Theater im BahnhofWas passiert, wenn Helden nicht mehr so wichtig sind

Bei einem Lüftungsbauwerk auf dem Buchkogel hat das neue Stück des TiB Premiere: "Donna Haraway darf Graz doch noch nicht verlassen" versucht die Annäherung an eine utopische Welt.

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Die Welt ist kaputt und die Menschen haben sich in eine Existenznische geflüchtet: "Donna Haraway darf Graz doch noch nicht verlassen" © Theater im Bahnhof
 

An einem bemerkenswerten Ort an der Grazer Peripherie hat das Theater im Bahnhof seine neueste Produktion angesiedelt. Beim Lüftungsbauwerk des Plabutschtunnels auf dem Buchkogel zwischen Beton und Wald erzählt man die Geschichte eines Kollektivs: Es handelt sich bei den Personen in „Donna Haraway darf Graz doch noch nicht verlassen“ wohl um Stadtflüchtlinge.

Regisseur Helmut Köpping: „Es ist die Geschichte eines Camps, das in einem Wald aufgeschlagen wurde. Dabei schwingt ein bisschen die Behauptung mit, dass das Leben um uns herum schon zerstörter ist, als uns das jetzt bewusst ist. Die Welt ist kaputter und die Menschen haben sich in eine Existenznische geflüchtet.“ Wobei das Bauwerk im Wald auch im echten Leben eine kleine Nische für Jugendliche darstellt, die sich hier gern ungestört aufhalten.

Die klassische Heldengeschichte ist überholt

Eine der Inspirationsquellen für das Setting war ein Buch der Anthropologin Anna Lowenhaupt-Tsing, in dem unter anderem Camps von Pilzesammlern eine Rolle spielen. Aber natürlich hat auch die im Titel genannte US-Philosophin Donna Haraway ihren Einfluss auf das Stück genommen. Haraway gilt als eine der wichtigsten Denkerinnen des Posthumanismus, in dem nicht mehr der Mensch, sondern auch andere Lebewesen im Zentrum der Überlegungen stehen. Köpping: „Es braucht neue Formen der Erzählung. Haraway sieht die klassische Heldengeschichte als überholt an, wo der männliche Krieger in den Kulissen der Natur Hindernisse überwindet und auch tötet.“ Auch der „Held“ am Theater und in anderen Bereichen sei nicht mehr so wichtig, sagt der Regisseur, der nicht die Perspektive eines Individuums, sondern einer Gruppe abbilden möchte.

Das Theater im Bahnhof lässt sich ja immer wieder weniger von literarischen als von kulturwissenschaftlichen Texten inspirieren. Wobei Köpping vor allem von Haraways Zugang fasziniert ist: „Sie kommt ohne Zeigefinger und Moralisieren aus, sondern hat einen spielerischen Zugang“. So gehe es darum, trotz aller Katastrophen, Strategien für unsere Zeit zu finden. Denn letztlich hat ein Camp nicht nur etwas Apokalyptisches, sondern auch immer etwas Utopisches.

Zum Stück

Donna Haraway darf Graz doch noch nicht
verlassen. Eine Perfomance für die Krise. Premiere am 25. Juni, 19.30 Uhr. Theater im Bahnhof, beim Lüftungsbauwerk Buchkogel (im Doblwald, Wanderweg GZ Richtung Rudolfswarte, hinter dem Schloss St. Martin).
Karten und weitere Termine: Tel. (0316) 76 36 20.
www.theater-im-bahnhof.com

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