drei Bücher, ein Theaterstück und ein Comicbuch-Bösewicht. Ohne die Bücher gelesen zu haben, erschließt sich mir die Leistung der Buchadaptionen von "The Irishman" und "Jojo Rabbit" nicht vollends, ich persönlich fand die subtile Modernisierung von "Little Women" ausgesprochen gelungen und würde das gerne prämiert sehen. Es steht jedoch zu befürchten, dass "Jojo Rabbit" das Rennen machen wird - I am not a fan.

Beste Regie

Martin Scorsese – The Irishman
Todd Phillips – Joker
Sam Mendes – 1917
Quentin Tarantino – Once Upon a Time in Hollywood
Bong Joon-ho – Parasite 

SHETLER: Keine Überraschungen bei den Nominierungen und alle sind wohl verdient –wenngleich nicht wohlverdient. Auffallend hier, dass es allesamt “personal projects” sind, also Projekte, die teils über viele Jahre von den nominierten Regisseuren entwickelt wurden und bei denen die Regisseure jeweils auch beim Drehbuch mitgewirkt haben – mit Ausnahme von Scorsese. Ich war bei allen von der technischen Rafinesse beeindruckt. Die eleganteste, ökonomischste und am wenigsten selbstverliebte Arbeit ist bestimmt jene von Bong Joon-ho, den ich hiermit zum Überraschungssieger des Abends erkläre!

Beste Hauptdarstellerin

Cynthia Erivo – Harriet
Scarlett Johansson – Marriage Story
Saoirse Ronan – Little Women
Charlize Theron – Bombshell 
Renée Zellweger – Judy

Bester Hauptdarsteller 

Antonio Banderas – Dolor y gloria
Leonardo DiCaprio – Once Upon a Time in Hollywood
Adam Driver – Marriage Story
Joaquin Phoenix – Joker
Jonathan Pryce – The Two Popes

SHETLER: Die Favoriten sind nicht umsonst Favoriten. Renée Zellweger und Joaquin Phoenix haben einen mittelmäßigen ("Judy") bzw. einen potenziell desaströsen ("Joker") Film zu etwas durchaus Ansehnlichem gemacht. Zellweger wurde immer schon unter ihrem Wert verkauft und wird sich hoffentlich als einer der zentralen Darstellerinnen Ü50 etablieren; Phoenix spielt ohnehin in einer Klasse für sich.
Nicht unerwähnt lassen sollte man Cynthia Erivo, die in "Harriet" einen eher konventionellen Film durch eine herausragende Performance regelrecht beseelt.

Bester Film

1917
The Irishman 
Jojo Rabbit
Joker
Ford v Ferrari
Little Women 
Marriage Story
Once Upon a Time in Hollywood 
Parasite 

SHETLER: Ich glaube, dass es dieses Jahr wieder bei Film und Regie einen Split geben wird. "1917" ist der für mich geradlinigste – sowohl formal als auch dramaturgisch – und dadurch uninteressanteste Film der Auswahl; bei allen anderen – mit Ausnahme von "Ford v Ferrari", den ich nicht gesehen habe – spürte ich den Mut, ein bisschen aus den etablierten filmemacherischen und erzählerischen Konventionen auszubrechen, Risiken einzugehen, Brüche zuzulassen. "1917" strebt nach Perfektion und findet sie wahrscheinlich, lässt aber meines Erachtens seine Seele irgendwo zurück. Ich persönlich fände "Parasite" sehr erfreulich, "Once Upon A Time in Hollywood" und "Little Women" verdiente Überraschungen – aber es wird wohl "1917" werden.

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