Design-Schau im KünstlerhausVielfältige Ansichten eines kleinen Tisches

Der Designer Walter Hösel zeigt im Klagenfurter Künstlerhaus anhand von 37 Prototypen, dass ein Tisch mehr erfüllen kann, als nur seinen Zweck.

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Tisch-Objekt von Stephanie Klaura © Martin Rauchenwald/KK
 

"Auch diesmal sind wieder großartige Entwürfe entstanden“, schwärmt Walter Hösel über sein jüngstes Projekt, das er kommenden Donnerstag und Freitag im Klagenfurter Künstlerhaus vorstellen wird. Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet der einstige „Bene“-Chef und Mitbegründer des „Blauen Würfels“ an der Schnittstelle von Kunst, Design und Handwerk, um sich dabei als Geburtshelfer für neue Produkte zu betätigen – neuerdings etwa im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs zu unterschiedlichen Themen. Zuletzt lautete das Motto „Tabernakel“ – der Lohn dafür war eine Anerkennung beim  Maecenas-Preis.

Walter Hösel Foto © KK

Nach der religiös aufgeladenen Ausschreibung des Jahres 2019 fiel das Thema – nach einjähriger Corona-Pause – wieder etwas profaner aus. „Die Idee war, ein alltägliches Möbelstück – in diesem Fall einen kleinen Beistelltisch – neu zu interpretieren“, erklärt Hösel. 37 Künstlerinnen und Künstler folgten dem Ruf des 68-Jährigen und fanden vielfach spannende Lösungen. Die meisten überließen die Umsetzung ihrer Entwürfe erfahrenen Handwerksbetrieben, vornehmlich Tischlern und Schlossern, manche legten auch selber Hand an oder produzierten ihre Kreationen mithilfe eines 3D-Druckers. Im Klagenfurter Künstlerhaus sind die fertigen „Tisch(k)leins“, so das Motto der Schau, nun erstmals zu bestaunen.

Der Beitrag von Ina Loitzl Foto © Martin Rauchenwald

„Muss ein Tisch Beine haben? Soll ein Tisch mehr können als seinen Zweck erfüllen?“, fragte sich zum Beispiel Stephanie Klaura und stapelte Holzplatten übereinander, deren Oberflächen verschiedene Terrazzo-Motive aufweisen. Weitere sehenswerte Prototypen schufen der Bildhauer Tomas Hoke, der Architekt Laurids Ortner oder die Konzeptkünstlerin Ina Loitzl, die ihr Beistelltischchen auf Spinnenbeine montierte. Das Titelbild der Ausstellung stammt von Deborah Sengl, die sich in ihrer Arbeit „It’ s a track“ (konsum-)kritisch mit den Auswirkungen der Fastfood-Industrie auseinandersetzt. Ihr Objekt hat die Gestalt einer stilisierten MacDonalds-Verpackung, auf der die blutverschmierten Fußabdrücke von Hühnern zu erkennen sind.

Entwurf von Angela Harreiter Foto © Martin Rauchenwald

Um die Tischkreationen ins rechte Licht zu rücken, hat Hösel zwölf renommierte Fotografen engagiert, die je ein Objekt ihrer Wahl porträtierten. Das Ergebnis liegt mittlerweile in Gestalt eines Kalenders sowie eines 120-seitigen Katalogs vor. Sie sollen der Präsentation, die leider nur wenige Stunden geöffnet ist, Dauer verleihen.
Am nachhaltigsten wäre es wohl, wenn der eine oder andere Prototyp in Serie gehen könnte. Doch auch als kostbare Unikate erfüllen die „Tisch(k)leins“ ihren höheren Zweck – nämlich Staunen bei den Betrachtern und Freude bei ihren Schöpfern auszulösen.

Kritisches „Tisch(k)lein“ von Deborah Sengl Foto © Gernot Gleiss

Zur Ausstellung

„Tisch(k)lein“. Künstlerhaus Klagenfurt; 9.9. von 18 bis 22 Uhr, 10.9. 10 bis 11 Uhr. www.walterhoesel.at

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