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APA-Serie 100 Jahre Salzburger FestspieleDie nie gebauten Festspielhäuser

Die Festspielidee war lange mit Bau eines Festspielhauses im Grünen verknüpft. Künstlerische Interventionen erinnern an Pläne für Mönchsberg, Hellbrunn, Kapuzinerberg und  Mirabellgarten.

Für Architekt Hans Poelzigs (Berlin) finales, versachlichtes Festspielhaus-Projekt für 3000 Personen wurde 1922 der Grundstein gelegt. Die Kegelpyramide des Zuschauerraums dominiert den prägnanten Entwurf. © Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin in der Universitätsbibliothek
 

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Idee von Mozart-Festspielen in Salzburg heranwuchs, war diese untrennbar mit dem Bau eines eigenen Festspielhauses verknüpft. Man schielte nach Bayreuth mit seinem Wagner-Haus auf dem Grünen Hügel. Die Bauten im heutigen Festspielbezirk waren jedenfalls nicht erste Wahl. Sie waren überhaupt nicht Teil der ersten Überlegungen.

Die ersten Entwürfe stammten aus höchst kompetenter Feder: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, die Theaterbauer schlechthin im Europa der zu Ende gehenden Monarchien, entwarfen 1890 ein Festspielhaus auf dem Mönchsberg, das fern vom Lärm der Stadt und dem "Getriebe des profanen Lebens" entstehen sollte. Breiter Widerstand der Bürgerschaft versenkte dieses Vorhaben aber bald wieder.

Ein Vierteljahrhundert später reifte die Festspielidee zur Gründung eines Vereins heran (1917), der sich nicht zufällig den Namen "Salzburger Festspielhaus-Gemeinde" gab und diesen bis in die NS-Zeit beibehielt. Erneut spielte die Altstadt in den Überlegungen keinerlei Rolle. Man sah das Festspielhaus vielmehr in der grünen Natur, fernab des urbanen Treibens. Maria Plain tauchte auf, erneut der Mönchsberg und vor allem Hellbrunn im Süden der Stadt.

Der Hellbrunn-Entwurf des Berliners Hans Poelzig schaffte es im August 1922 immerhin zur Grundsteinlegung. Er plante einen gigantischen kegelförmigen Bau mit Terrasse, Freitreppen und einem vorgelagerten riesigen Freilufttheater. Die rasende Inflation der 1920er-Jahre, ein endenwollender Fluss an Spendengeldern, die Geldnot der Festspiele und wohl auch die Größe des Projekts selbst brachten das Vorhaben aber erneut zu Fall. Der gesetzte Grundstein sollte nicht der letzte gewesen sein.

Ideal und wirtschaftliche Realität klafften in dieser Zeit weit auseinander, und so griffen die Festspiele auf Bestehendes zurück und bespielten die Reitschule der Fürsterzbischöfe, das Mozarteum, das heutige Landestheater und die Kollegienkirche. Schließlich wurden Reitschulen und Stallungen durch Um- und Neubauten mehr und mehr zum Zentrum des Festivals.

An Gigantomanie unübertreffbar waren die Vorstellungen Adolf Hitlers: Architekt Otto Strohmayer plante auf dem Kapuzinerberg eine "Gauburg", die sich von der Staats- bis zur Nonntaler Brücke erstrecken sollte und in die ein Festspielhaus integriert war, entworfen von Otto Reitter.

Doch das Ende des "Dritten Reichs" bedeutete keineswegs das Aus neuer Ideen für ein Festspielhaus. Clemens Holzmeister, der schon in den Anfangsjahren die Umgestaltung der Reitschulen plante und später für den Bau des heutigen Großen Festspielhauses verantwortlich zeichnen sollte, legte 1950 Entwürfe für ein "Olympiahaus" auf dem Mönchsberg vor, gedacht für eine "Musikolympiade": "Solange es menschliche Ansiedlungen gibt, die sich dann zwischen Fluss und Berg zur Stadt formten, wohnten auf den Bergspitzen und Höhen die Götter. Warum sollte schließlich in der Stadt Mozarts der geheiligte und weit ausgedehnte Rücken des Mönchsberg nicht den Olymp für die Musik und ihre Götter aufnehmen", so Holzmeister.

Doch das Scheitern war nicht zuletzt wegen des sensiblen Standortes von Anfang an absehbar, und so entwarf Holzmeister ein weiteres Musikolympiahaus, das auf dem Rosenhügel gelegen an den Mirabellgarten grenzen sollte. Im August 1950 wurde im Beisein zahlreicher Prominenz erneut ein Grundstein gelegt. Zwar wurden weitere Studien dazu in Auftrag gelegen, doch als 1953 in diesem Bereich wirklich Baumaschinen auffuhren, war dies zum Bau eines Kongresshauses und eines Hallenbades, womit das Projekt endgültig gestorben war.

Holzmeister gab auch nach dem Scheitern dieser Idee nicht auf. Ab 1952 entwickelte er ein Festspielhaus unter Einbeziehung der ehemaligen Hofstallungen: das Große Festspielhaus, dessen Bau 1956 begonnen und das 1960 eröffnet wurde.

Im heurigen Jubiläumsjahr gedenken die Festspiele von Juli bis Dezember unter dem Titel "Der Traum von einem Feentempel" mit vier künstlerischen Interventionen diesen nie gebauten Festspielhäusern. Eine "Dreiteilige Knitterskulptur" von Esther Stocker erinnert an den Plan für den Mönchsberg. Das Architektenteam Maria Flöckner und Hermann Schnöll setzt gemeinsam mit Norbert Mayr vermittelt im Hellbrunner Park eine Ahnung der Größenordnung von Poelzigs Projekt. Werner Feiersinger setzt eine "Tafel, 2019-20". auf einen weißen Tisch in den Buchenwald des Kapuzinerbergs, und Isa Rosenberger hat einen dreiteiligen, Gold lackierten "Portalrahmen für den Mirabellgarten" entworfen.

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