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Manuel Rubey im InterviewEr tarnt sich als Workaholic

Manuel Rubey und die „Mondscheiner“ veredelten 2007 am Stadttheater Klagenfurt den „King Lear“. Am Sonntag, 20. Jänner, kehrt er mit der „Familie Lässig“ zurück. Vorher spielt die Band noch in Graz.

Die „Familie Lässig“ wagt sich mit dem ersten Album mitten ins „Herz des Kommerz“ KK © kk
 

Im Jahr 2007 haben Sie im Stadttheater Klagenfurt den „Edgar“ in „King Lear“ gegeben. Damals war Ihre Band Mondscheiner mit dabei. Was haben Sie für Erinnerungen daran?
MANUEL RUBEY: Sehr gute, ich mochte die Stadt und das Theater. Es waren die letzten Jahre der Intendanz von Dietmar Pflegerl und die politischen Konflikte haben wir hautnah mitbekommen. Jörg Haider war auch bei der Premiere. Ja, das waren spannende Zeiten.

Manuel Rubey 2007 als Edgar im "König Lear" im Stadttheater Klagenfurt Foto © stefan zoltan


Mondscheiner hat es dann nicht mehr lange gegeben. Sie haben damals gesagt, dass so ein Bandprojekt für Sie nicht mehr in Frage kommen wird. Das hat sich mit der „Familie Lässig“ offensichtlich geändert.
Ich dachte damals, dass ich mit der Musik durch bin, weil ich mich mehr als Schauspieler sehe. Die „Familie Lässig“ wurde auch nur für ein einziges Konzert gegründet, das hat aber so viel Freunde gemacht, dass es immer irgendwie weiterging.


Jetzt seid ihr fünf Jahre alt und habt eure erste Platte herausgebracht. Warum will eine Band, die so gar nicht Mainstream ist, „Mitten ins Herz des Kommerz“?
Der Titel ist ein bisschen kokett und spielt ein bisschen damit, dass wir in der ersten Welt eh alle mitten im Herzen des Kommerz leben. Und gleichzeitig ist es ein bisschen ein Schielen darauf, dass wir es uns nicht in unserer Blase gemütlich machen wollen, sondern mit unserer Musik auch Menschen erreichen wollen, die das auf den ersten Blick vielleicht nicht so interessierten würde.

Zur Person

Manuel Rubey. Geb. 1979 in Wien. Sänger, Schauspieler, Kabarettist. 2007 „Falco“ in „Verdammt, wir leben noch“. Rollen u. a. in „Braunschlag“, „Altes Geld“, „The Team“, „Tatort“. 2012 Österreichischer Kabarettpreis für „Triest“ (mit Thomas Stipsits)


Ihr habt euch als Coverband gegründet. Auf eurer Platte gibt es neben Coversongs nun aber auch eigene Lieder. Warum?
Ich hatte das Gefühl, dass wir jetzt nach fünf Jahren herausfinden müssen: Lassen wir es bleiben oder machen wir ein Album? Und wenn wir ein Album machen, dann müssen wir auch ein paar Lieder schreiben. Und das ging so gut, dass jetzt nur mehr vier Cover drauf sind. Das wird sich künftig mischen.


Wie würdet ihr eure Musik definieren?
Wir versuchen eine Schnittmenge zu finden aus unterschiedlichen Zugängen zum Leben, auch aus unterschiedlichen Generationsperspektiven. Das ist ein spannender Konflikt, den wir auch auf der Bühne thematisieren, zum Beispiel zwischen einem Gunkl, der 56 Jahre alt ist und einer Cathi Priemer, die 1984 geboren wurde. Es geht darum, wo man musikalisch sozialisiert wurde. Und daraus versuchen wir einen Sound zu machen. Wir versuchen aber auch ein bisserl ein Gegenmodell zum Mainstream wie zum Beispiel dem Volks-Rock’n’Roll zu sein und auch andere Lebensmodelle aufzuzeigen.

Zur Band

„Familie Lässig“. Gegründet 2014 als Coverband. Mitglieder sind die Musiker, Schauspieler und Kabarettisten Manuel Rubey, Boris Fiala, Clara Luzia, Catharina Priemer-Humpel, Gerald Votava, Günther Paal („Gunkl“). Erstes Album „Im Herzen des Kommerz“ (Hoanzl).
Konzerte: 19. Jänner, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Graz und 20. Jänner, 19.30 Uhr, Stadttheater Klagenfurt. Karten: Tel. (0463) 54 0 64.


Wie würde Ihr perfektes Lebensmodell ausschauen?
Eine Gesellschaft, in der man nicht mehr bewertet, wie man lebt. In den 1990er-Jahren habe ich in Berlin erlebt, dass Menschen keine Notiz davon nehmen, ob jemand schwul ist oder wertkonservativ. Es ist doch schön, wenn man ein Interesse an Menschen entwickelt, die anders sind und aufhört, das als Bedrohung zu empfinden.


Haben Sie das Gefühl, dass das mit der Toleranz derzeit nicht so gut funktioniert?
Ja, in Österreich und in ganz Europa. Ich habe das Gefühl, dass wir aufpassen müssen auf die Demokratie und dass wir Fronten aufbrechen müssen, damit sie nicht verhärten. Ich finde, dass das politisch ein bisschen vergessen wird, was wir uns in den letzten Jahrzehnten an Lebensqualität erarbeitet haben, wenn jetzt wieder die Schwächsten gegeneinander ausgespielt werden.


Ein bisschen in diese Richtung geht auch Ihr nächster Film, „Die Russen-Story“, oder?
Ja, zwei Wiener Paare nehmen einen russischen Flüchtling auf, der verfolgt wird. Der kommt mit seiner Familie und macht sich breit und man kommt dann bald an den Punkt, wo dann doch eigene Bequemlichkeit wichtiger ist als das politische Engagement. Die Idee dazu hatten wir vor fünf Jahren, also noch vor der sogenannten Flüchtlingswelle. Der Film ist in erster Linie aber eine Komödie.


Gerade haben Sie auch den zweiten Salzburger Landkrimi ist abgedreht. Sie spielen einen Kommissar, der eher ein Workaholic ist. Sind Sie selber auch einer?
Ich bin ein zutiefst fauler Mensch, der sich als Workaholic tarnt. Ich glaube herausgefunden zu haben, dass ich mir viele Projekte selbst auferlege, weil ich sonst gar nichts tu.

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