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Carinthischer Sommer 2019Heimspiel für einen Talente-Scout

Der Villacher Toni Gradsack, Besetzungs-Chef an der Scala in Mailand, ist Juror beim Belvedere-Gesangswettbewerb.

Für den Villacher Toni Gradsack ist die Juroren-Tätigkeit beim Belvedere-Wettbewerb heuer Pflicht © PACHEINER
 

"Mozart sagt immer die Wahrheit!“, ist Toni Gradsack, seit 24 Jahren die rechte Hand des derzeitigen Mailänder Opernchefs Alexander Pereia, überzeugt. Das gelte auch für Rossini oder die Barockkomponisten, aber Mozart sei die beste Gesangsschule der Welt. „Das ist nicht nur So-Lala-Musik, das ist schwer. Man wird schließlich nicht als Verdi-Tenor geboren, das ist ein langer Weg!“
Hört man dem Villacher zu, spürt man schnell die Leidenschaft für seinen Beruf, die Liebe zur Musik und den Sängern. Und das Verständnis für deren Nöte. „Ich weiß, wie es ist, wenn man oben auf der Bühne steht, nervös, vielleicht nicht ganz gesund, und man will ja, aber das Werkzeug, die Stimme, will nicht.“ Für das „schwarze Schaf“ der Familie Gradsack war schon früh klar: „Ich muss zum Theater!“

Alles wollte er nach der HAK-Matura in Villach lernen, war Inspizient, hat im Zusatzchor gesungen, im Ballett getanzt, später sogar steppen gelernt: „Ich hab eigentlich alles gemacht, sonst versteht man’s ja nicht.“ Als einstiger Regieassistent im Stadttheater Klagenfurt kommt er ins Schwärmen über den damaligen Intendanten: „Herbert Wochinz war einer der großen Prinzipale, sowas gibt’s heutzutage nicht mehr.“ Schnell arbeitete er im Management, leitete das künstlerische Betriebsbüro und machte sich danach auf in die Welt. Nach Jahren in Deutschland und Bregenz landete er schließlich für 17 Jahre in Zürich bei Alexander Pereira und danach mit ihm als Festspielintendant drei Jahre in Salzburg. Dort leitete Gradsack als Scout für Gesangstalente das „Young Singers Project“, bevor das eingespielte Team 2014 an das Mailänder Opernhaus, die Scala, wechselte.

Das Aufspüren der Opernstars von morgen ist seine Leidenschaft. So startete etwa die Karriere von Jonas Kaufmann, nachdem Gradsack ihn als Einspringer nach Zürich geholt hatte; auch der polnische Tenor Piotr Beczala sprang kurzfristig für einen erkrankten Kollegen ein und wurde danach vom Villacher in Zürich „sofort ins Fixensemble aufgenommen.“

Was er vom Starkult in der heutigen Opernwelt hält? „Das Niveau eines Hauses zeigt sich in der zweiten Reihe“, stellt er klar. An anderen Häusern sehe er oft zwei, drei große Namen, „da wird das Geld reingepumpt, und in der zweiten Reihe geht das Niveau den Bach runter.“ Weil er „immer wieder merke, welche Fehler die Sänger beim Vorsingen machen“, gibt er gerne Workshops, berät junge Talente und ist seit 20 Jahren für die Armin-Weltner-Stiftung tätig, die Preise an österreichische und Schweizer Sänger vergibt. Auch in der Jury des Belvedere-Wettbewerbes, dessen Finale heute im Rahmen des Carinthischen Sommers stattfindet, war er schon mehrfach.

Villach ist die Heimatstadt, doch Mailand ist der Lebensmittelpunkt des vier Sprachen beherrschenden Opernfreundes, der Verdi und Puccini zu seinen Lieblingskomponisten zählt: „Die Sprache der Musik ist Italienisch!“ Wie seine Zukunft nach dem Ende der Ära Pereira aussehen wird? „Ich bleibe sicher bis 2021, um alles abzuwickeln, habe noch keine Ahnung, was danach passieren wird.“ Spezialprojekte mit Nachwuchssängern kann er sich ebenso vorstellen wie Beratungstätigkeit für große Opernhäuser. „Ich bin neugierig auf alles, was kommt“, meint der Kulturmanager mit jugendlichem Elan. Wie alt ist er eigentlich? „Gerade erst erwachsen geworden“, schmunzelt Gradsack – und freut sich auf das Galakonzert.

Zur Person

Toni Gradsack, geboren und aufgewachsen in Villach, nach der HAK-Matura Tätigkeiten im Stadttheater Klagenfurt, an Theatern in Deutschland, Bregenz, Zürich, Salzburg; seit 2014 Besetzungs-Chef der Mailänder Scala; seit 24 Jahren die rechte Hand Alexander Pereiras

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