Im Glitzerjackett, mit Turnschuhen und Sonnenbrille startet der einsame Alleinunterhalter seine Performance: Maximilian Achatz verkörpert im Theatermonolog der niederländischen Autorin Lot Vekemans den Archetypus des Verräters aus der Bibel.
Sein Judas Ischariot spricht Kärntnerisch, singt „Blowin‘ in the wind“ und hadert mit sich und der Welt, die „seit über 2000 Jahren versucht, mich zu begreifen“. Dabei begreift er sich selbst gar nicht wirklich. Vielleicht hat er, „als einer der zwölf“ einfach zu viel erwartet vom König der Juden, war er enttäuscht, weil er hoffte, dass der Messias gegen Rom arbeiten werde? Zwischen Wehleidigkeit und Trotz verkörpert Achatz einen zornigen, gealterten Jugendlichen mit E-Gitarre und Weltschmerz: „Wenn man immer nur im Schatten steht, was ist man dann in Gottes Namen wert?“ Der sprichwörtlich gewordene Judaskuss besiegelte das Image des einstigen Jesus-Jüngers: „Ich bin alle Schuld der Welt.“ Und doch: „Kein Jesus ohne mich!“ Verschlagener Nachsatz im breiten Kärntner Idiom: „Ka Fleischweihe, ka Osterlamm, ka Auferstehungsprozession!“
In der detailreichen und augenzwinkernden Inszenierung von Angie Mautz wird die Show im historischen Saal des Theaters Cingelc/Pri Cingelcu zum Seelen-Striptease zwischen Selbstzerfleischung und Rechtfertigung. Zwischendurch schält sich der abgetakelte Entertainer ein Osterei. Die dreißig Silberlinge, die Judas für seinen Verrat an Jesus erhalten haben soll, ist das Publikum trotz Spendenaufrufs nicht bereit zu zahlen. Gemütlich sitzt es an Tischen in einem Gemeindesaal, dessen Zentrum von einer langen Tafel mit 13 unbesetzten Stühlen beherrscht wird. Dezent musikalisch und darstellerisch unterstützt von Keyboarder Martin Sadounik stampft, schleicht, wütet Achatz über die Bühne (Majda Krivograd), die von einem riesigen Kreuz aus bunten Lämpchen beleuchtet wird. Sehenswert!