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APA-Serie 100 Jahre Salzburger Festspiele10 legendäre Opernuraufführungen

Vergessenes und Bleibendes: 18 Opern hat das Festival seit 1920 aus der Taufe gehoben.

SALZBURGER FESTSPIELE 2016: FOTOPROBE ´THE EXTERMINATING ANGEL´
Die bis dato letzte Opernuraufführung in Salzburg: "The Exterminating Angel" von Thomas Ades (2016) © APA/BARBARA GINDL
 

Die Salzburger Festspiele haben über die vergangenen 100 Jahre hinweg immer wieder mit Uraufführungen das zeitgenössische Musiktheaterschaffen beeinflusst. 18 Opern hat das Festival seit 1920 aus der Taufe gehoben - darunter heute vergessene Arbeiten wie Werner Egks "Irische Legende" oder Boris Blachers "Romeo und Julia". Aber auch bleibende Werke finden sich in der Historie der Festspiele.

Im Folgenden ein Blick auf zehn bedeutende Opernuraufführungen der vergangenen 100 Salzburger Festspieljahre:

14. AUGUST 1933 - RICHARD STRAUSS: "DIE ÄGYPTISCHE HELENA"

Die erste Opernuraufführung der Salzburger Festspiele war eigentlich keine. Schließlich erklang "Die ägyptische Helena" des Salzburger Co-Gründerduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in ihrer Urauffassung bereits 1928 in Dresden. Immerhin die Neufassung war aber 1933 erstmals im Festspielhaus unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauss zu hören. Allerdings brachten auch die Festspielweihen der neunten Oper des Komponisten wenig Fortune - wird das auf Euripides basierende Werk, das mit seiner kruden Handlung weit entfernt von der geschlossenen Struktur einer "Elektra" oder "Salome" ist, nur selten auf der Bühne inszeniert. In der Wiener Staatsoper etwa erklang es das letzte Mal 1972, bei den Salzburger Festspielen war es 2003 noch einmal konzertant zu hören. Dabei versteckte sich 1933 in der Inszenierung Lothar Wallersteins unter den Sängern mit Helge Roswaenge in der kleinen Partie des Da-Ud sogar ein späterer Weltstar.

06. AUGUST 1947 - GOTTFRIED VON EINEM: "DANTONS TOD"

Man schrieb bereits die Festspielausgabe Nr. 3 nach dem Weltkrieg, als mit Gottfried von Einems "Dantons Tod" wieder eine Opernuraufführung im Festspielhaus erklang. Der streitbare Innovator im damaligen Salzburger Festspieldirektorium brachte ein hochpolitisches Werk auf die Bühne, für das Boris Blacher Georg Büchner paraphrasiert hat. Als Dirigent war der junge Ferenc Fricsay für den an einem Gehirntumor erkrankten Otto Klemperer eingesprungen, der auch in den folgenden Jahren der Experte für Uraufführungen von Musiktheaterwerken in Salzburg blieb. Mit dem chorlastigen, moderat-modernen Werk gelang von Einem der internationale Durchbruch, den 1953 mit der Kafka-Bearbeitung "Der Prozess" nochmals wiederholen sollte.

09. AUGUST 1949 - CARL ORFF: "ANTIGONAE"

Während Gottfried von Einem mit Büchner auf einen politischen Stoff aus der Zeit des Vormärz zurückgegriffen hatte, fokussierte sich 1949 Carl Orff mit der Sophokles-Vorlage "Antigonae" wieder auf ein antikes Vorbild. Dabei fühlte sich der 54-Jährige dem Genre der Literaturoper verpflichtet, diente Hölderlins Übersetzung des Dramas doch in toto als Libretto. Schlagwerk und Bläser sowie Chor - die klassischen, damals von der Besetzung her revolutionären Orff-Zutaten - sind vorhanden. Erneut stand Ferenc Fricsay am Pult in der Felsenreitschule, die im Jahr zuvor erstmals für eine Opernaufführung (Glucks "Orfeo ed Euridice") als Spielort gedient hatte. Und mit Oscar Fritz Schuh hatte man sich auf denselben Regisseur wie bei von Einems "Dantons Tod" verlassen. Wie bei der "Antigonae" findet sich ein späterer Star in den Reihen der kleineren Partien: Sopranistin Hilde Zadek, im Vorjahr im Alter von 101 Jahren verstorben, gab die Eurydice.

14. AUGUST 1952 - RICHARD STRAUSS: "DIE LIEBE DER DANAE"

Richard Strauss war bereits drei Jahre lang tot, als 1952 seine vorletzte Oper, der nur mehr "Capriccio" folgen sollte, erstmals in Salzburg gespielt wurde. Eigentlich war die Uraufführung des Stückes für die Festspiele 1944 vorgesehen, die dann wegen des Attentats auf Hitler entfielen. Einzig eine öffentliche Generalprobe gab es in dem Jahr. 1952 schließlich fand sich mit Clemens Krauss, Rudolf Hartmann und Emil Preetorius das Dirigenten-, Regie- und Bühnenbildtrio von damals wieder zusammen, um die "Heitere Mythologie", wie Strauss sie selbst nannte, erneut zu inszenieren. Allzu oft ist das mit einem Libretto von Joseph Gregor, basierend auf einem Entwurf des Strauss-Stammpartners Hugo von Hofmannsthal, ausgestattete Werk jedoch heutzutage nicht mehr auf den Spielplänen zu finden. Immerhin die Festspiele selbst ließen es 2016 von Alvis Hermanis monumental wiederbeleben.

06. AUGUST 1966 - HANS WERNER HENZE: "DIE BASSARIDEN"

Auch Hans Werner Henze griff 1966 wieder auf die Tradition der Antikenstoffe zurück, als er mit seinen "Bassariden" auf Euripides' "Bakchen" rekurrierte. Formal orientierte sich der deutsche Komponist eher an der viersätzigen Form einer Symphonie, verwob zahlreiche Bachzitate und wurde dadurch am Ende als neuer Opernheroe akklamiert - was den politisch bewegten Henze damals eher irritierte. In jedem Falle bleibt das Werk bis heute eines der erfolgreichsten Henzes, das zahlreiche Neuinszenierungen erlebt, so auch bei den Salzburger Festspielen selbst, die es 2018 erneut in die Felsenreitschule brachten.

07. AUGUST 1981 - FRIEDRICH CERHA: "BAAL"

Der geplante "Totentanz" von Bertolt Brecht hatte in den 1950ern noch für Aufruhr in Salzburg gesorgt. Dass Friedrich Cerha für seine Oper "Baal" auf das gleichnamige Schauspiel des deutschen Polittheaterautors zurückgriff, störte 1981 aber niemanden mehr. Im Kleinen Festspielhaus erlebte das Werk - wie "Die Bassariden" 15 Jahre zuvor unter dem Dirigat von Christoph von Dohnanyi - seine Uraufführung, für die man Otto Schenk als verlässlichen Regisseur verpflichtet hatte. Dazu noch eine prominente Besetzung um Theo Adam in der Titelpartie und Wagner-Primadonna Martha Mödl als seine Mutter. Dennoch blieb Cerhas zweite Oper nicht unumstritten, changierte der Komponist doch zwischen Alban Berg und Klangflächenkomposition samt eingestreuter Chansons, um sich Brechts anarchischen Expressionismus mit dem Antiheld Baal zu erschließen. Allzu häufig schafft es die Arbeit nicht auf die Spielpläne, auch im Koproduktionshaus Wiener Staatsoper war das Werk nun schon 28 Jahre nicht mehr zu hören.

07. AUGUST 1984 - LUCIANO BERIO: "UN RE IN ASCOLTO"

In genrereflexiver Manier stellte dann im Jahr 1984 Luciano Berio die Frage nach dem Musiktheater von heute. In seinem, auf einer Kurzgeschichte von Italo Calvi basierendem "Un re in ascolto" verabschiedet sich der Italiener von seinem inneren Abschied von der Form Oper - in postmodernem Gestus. Wie Calvis Geschichte auf einem Essay von Roland Barthes basiert, das im Kern Shakespeares "Sturm" behandelt, setzt auch der Komponist Berio sein Stück als Stück im Stück um, verschränkt collagenartig tradierte Formen wie die Arie und den Belcanto mit einem Abgesang auf das Genre, was Lorin Maazel mit einer Starbesetzung um Theo Adam, Heinz Zednik oder Helmuth Lohner interpretiert, die in einer Götz-Friedrich-Inszenierung das Kleine Festspielhaus bespielen. Am Ende mauserte sich "Un re in ascolto" zwar nicht zum Repertoirestück, aber zur Rarität, die immer wieder einmal auf der Welt erklingt.

15. AUGUST 1986 - KRZYSZTOF PENDERECKI: "DIE SCHWARZE MASKE"

1986 setzte sich die Tradition der Literaturopern in Salzburg fort, als der große polnische Komponist Krzysztof Penderecki sich Gerhart Hauptmanns vergessenes Schauspiel "Die schwarze Maske" zum Ausgangspunkt für sein neues Werk nahm, wobei er gemeinsam mit Harry Kupfer das Libretto schuf, der dann auch für die Inszenierung im Salzburger Kleinen Festspielhaus verantwortlich zeichnete. Die Racheoper aus Pendereckis leicht erschließbarer Phase war noch im selben Jahr an der Wiener Staatsoper zu hören und erlebte danach verschiedenorts Inszenierungen. Dennoch wurde sie bei weitem nicht das populärste Werk des im heurigen März verstorbenen Penderecki.

28. JULI 2014 - MARC-ANDRE DALBAVIE: "CHARLOTTE SALOMON"

Ein besonderes Werk erlebte im Jahr 2014 seine Jungfernfahrt bei den Festspielen: Der französische Komponist Marc-Andre Dalbavie hatte für seine Oper "Charlotte Salomon" das monumentale Oeuvre "Leben? oder Theater?" der jungen jüdischen Künstlerin Charlotte Salomon als Ausgangspunkt genommen. Salomon, die vor den Nazis 1938 nach Frankreich fliehen musste und letztlich doch 1943 in Auschwitz ermordet wurde, hatte mit ihrer Technik des "Singespiels" ihre eigene Familiengeschichte aufgearbeitet, was Dalbavie fortdenkt. Der Tonsetzer stand dann selbst am Pult des Mozarteumorchesters in der Felsenreitschule. Luc Bondy gestaltete die Regie, die auf ein starkes Ensemble um Johanna Wokalek in der Titelrolle und Marianne Crebassa als Charlotte Kann zurückgreifen konnte und dabei ein sinnliches Werk erschuf.

28. JULI 2016 - THOMAS ADES: "THE EXTERMINATING ANGEL"

Die bis dato letzte Opernuraufführung in Salzburg brach mit der Tradition der Literaturoper und ersetzte diese gleichsam durch eine Filmoper. Erfolgskomponist Thomas Ades hatte gemeinsam mit seinem Librettisten (und Regisseur) Tom Cairns Luis Bunuels "El angel exterminador" für das Musiktheater adaptiert. Im Haus für Mozart führte auch hier der Komponist selbst das RSO durch einen Kammerabend mit großem Ensemble. Ades kleidet die Parabel um eine Gruppe distinguierten Herrschaften, die zunächst zu einem Dinnerabend zusammenkommen und alsbald auf unerklärliche Weise nicht mehr das Zimmer verlassen können, in ein musikalisches Gewebe, das auf Emotionalität abzielt, ohne sich anzubiedern.

 

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