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Corona-FolgenIn Opern- und Theaterhäusern herrscht Mut statt Unmut

Wie die großen heimischen Bühnen auf den Lockdown reagieren und wie sie mit ihren Spielplänen umgehen. Wir haben uns umgehört.

Leere Häuser, aber voller Tatendrang: Die großen heimischen Bühnen lassen sich nicht entmutigen und planen gewissenhaft um © BIG SHOT/BORGGREVE
 

Schauspielhaus Graz

„Die kurzfristige Schließung unseres Theaterbetriebes fordert auch eine verantwortungsvolle und gewissenhafte Umsetzung“, sagt Iris Laufenberg, an deren Schauspielhaus Graz im November neben zwei Produktionen im Haus zwei auch Elfriede Jelineks „Das Licht im Kasten“ in der Regie von Franz-Xaver Mayr im Haus eins Premiere gehabt hätte. „Eine konkrete Umplanung nimmt etwas Zeit in Anspruch“, weiß die Intendantin, „wir sind aber mehr als bemüht und auch optimistisch, die von der Schließung betroffenen November-Vorstellungen in den kommenden Monaten nachholen zu können. Wir arbeiten daher auf Hochtouren und bitten unser Publikum um etwas Geduld“. Da der Probenbetrieb weiter läuft, geht Laufenberg davon aus, dass die Dezember-Premiere von „Making a Great Gatsby“ nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald gehalten werden kann.
www.schauspielhaus-graz.com

Oper Graz

„Beim ,Don Giovanni’ am Samstag gab es demonstrativ lange Standing Ovations“, sagt Jörg Rieker. Für den Chefdramaturgen der Grazer Oper ein Statement: „Schade! Und lasst Euch nicht entmutigen!“. Lässt sich das Team um Intendantin Nora Schmid und ihn auch nicht. „Wir proben einfach weiter – für Puccinis ,Madama Butterfly’ zum Beispiel bis zur geplanten Generalprobe übermorgen“, erklärt Rieker. Wann die für Samstag angesetzte Premiere im Dezember nachgeholt werden kann, stehe noch nicht fest.
Das Opernhaus verliert durch den Lockdown unter anderem drei Aufführungen der „Butterfly“ und gleich acht des Erfolgsmusicals „Anatevka“. Wie man diese und andere Produktionen umschichten kann, hängt von vielen Faktoren wie den Lücken im weiteren Spielplan oder der Verfügbarkeit von Gastkünstlern ab. 10.000 reservierte oder verkaufte Plätze aus dem November muss das Ticketzentrum rückabwickeln. „Aber wir gehen mit der Misere professionell um“, sagt Rieker und sieht „die gute Moral im Haus auch durch den bisherigen tollen Publikumszuspruch gestärkt“.
www.oper-graz.com

Staatsoper

In der Wiener Staatsoper gingen nach der gestrigen Aufführung von „Pagliacci/Cavalleria“ die Lichter aus. Etwa 50.000 Besucher hatte man im September und Oktober, Coronafall wurde keiner bekannt.  Geprobt wird jetzt weiterhin wie im Normalbetrieb, um die Premiere von Hans Werner Henzes „Das verratene Meer“ am 13. Dezember zu sichern. Die Ballettpremiere von „Mahler, live“ verschiebt sich von 24. November auf 4. Dezember. Einige Wiederaufnahmen wie „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss unter Christian Thielemann  und Charles Gounods „Roméo et Juliette“ müssen komplett entfallen. Wie während des ersten Lockdowns gibt es allabendliche Live-Streams älterer Aufführungen. Direktor Bogdan Roščić: „Wir schöpfen aus den Reaktionen des Publikums die Motivation, unvermindert weiterzuarbeiten.“
www.wiener-staatsoper.at

Theater an der Wien

Am 12. Dezember hätte „Le nozze di Figaro“ Premiere haben sollen. Im Theater an der Wien, wo im Haupthaus und in der Kammeroper weitergeprobt wird, versucht man nun „mit vereinten Kräften, das Projekt an einem späteren Zeitpunkt zu zeigen, und wir haben dabei sogar den Vorteil, dass heimische Künstler das Leading Team stellen“, wie Pressesprecherin Sabine Seisenbacher betont. Mozarts Oper ist die erste Musiktheater-Regie des Schauspielers und Kabarettisten Alfred Dorfer, Stefan Gottfried leitet den Concentus Musicus.
www.theater-wien.at

Burgtheater

78 Vorstellungen muss das Burgtheater alleine für den November absagen, u. a. „Automatenbüfett“ unter der Regie von Barbara Frey, das erst am Freitag im Akademietheater Premiere feierte. Im November-Spielplan befinden sind nicht nur die Inszenierungen der letzten oder aktuellen Saison, sondern auch Events wie der Auftritt von Willi Resetarits & BasBariTenori am Donnerstag (5. 10.) oder die Konzertlesung von Toten-Hosen-Frontmann Campino ( „Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde“ am 17. November). Zwei Premieren wären in den November gefallen: „Bunbury“ nach Oscar Wilde unter der Regie von Antonio Latella und „Richard II.“ von William Shakespeare, inszeniert von Johan Simons. Wohin diese verschoben werden können, „daran arbeitet die Disposition gerade fieberhaft“, heißt es aus dem Burgtheater. „Für genaue Details ist es aber noch zu früh.“ Der Probenbetrieb in Österreichs größtem Theater werde weiter gehen. Derzeit halte man auch am Plan für die Dezember-Premieren fest, auch „wenn wir nicht wissen, was das bedeuten könnte, sollte es – wie vom Gesundheitsminister angekündigt – danach wieder Stück für Stück zu einer Öffnung kommen.“ Die im ersten Lockdown erarbeiteten Online-Specials wie die Reihe „My home is my Burgtheater“, „Wiener Stimmung“ oder „Märchen*Edition“ sind seit damals via Youtube-Kanal des Burgtheaters streambar.
www.burgtheater.at

Volkstheater

Das Wiener Volkstheater musste seine gestrige Spielplan-Präsentation, die erste unter der neuen Intendanz unter Kay Voges, wegen eines positiv getesteten Mitarbeiters absagen. Das Haus, das gerade umfassend saniert wird, soll aber nach aktuellem Stand wie geplant Ende Jänner wiedereröffnen. Vom Lockdown betroffen seien einige Aufführungen in den Bezirken. „Wir liegen mit der Baustelle total im Zeitplan“, heißt es aus dem Volkstheater. Mit den Proben im neuen Ensemble starte man nach Tests noch im November. Der Spielplan soll demnächst präsentiert werden. 
www.volkstheater.at

Theater in der Josefstadt

Am Donnerstag hob sich vorübergehend das letzte Mal ein Premieren-Vorhang unter Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger. In den Kammerspielen stand „Monsieur Pierre geht online“ unter der Regie von Folke Braband und Stéphane Robelin auf dem Programm. „Für den November war ursprünglich keine Premiere geplant“, erklärt eine Sprecherin. Die Unsicherheit in der Planung bleibe.
www.josefstadt.org

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