Sie habe „alles gespielt, was gut und teuer ist. Ihr Rollenverzeichnis liest sich wie ein Schauspielführer“, sagte Ex-Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann in ihrer Laudatio. Die „Hohepriesterin der Burg“, Elisabeth Orth, die am Sonntag mit dem Nestroy für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Die Doyenne des Hauses appellierte in ihrer Dankesrede ans Publikum: „Füllen Sie wieder die Zuschauerräume – denn keine Krise der Welt darf das Theater umbringen.“

„Bilanz klingt nach Ende“, haben Sie uns im Vorjahr gesagt. Wird man mit so einer Ehrung dennoch genötigt, zurückzuschauen: auf eine Karriere, ein Lebenswerk?
ELISABETH ORTH: In ein paar Wochen bin ich 87 Jahre alt, das glaube ich oft selbst nicht, Gedanken an ein Lebensende sind noch eher weit weg. Die Lebensfreude am Lesen und die Liebe zur Lyrik sind ungebrochen. Nur mit der Gesundheit muss ich aufpassen.

In einer Jury-Begründung für diesen Ehrenpreis heißt es, „Denn Elisabeth Orth ist interessiert geblieben, interessiert an neuen Texten, interessiert an neuen Kolleginnen und Kollegen, Elisabeth Orth ist wach und jung geblieben.“ Ist das Ihr Geheimnis?
Für mich ist dieses Interesse kein Geheimnis, sondern generell eine Lebenseinstellung.

Wie schafft man es, interessiert zu bleiben, wenn man auf so ein reiches Spektrum an Erfahrungen und Wissen zurückblicken kann?
Gerade der Reichtum an Erfahrung und Wissen lässt mich interessiert bleiben.

Was lehren Sie junge Menschen?
Ich begegne ihnen mit Empathie, ich lehre sie nichts.

Als Bühnenstar und Doyenne des Burgtheaters sind Sie mit Auszeichnungen geehrt und mit viel Applaus und Bewunderung bedacht worden. Abseits von diesem Bühnenleben: Was war das schönste Kompliment, das Sie jemals in Ihrem Leben bekommen haben?
Wie schön diese Österreicherin deutsch spricht.

Ihr Name steht nun auch für eine Auszeichnung. Heuer wurde das erste Mal der Elisabeth-Orth-Preis vergeben – an Burgtheaterstar Birgit Minichmayr für Ihre Darstellung der „Maria Stuart“: Sind Sie zufrieden mit der Entscheidung?
Sie ist die beste Wahl! Birgit Minichmayr hat Mut, Lust auf Abgründe, sie ist voll bestechender Frechheit und haltloser Neugier, sie ist ohne Zweifel in der ersten Reihe der Darstellerinnen und Darsteller unseres Hauses. Mögen sich alle zukünftigen Preisträgerinnen und Preisträger an dieser Qualität messen lassen!

Ibiza-Affäre, Chat-Affären, Korruption: Sind Sie besorgt um unsere Demokratie?
Natürlich bin ich besorgt, nicht nur um unsere Demokratie.

Was wünschen Sie sich für dieses Land?
Mehr Solidarität.

Und was wünschen Sie sich für sich?
Noch ein paar Jahre mit meiner geliebten Familie.