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Zum 100. Geburtstag von Federico FelliniDer Regisseur und die Frauen

Am 20. Jänner jährt sich der Geburtstag von Federico Fellini (1920–1993) zum 100. Mal. Italiens größter Filmregisseur holte zahllose Frauen vor die Kamera und hat sie letztlich doch dem männlichen Blick unterworfen.

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MASINA FELLINI
Federico Fellini und Giulietta Masina 1955 mit dem Oscar für "La Strada" © AP
 

Im Jahr 1963 zeichnet der damals schon weltberühmte, mit Preisen überhäufte Federico Fellini ein düsteres Filmporträt seiner selbst. „8 ½“ heißt das Meisterwerk, in dem der Regisseur Guido Anselmi (gespielt von Marcello Mastroianni) mit einer Schaffenskrise ringt. Anselmi quälen die Geister der Vergangenheit und der Gegenwart: In Alptraumsequenzen ziehen Kindheitsszenen vorbei, mithilfe von Wunschfantasien von einer perfekten, mädchenhaften Frau flüchtet er vor der deprimierenden Realität. Den merkwürdigen Titel hat der Film, weil Fellini bis dahin neun Filme gedreht hatte, einen davon in Co-Regie. In „8 ½“ verschränkt er virtuos Illusion und Wirklichkeit und liefert ein schonungsloses Psychogramm. Der ausgelaugte Anselmi ist beruflich am Ende und zwischen unterschiedlichsten Frauen hin- und hergerissen: Die Beziehung zu seiner enttäuschten Frau (Anouk Aimée) ist abgekühlt, die Hauptdarstellerin seines geplanten Films (Claudia Cardinale) ist eine idealisierte Mädchen-Madonna, während er mit der Geliebten Carla (Sandra Milo) seinen Hang zur Vulgarität auslebt. Irgendwann träumt er davon, alle Frauen seines Lebens, seinen „Harem“, peitschenschwingend herumzuscheuchen.

Die Bitterkeit dieser Szene wird durch die komödiantische Darstellung kaum abgemildert. Es ist die Selbstanklage eines Mannes, der gewohnt ist, Frauen als dienstbare Geister und Körper zu benutzen.


Schon in seinem vorigen Film „Das süße Leben“ zeigte Fellini einen verlorenen Mann voller Selbstzweifel und von deprimierender Oberflächlichkeit. Der Reporter Marcello (wieder Marcello Mastroianni) ist beziehungsunfähig. Seine sich an ihn klammernde Freundin Emma (Yvonne Furneaux) widert ihn an, seine reiche Liebschaft Maddalena (Anouk Aimée) weist ihn zurück und Filmstar Sylvia (Anita Ekberg) ist bloß Projektionsfläche für seine erotischen Wünsche. Ungeachtet seines Titels ist der Film jener aus Fellinis Œuvre, der am verzweifeltsten wirkt.

Die Frauen waren ein Leitthema in Fellinis Schaffen. Vor allem wegen der autobiografischen Episoden des Films „Amarcord“ (1973) sind die üppigen, bisweilen derben Frauen in knappen Kleidern geradezu ikonisch geworden. Man kann sie auch als „fellinesk“ bezeichnen kann. „Fellinesk“ beschreibt das Opulente, das Grelle, das Überschminkte, Groteske, das Zirkushafte, das Bizarre. „Fellinesk“ wird Fellini in der zweiten Phase seines Schaffens, etwa ab 1960. Davor ist der 1920 in Rimini geborene Künstler noch dem Neorealismus verhaftet. Der Neorealismus mit seinen harten, unbehauenen Geschichten von einfachen Leuten dominierte den italienischen Film der Nachkriegszeit. Fellini wird zu einem grandiosen Vertreter dieser Schule, aber schon in den frühen Werken lässt sich sein persönlicher Stil erkennen. „La Strada“ etwa (1954) ist ein Filmgedicht in neorealistischer Verkleidung, ein Liebespoem, in dem sich Fellinis visuelle Eigenheiten abzeichnen.

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