Voodoo Jürgens im Interview„Wien passt mir, so verschlafen wie es ist“

Liedermacher Vodoo Jürgens gräbt am Donnerstag im Rahmen des ersten Klagenfurt Festivals Tote aus. Ein Gespräch über das Morbide, das Klangvolle seines Namens und große musikalische Vorbilder.

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Voodoo Jürgens (38) ist am Donnerstag mit seiner „Anser Panier“ im Klagenfurter Burghof zu erleben © ORF
 

Wie soll man Sie am besten anreden – als Voodoo oder Herr Öllerer?
VOODOO JÜRGENS: Privat gerne David, aber sonst eher Voodoo. Ich lese meinen richtigen Namen nicht so gern.

Es ist Ihnen hoffentlich bewusst, dass Sie nächste Woche in einer Gegend auftreten, wo man Ihr Pseudonym als respektlose Verballhornung von Udo Jürgens auffassen könnte?
(Lacht) Das stimmt. Aber ich war schon mal als Voodoo Jürgens in Kärnten und hab‘s überlebt. Der Name ist ja aus einem Schmäh heraus entstanden, ohne dass ich einen großartigen Bezug zu Udo Jürgens gehabt hätte. Wir haben die ganze Zeit irgendwelche Namen verwurschtelt und dann ist halt Voodoo Jürgens heraus gekommen. Den hab‘ ich am klangvollsten gefunden.

Haben Sie ein Lieblingslied von Ihrem Namenspatron?
Vielen Dank für die Blumen.

Sie waren früher einmal Zuckerbäckerlehrling beim Demel und später Friedhofsgärtner. Kommt von daher das Picksüße und Morbide in vielen Ihrer Lieder?
Das trifft schon irgendwie zu. Es wäre ja traurig, wenn die bisherigen Stationen meines Lebens keinen Einfluss auf meine Musik hätten. Aber so etwas geschieht eher unbewusst. Das Morbide empfinde ich gar nicht so stark. Ich versuche relativ grad Geschichten zu erzählen. Die sind nicht immer lustig, aber die spielen sich halt so ab.

Gilt das auch für Ihren Hit „Heit grob ma Tote aus“, der heimlichen Hymne aller Friedhofsgärtner?
Da spielt das Morbide wahrscheinlich am ehesten eine Rolle. Aber das ist halt nur eine Floskel, eine Metapher. Das Ausgraben von Toten steht für Unkonventionelles, das Tun von Sinnlosem.

Viele Ihrer Lieder erinnern an einen Qualtinger, Heller oder Hirsch. Sehen Sie sich auch in dieser Tradition?
Das stimmt schon irgendwie. Die Genannten sind mir natürlich ein Begriff und habe ich auch gerne gehört. Vor allem Qualtinger hatte einen großen Einfluss. Aber ich habe meine eigene Sprache, mit der ich mich ausdrücke.

Manche Ihrer Lieder sind sehr persönlich, etwa jenes über Ihre Heimatstadt Tulln. Darin erwähnen Sie auch Ihren Vater, der in den „Häfn“ ging, als sie noch klein waren. Gibt es für Sie überhaupt eine Trennung zwischen Kunst und Leben?
Im Großen und Ganzen muss ich schon Sachen machen, die nahe bei mir sind. Sonst freut mich das nicht. Da steckt natürlich irrsinnig viel von mir drinnen. Ich sehe da schon eine Einheit. Mein Vater ist übrigens auf dem Cover meiner ersten Platte drauf. Wir haben uns inzwischen versöhnt. Ich kann zu allem stehen, was gewesen ist.

Obwohl Sie gebürtiger Niederösterreicher sind, gelten Sie als Wiener Original. Könnten Sie sich vorstellen, auch in einer anderen Stadt zu leben?
Ich bin mit 20 nach Wien gezogen. Das war kein allzuweiter Weg von dort, wo ich herkomme. Aber ich habe mir immer vorstellen können, auch woanders zu leben. Es wäre für mich zwar undenkbar, Berlinerisch zu singen, aber ich könnte dort sehr wohl Musik machen. Es würde halt was ganz anderes entstehen. Jede Stadt hat ihre eigenen Vibes. Es wäre eh recht interessant zu schauen, was da rauskommt. Wobei mir Berlin zu groß wäre. Wien passt mir, so verschlafen wie es ist.

Sie haben kürzlich die Musik zu einem Film über ein anderes Wiener Original, Stefanie Sargnagel, beigesteuert. Werden Sie das wieder einmal machen?
Eher nicht. Ich wollte das einfach einmal ausprobieren. Und es hat auch gut gepasst, weil es gerade im Lockdown dahergekommen ist. Aber meine Stärke liegt, glaube ich, woanders.

Ihr letztes Album „S klane Glücksspiel“ erschien vor zwei Jahren. Wann folgt Ihr nächster Streich?
Ich schreibe gerade daran. Im Winter wollen wir eine neue Platte aufnehmen.

Könnte es auch wieder etwas in englischer Sprache sein, wie einst mit Ihrer Punkrockband „Die Eternias“?
Es ist vorstellbar, aber momentan eher nicht. Obwohl Englisch schon Leiwand ist. Der Kreis der Leute, die meine Lieder verstehen, wird durch den Dialekt schon kleiner.

Der Radius endet derzeit wahrscheinlich irgendwo nördlich von Niederbayern. . .
Wir spielen schon Konzerte rauf bis Hamburg und Bremen. Es gibt auch dort Leute, denen das taugt. Da steht halt die Musik im Vordergrund, wie das oft bei englischen Songs auch nicht anders ist. Ich habe mittlerweile eine relativ große Band.

Werden Sie in Klagenfurt nicht nur mit der „Anser Panier“, also Ihrer Formation, sondern auch in der Anser Panier auftreten?
Das geht ja gar nicht anders. Das bin ich meinem Kärntner Publikum schuldig!

Zum Festival

Von 31. August bis 12. September wird Klagenfurt zur Bühne für zeitgenössische Kunst. Geboten werden 25 Performances, darunter Lesungen, Theater, Tanz und Konzerte. Hauptspielort ist der Burghof, weitere Bühnen befinden sich im Makerspace oder im Lakeside Park. Eröffnet wird das Festival mit der Band Laibach (31.8.), Es folgen Grissemann & Stermann (1. 9), Voodoo Jürgens (2.9.), Karl Markovics (3.9.) oder Klaus Maria Brandauer (5.9). www.klagenfurtfestival.com

Zur Person

Voodoo Jürgens, geboren am 2. August 1983 als David Öllerer in Tulln an der Donau.
Nach Anfängen als Zuckerbäcker und Friedhofsgärtner erste musikalische Erfolge als Sänger der Band „Die Eternias“.
Ab 2014 Solokarriere. 2016 erschien mit „Heite grob ma Tote aus“ sein erster großer Hit.
Solo-Alben: „Ansa Woar“, „’S klane Glücksspiel“

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