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Theater im Bahnhof"Wir begehren": Vier Frauen und viele Klagen

Mit dem Stück "Wir begehren" begehen die Frauen des Grazer Theaters im Bahnhof heute den Neustart mit der Forderung nach einem ebensolchen.

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Klagen, zetern, sempern: mit "Wir begehren" feiert das TiB ab heute "uncoole Emotionen" © TiB Gellner
 

Ein „uncooler Abend mit uncoolen Emotionen“ soll es werden. Auf der Bühne stehen vier Schauspielerinnen, jede von ihnen führt eine große Klage, erzählt Regisseurin Monika Klengel: „es geht ums Jammern, Zetern, Sempern und sich Auskotzen.“ Überraschenderweise trägt dieser Abend der großen Jammermonologe, mit dem das Grazer Theater im Bahnhof heute das Ende des Kulturlockdowns begeht, den Titel „Wir begehren“. Das liegt daran, dass sich Klengel gemeinsam mit dem TiB-Team rund um ihre Co-Darstellerinnen Juliette Eröd, Gabriela Hiti und Eva Hofer aus feministischer Perspektive ursprünglich der weiblichen Begierde widmen wollten, „einem nach wie vor wahnsinnig tabuisierten Angstthema für Männer wie Frauen“, glaubt die Regisseurin.

Themen wie der weibliche Orgasmus oder die Sexualität älterer Frauen wurden dann aber von Corona in den Hintergrund gedrängt: Statt dem körperlichen Lustempfinden „ist eine andere Art von Verlangen wichtiger geworden“, erzählt Klengel. Die Sehnsucht nach der Wiederentdeckung der gesellschaftlichen Solidarität etwa, oder nach jener zwischen den Geschlechtern. Natürlich schwierig, „wenn seit tausenden Jahren das Patriarchat in unserer Gesellschaft wie DNA gespeichert ist.“

An den Theorien von Pierre Bourdieu, Donna Haraway, Kate Manne entlang geht es in „Wir begehren“ nun also auch um die Probleme, sich eine Gesellschaftsform vorzustellen, die nicht patriarchalisch-hierarchisch organisiert ist. Und um den Versuch, den männlichen Mythen nun Frauengeschichten nach neuem Muster entgegenzusetzen. Dabei zeigte sich auch, „dass es wichtig ist, Emotion zu zeigen, die nicht souverän und distanziert ist“, schildert Klengel. „Cool sein heißt ja auch immer seine Emotionen in Watte zu packen.“

Genau das werden die vier Frauen auf der Bühne also nicht tun: Im TiB-typischen Sound aus biografischem, assoziierten, improvisierten Material geht es in „Wir begehren“ diesmal um Frauenfragen vom Schönheitsideal bis zur Opfer-Täter-Problematik. Motto: Schwäche zeigen, laut werden. Auch weil, sagt Klengel, „sich aus der kathartischen Situation des Großen Jammerns ja vielleicht doch eine neue gesellschaftliche Vision formulieren lässt.“ Bekanntlich ist die ja auch eine bisher unerfüllte Begierde.

Wir begehren. Theater im Bahnhof, Graz, Elisabethinergasse 27a. Premiere heute. Nächste Termine: 20, 21., 22. 25., 26. Mai.
www.theater-im-bahnhof.com

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