Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

APA-Serie 100 Jahre Salzburger FestspieleÜber die Bauten des Festspielbezirks

Zufall und Improvisation führten nicht nur in der Geburtsstunde der Salzburger Festspiele Regie, sie spielten auch bei der Entstehung des heutigen Festspielbezirkes eine maßgebliche Rolle.

Jüngster Bau: Das "Haus für Mozart" wurde im Mozartjahr 2006 fertig und mit der "Hochzeit des Figaro" unter Nikolaus Harnoncourt eröffnet © Festspiele/Kolarik
 

Zufall und Improvisation führten nicht nur in der Geburtsstunde der Salzburger Festspiele Regie, sie spielten auch bei der Entstehung des heutigen Festspielbezirkes eine maßgebliche Rolle. Denn die 1606/07 errichteten Hofstallungen der Fürsterzbischöfe wurden in den ersten Jahrzehnten nur als Notlösung gesehen. Erst mit dem Bau des Großen Hauses wurden sie endgültig zum Festspielbezirk.

Selbst der Domplatz - Schauplatz der ersten Aufführungen 1920 - war so nicht vorgesehen. Max Reinhardt wollte den "Jedermann" in der offenen Reitschule (die heutige Felsenreitschule) auf die Bühne bringen, aber das Material für ein Bühnenbild war so kurz nach dem verheerenden Weltkrieg nicht aufzutreiben. 1921 kamen erstmals die Winterreitschule (das heutige Haus für Mozart) als Schlechtwetter-Quartier für eine Zusatzvorstellung des "Jedermann" und das 1914 eröffnete Mozarteum als Konzertraum dazu, 1922 auch das Stadttheater (das heutige Landestheater) und die Kollegienkirche. Als Max Reinhardt 1924 seine weitere Mitwirkung von einer wetterfesten Spielstätte abhängig machte, erfolgte die erste Adaptierung der Winterreitschule: kleine Brötchen statt Gigantomanie - entsprechend der wirtschaftlichen Tristesse.

1925 wurde das "Festspielhaus" mit Hofmannsthals "Das Salzburger große Welttheater" eröffnet. Doch die Unzulänglichkeit der neuen Spielstätte zeigte sich sofort, sodass es schon im Jahr darauf zum neuerlichen Umbau kam. Und hier trat erstmals ein Architekt in Erscheinung, dessen Namen mit dem heutigen Festspielbezirk untrennbar verbunden ist: Clemens Holzmeister. Er bezog den heutigen Karl-Böhm-Saal und die Felsenreitschule in die Pläne ein und entwickelte so erstmals einen kleinen Festspielkomplex, von dem noch heute Teile in Form und Funktion erhalten sind. Damals entstanden das Faistauer-Foyer und die Fassade, die bis zum Bau des Hauses für Mozart bestand und auch im Neubau nachgedeutet wurde.

Die Felsenreitschule wurde 1926 erstmals planmäßig bespielt, ab 1933 dann bis zur Machtübernahme der Nazis mit der legendären Faust-Stadt Holzmeisters.

Von 1936 bis 1938 wurde das "Festspielhaus" neuerlich umgebaut, nicht zuletzt wegen der schmalen und wenig tiefen Bühne. Holzmeister drehte den Saal um 180 Grad, errichtete den Bühnenturm und die gleichsam aus dem Fels des Mönchsbergs herauswachsende Fassade aus grob gestocktem Beton, in die er die heute nach ihm benannte Stiege auf den Stadtberg bzw. zum Festspiel-Pressebüro integrierte. Nicht realisiert wurde die von Holzmeister geplante Überdachung zwischen Festspielhaus und Universitätsaula.

Der Architekt durfte die ersten Aufführungen im neuen Haus nicht mehr besuchen: Die Nazis kamen und machten sich sofort an die Umgestaltung - gedacht als Übergangslösung bis zum Bau der "Gauburg" mit angeschlossenem Festspielhaus auf dem Kapuzinerberg. Die Faistauer-Fresken wurden abgetragen, zum Glück aber auf Leinwand konserviert, ein Mosaik abgeschlagen und die Reliefs am Bühnenportal bis zur Unkenntlichkeit abgemeißelt. "Dem Reichsbühnenbildner (Benno von Arent, Anm.) oblag dann das eigentliche Gleichschaltungswerk des Hauses, das er dadurch vollzog, dass er durch Waggonladungen von Stuck das Gebäudeinnere in ein Vorstadtkino verwandelte. So war jeder Anklang an österreichische Bautradition verwirkt und mit ihm verschwand auch die gute Akustik und die Würde des Hauses", schrieb Holzmeister später. Die Fresken Anton Faistauers werden 1956 wieder im Foyer angebracht.

Mit dem Bau des Großen Festspielhauses in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre wurden die fürsterzbischöflichen Hofstallungen endgültig zum Festspielbezirk. Clemens Holzmeister hatte schon während seines Exils in der Türkei am "Idealtheater" getüftelt, das von der "Guckkastenbühne" wegkommen und sich stark am antiken Großraum-Theater orientieren sollte.

Die Realisierung des Projektes war vor allem auch ein politischer Kraftakt. In einer Zeit, in der noch Tausende Salzburger in Behelfsbehausungen leben mussten, enorm viel Geld in ein Festspielhaus zu stecken, brachte dem damaligen Landeshauptmann Josef Klaus großen Widerstand ein ("Wohnungen statt Festspielhaus").

Da der Bauplatz der ehemaligen Stallungen zu klein war, mussten 55.000 Kubikmeter Gestein aus dem Mönchsberg gesprengt werden. Auf dem 7.600 Quadratmeter großen Bauplatz hat Holzmeister ein Theater für exakt 2.179 Zuschauer mit einem außergewöhnlich breiten Bühnenportal von 30 Metern geschaffen. Mit 100 Metern Bühnenbreite ist es eines der größten Opernhäuser der Welt, der 40 Meter hohe Bühnenturm spielt alle technischen "Stückerl". Die nordseitige, mehrere hundert Jahre alte Fassade von Fischer von Erlach ist erhalten geblieben, in die Hauptfassade in der Hofstallgasse sind fünf martialisch große Bronzetüren eingelassen. 1960 wurde das Große Festspielhaus von Herbert von Karajan mit dem "Rosenkavalier" eröffnet.

Die Größe der Bühne wurde aber bald auch Anlass zu Kritik. Holzmeister entgegnete: "Wenn aber jedes Jahr darüber geklagt wird, dass die intime Oper, vor allem die Mozartoper, in dem 'Monstrum' nicht zur Wirkung käme, dann muss ich darauf hinweisen, dass das große Haus auch nie dafür bestimmt war." Er habe daher noch während dessen Baus das "vom Reichsbühnenbildner verunstaltete" - nun Kleines Festspielhaus genannte - Gebäude zum Mozarthaus umbauen wollen.

Das Kleine Festspielhaus war 1962/63 endgültig "entnazifiziert" worden, allerdings nicht durch Holzmeister. Mit dem Argument, Holzmeister habe ohnedies schon so viel gebaut, wurde der Auftrag damals an zwei Salzburger Architekten vergeben. Ihr Bau war aber in Sachen Akustik und Sichtverhältnisse mehr als mangelhaft, sodass sehr bald Rufe nach einem neuerlichen Umbau laut wurden. Ab Mitte der 1970er-Jahre gab es Gespräche zwischen Holzmeister und Festspielführung, doch der Planer starb vor einer Beauftragung.

Zwei Architektenwettbewerbe inklusive Rechtsstreitigkeiten später wurde 2003 schließlich mit dem Umbau des Kleinen Festspielhauses zum "Haus für Mozart" begonnen, der eigentlich ein Neubau war, entworfen von der Planergemeinschaft Wilhelm Holzbauer und Francois Valentiny. Der Zuschauerraum wurde verbreitert, verkürzt und abgesenkt. Zwei neue Zuschauerränge wurden geschaffen, die auf beiden Seiten des Saales bis zur Bühne reichen. Im Mozartjahr 2006 wurde das Haus fertig und mit "Die Hochzeit des Figaro" unter Nikolaus Harnoncourt eröffnet.

Einen gröberen Umbau gab es 1968/69 auch in der Felsenreitschule: Sie erhielt damals - wieder nach Holzmeisters Plänen - Unterbühne, Orchestergraben, Zuschauertribüne und das erste Rolldach. Im Zuge der Errichtung des "Hauses für Mozart" wurde die Zuschauertribüne neu errichtet, 2011 schließlich auch das Dach erneuert.

Den Festspielbezirk vervollständigt hat - zumindest aus heutiger Sicht - der Schüttkasten, den die Festspiele 1987 erwerben und 1996 schließlich eröffneten. Das im 17. Jahrhundert als Getreide- und Heuspeicher errichtete Gebäude beherbergt unter anderem das Kartenbüro, das Archiv und einen Orchester-Proberaum. Durch den Ankauf des daneben befindlichen ehemaligen Cafes, das abgerissen wird, soll dort bis 2023 ein Festspielzentrum mit einem Veranstaltungsraum und einem gläsernen Pavillon entstehen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.