"Bei uns werden Genregrenzen aufgelöst: Erlaubt ist, was dem Mainstream widerspricht", sagt Ingrid Schmoliner. Vor zwölf Jahren hat das erste New Adits Festival stattgefunden, ein Labor für experimentelle Kunstformen. Neben interdisziplinären Performances liegt der Schwerpunkt dabei auf gegenwärtige Musik. Schmoliner hatte damals die Idee, weil "ich gerne zeitgenössische Strömungen nach Kärnten bringen wollte." Gemeinsam mit dem Sound-Designer Matthias Erian hat sie viel ehrenamtliche Arbeit in das Festival gesteckt, das am Anfang praktisch nur vom Bund gefördert wurde: "Dort hat man gesagt: So ein Festival in Kärnten müssen wir unterstützen", erinnert sich die Sirnitzerin, die als Sängerin und Pianistin in Wien lebt.

Aus zwei Tagen am Anfang sind mittlerweile vier Tage geworden. Kommenden Mittwoch wird das New Adits mit einer Installation von Klemens Kohlweis eröffnet: Der Künstler ordnet dafür über hundert Leuchtdioden an, deren elektronisches Signal er in Töne übersetzt – so entsteht eine Klanglandschaft. "Mittlerweile sind wir so bekannt, dass uns Künstler ihre Programmideen schicken", freut sich Schmoliner, die am 19. November selbst mit ihrem Duo "drank" vertreten sein wird: Mit dem Trompeter Alex Kranabetter bewegt sie sich zwischen Pop, Jazz, Minimal Music und elektronischer Musik. Co-Kurator Matthias Erian wiederum wird erstmals mit der Saxofonistin Christine Abdelnour (17. Nov.) auf der Bühne stehen: "Wir bringen gerne auch einmal Musiker zusammen, die noch nie gemeinsam gearbeitet haben", so Schmoliner, die Wert auf ein "breites Programm" legt.

Die Festivalpreise sind übrigens flexibel: "Wir wollen, dass auch Menschen mit wenig Geld sich Karten leisten können." Der Festivalpass für alle vier Tage kostet zum Beispiel zwischen 30 und 70 Euro – je nachdem, was man bereit ist zu zahlen.

Dass die Zeiten schwierig sind, bekommen aber gerade auch freischaffende Künstlerinnen und Künstler zu spüren: "Während Corona sind alle Einkommen weggebrochen. Und noch immer gibt es auch international gesehen viel weniger Auftrittsmöglichkeiten. Das heißt, dass es auch viel weniger Arbeit gibt." Die 44-jährige Musikerin, Komponistin und Dozentin (unter anderem für Jodeln und Obertongesang) wünscht sich starke Interessensvertretungen, die sich auch zusammenschließen, "damit wir Druck auf die Politik ausüben können. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler können von ihrer Arbeit nicht leben. Ich kenne Musiker, die ihre Instrumente verkaufen mussten." Eine Grundsicherung wäre wichtig für jene, die einen entscheidenden Beitrag zum Kulturland Österreich leisten: "Künstler sind weder Tachinierer, noch ist Kunst ein schönes Hobby. Es ist wie jeder Brotberuf harte Arbeit."