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Egyd Gstättner denkt querEin Jahr Corona: Von Entschleunigung und gestapelten Särgen

Egyd Gstättner hat im letzten Jahr wertvolle Erkenntnisse über Abstand, Entschleunigung & Co. gewonnen.

Ein Jahr Corona hat uns alle verändert © AP
 

Ein Jahr Corona, und das Virus bringt nicht nur Elend, Not und Tod, sondern auch wertvolle Erkenntnisse: Erstaunlich, wie schnell sich selbst bei aktuellen Fremdwörtern ein Bedeutungswandel vollzieht: Vor einem Jahr bedeutete „Lockdown“, dass niemand auf der Straße war, weil alle Angst hatten. Heute bedeutet Lockdown, dass alle auf der Straße sind, weil niemand etwas zu tun hat (wenn die Geschäfte geschlossen sind). Das deutsche „Home office“ wiederum heißt auf Englisch: „Innenministerium“ . . .
Auch soziales Elend wird überraschend offenkundig: Wie viele noch immer in großen Haushalten zusammengepfercht leben müssen, zeigt sich so richtig erst beim „Beinevertreten“, wo die zahllosen Brüder und Schwestern jeden Alters als kleine Entschädigung vom Abstandhalten ausgenommen sind. Oder handelt es sich um Bildungslücken? Wo genau, fragen sich diese Beinevertretermassen, liegt der Unterschied zwischen zwei Metern und zwei Dezimetern?
Natürlich weiß auch die Regierung, wie absurd es ist, zwei Meter Abstand vorzuschreiben, wenn nicht einmal die Gänge in den Supermärkten zwei Meter breit sind! Die Vorschrift einzuhalten ist de facto unmöglich. Als kleiner Kompromiss werden Übertretungen de facto nicht sanktioniert. All diese verordneten Absurditäten sind dazu da, um in der Bevölkerung etwas zu erreichen: Verantwortungsgefühl und Vernunft!
Auch die Medien tragen zu dieser Entwicklung bei: Anfangs sah man auf allen Kanälen Schreckensbilder von übereinander gestapelten Särgen, jetzt statistische Kurven. Die sind längst nicht so gruselig. Außerdem gibt es in Österreich mittlerweile nicht mehr 8 Millionen Teamchefs, sondern 8 Millionen Virologen. Was soll da noch passieren?

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