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Kammerlichtspiele Klagenfurt"Publikumsbeschimpfung": Ein Text, der alles zerlegen kann

Das Theater Wolkenflug zeigt Handkes „Publikumsbeschimpfung“ im Klagenfurter Jazzclub. Wie hier mit Sprache Mechanismen unterlaufen, (Verhaltens-)Muster durch ihre Benennung bewusst gemacht werden, ist erfrischend.

„Ihr seid das Thema“: Katarina Hartmann, Sonja Kreibich, Simone Leski und Sophie Aujesky (v. l.) © Wolkenflug
 

Sie werden kein Schauspiel sehen. Ihre Schaulust wird nicht befriedigt werden. Sie werden kein Spiel sehen. Hier wird nicht gespielt werden“. So beginnt Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“, mit der der damals 23-jährige Jus-Student 1966 die herkömmlichen Theatergewohnheiten ad absurdum führte. Das ungewohnte „Sprechstück“ traf exakt den Nerv der Zeit und provozierte.

Ein halbes Jahrhundert später fällt die Provokation nahezu gänzlich weg, auch wenn sich das Publikum unter der beleidigenden Anrede „Ihr Nazischweine“ oder „Ihr Saujuden“ noch wegducken möchte. Aber wie hier allein mit Sprache Mechanismen unterlaufen, (Verhaltens-)Muster und Gewohnheiten durch ihre Benennung bewusst und bedenkenswert gemacht werden, ist erfrischend und unverbraucht.

Zum Stück

Publikumsbeschimpfung. Eine Produktion des Theaters Wolkenflug. Jazzclub Kammerlichtspiele, Klagenfurt.
Weitere Termine: 18., 19. November, 5., 6., 7., 13. und 14. Dezember, 20 Uhr. Jazzclub Kammerlichtspiele Klagenfurt.
Karten: Tel. 0681-819-26-317
www.wolkenflug.at

Handke macht mit Worten Musik und die Regisseurin Ute Liepold hat den passenden Rhythmus dazu gefunden. Sie lässt die Beatles über die leere Bühne (keine Requisiten sind Vorschrift) fegen und vier namenlosen Sprecherinnen beim Aufwärmen zuschauen, ehe die „Regeln für die Schauspieler“ ins Publikum geschossen werden, weil: „Sie wohnen hier keinem Theaterstück bei. Sie wohnen nicht bei. Sie sind im Blickpunkt.“ Der intime Rahmen des Jazzclub Kammerlichtspiele in Klagenfurt und die Beleuchtung unterstützen den herbeigeredeten Perspektivenwechsel.

Erfrischend weibliche "Publikumsbeschimpfung" Foto © Wolkenflug

Sophie Aujesky, Katarina Hartmann, Sonja Kreibich und Simone Leski sind diese Namenlosen, die sprachlich exakt und präzis getaktet zur „Publikumsbeschimpfung“ ausholen. Wie das Quartett atmet, Pausen setzt, sich ängstlich an den hinteren Bühnenrand flüchtet, an die Rampe vorrückt, über die Sitzreihen zu den in ihren Klappsesseln verharrenden wahren (!) Akteuren kraxelt, Illusionen kippt und Gedanken illustriert – für dieses feine Gefüge und den Text, der alles umgehend wieder zerlegt, was er erzeugt, hat Ute Liepold eine passende Choreografie entwickelt. Der Ton wird nie aggressiv, sondern ist von spöttischer Freundlichkeit.

„Eine wunderbare Komödie“, möchte man den vier Sprachrohren Handkes zurufen. Und beim Schlussapplaus nicht vergessen: „Ihr seid das Thema“.

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