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CoronavirusFestwochen, Staatsoper, Grazer Musikverein: Kultur zwischen Neubesetzungen und Absagen

Gesteigerte Infektionszahlen führen auch in diesem jungen Kulturherbst zu Absagen, Umbesetzungen oder der Rückkehr in den digitalen Raum. Die Festwochen werden zum Opfer der deutschen Reisewarnung. Ein Überblick über die aktuellen Meldungen.

WIENER STAATSOPER: EISERNER VORHANG 2020/2021
Die Wiener Staatsoper und ihr neuer Eiserner Vorhang © APA/HERBERT PFARRHOFER
 

Wiener Staatsoper

Die Staatsoper verschiebt die für den 26. Oktober angesetzte Uraufführung der Kinderoper "Die Entführung ins Zauberreich" auf unbestimmte Zeit, wie das Haus am Ring und die Agentur von Regisseurin Nina Blum bekannt gaben. Grund sind die aktuell wieder verschärften Covid-19-Auflagen.

Die Produktion sei so konzipiert, dass zeitgleich mehrere Gruppen von Kindern in Form eines Stationen-Theaters als musikalische Abenteuerreise durch das Gebäude der Wiener Staatsoper geführt werden. "Die derzeit geltende Höchstgrenze von maximal 50 Personen für Veranstaltungen ohne fest zugewiesene Sitzplätze erlaubt keine dem Konzept entsprechende Umsetzung. Weiters kommt es - ebenfalls konzeptgemäß - bei der Produktion zu einer Vermischung von Publikum und Darstellern", so die Staatsoper.

Staatsoperndirektor Bogdan Roscic zeigte sich zerknirscht: "Es tut weh, diese Produktion verschieben zu müssen, weil wir so sehr an das Konzept von Nina Blum und seine Umsetzung an der Staatsoper glauben. Aber die Sicherheit muss an oberster Stelle stehen, erst recht, wenn es sich um Kinder handelt." Man werde das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt - sobald es die Rahmenbedingungen zuließen - "auf jeden Fall verwirklichen".

Grundlage für die knapp eineinhalbstündige Kinderoper ist Mozarts "Entführung aus dem Serail", zusätzliche Musiknummern stammen vom österreichischen Komponisten Gerald Resch, das Libretto von der österreichischen Autorin Margit Mezgolich. Für Konzept und Regie zeichnet Nina Blum verantwortlich. Kürzlich hatte Roscic noch angekündigt, im Falle der Absage des Opernballs die Sperrwoche mit Aufführungen mit Schwerpunkt Kinderopern zu füllen.

Wiener Festwochen

Die für diese Woche geplanten Aufführungen der  Produktion "Ultraworld" von Regisseurin Susanne Kennedy bei den  Wiener Festwochen finden wegen der Reisewarnung Deutschlands für Wien nicht statt. Die Volksbühne Berlin habe aufgrund "gesundheitlicher Bedenken und der Zugehörigkeit zu Risikogruppen einiger Mitarbeiter" eine Absage beschlossen, teilten die Festwochen mit.

In Kennedys "Ultraworld" bekommt ein moderner Jedermann in einem Videospiel-Ambiente Aufgaben gestellt, bei denen es um Leben und Tod geht. Die Produktion hätte am 25. und 26. September in der Halle E im Museumsquartier gezeigt werden sollen.

Wiener Konzerthaus

Ein für 21. September geplantes Gastspiel des SWR Symphonieorchesters im Wiener Konzerthaus wurde abgesagt. "Aufgrund der Reisewarnung der deutschen Behörden in Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen der Covid-19-Pandemie hat sich das SWR Symphonieorchester dazu entschlossen, die Konzerte mit Dirigent Teodor Currentzis und Geigerin Patricia Kopatchinskaja am 21.   September 2020 im Wiener Konzerthaus abzusagen", hieß es in einer Aussendung. Kartenbesitzern wird ein Ersatzprogramm am 21. April 2021 angeboten: Das musicAeterna Orchestra wird unter der Leitung von Currentzis die 9. Symphonie von Gustav Mahler aufführen.

Wienwoche

Die seit dem 11. September laufende Wienwoche ist von Coronavirus-Infektionen betroffen und wird daher alle noch anstehenden Indoor-Veranstaltungen mit Publikum in den digitalen Raum verlegen. Es hätten sich im Verlauf von zwei Veranstaltungen im Rahmen des Festivals Personen im Publikum befunden, "die mittlerweile positiv auf Covid-19 getestet wurden", teilten die Organisatoren mit.

Seitens der Organisation der Wienwoche wurde in einer Aussendung betont, dass man sämtliche gesetzlichen Auflagen rund um Covid-19 bis dato genau erfüllt habe - dazu zählen Publikumsanmeldung, Zugangskontrolle sowie die Masken- und Abstandspflicht. Das Leitungsteam sei in Kontakt mit dem medizinischen Krisenstab der Stadt, berichtete eine Wienwoche-Sprecherin der APA am Donnerstag weiters.

Da sich die Festivalgäste online für den Besuch anmelden mussten bzw. an der Abendkasse ihre Daten aufgenommen wurden, gibt es Kontaktlisten für die betroffenen Events, die nun ausgewertet werden. "Die Daten jener Personen, die an den Events teilgenommen hatten, werden unverzüglich an die zuständigen Behörden weitergeleitet", erklärte Wienwoche-Vereinsobfrau Ivana Pilic die weitere Vorgangsweise.

Die Wienwoche-Organisatoren haben sich als Konsequenz dazu entschieden, das Festival nun in den digitalen Raum ohne Publikum zu verlagern: "Die Maßnahmen gelten ab sofort und betreffen Indoor-Veranstaltungen mit Publikum", sagte die Sprecherin. Informationen zum Programm und den geplanten Livestreams gibt es auch der Webseite http://www.wienwoche.org

Nicht betroffen von der Maßnahme sind Veranstaltungen mit geringer Publikumsfrequenz wie etwa Ausstellungen bzw. auch Open-Air-Events. Diese werden in geplanter Form stattfinden.

Staatsoper Wien

Infolge des am Montag bekannt gewordenen Coronaclusters nach einer Vorstellung von "Die lustige Witwe" des Universitätslehrgangs Klassische Operette der MUK mit zuletzt 46 genannten Fällen, muss die Wiener Staatsoper weitere Umbesetzungen vornehmen. Bereits heute, Donnerstag, wird Pultrückkehrer Bertrand de Billy wie auch am Montag (21. September) das Dirigat von "L'elisir d'amore" übernehmen.

Für die Rolle des Nemorino wurde Ensemblemitglied Jinxu Xiahou verpflichtet. Und auch bei der für Sonntag (20. September) angesetzten Vorstellung von "La fille du regiment" gibt es eine Änderung. Hier dirigiert Evelino Pido das Staatsopernorchester. Mögliche weitere Besetzungsänderungen werde man zu gegebener Zeit bekannt gegeben, heißt es aus der Staatsoper.

Am Haus wird indes weiter getestet. Zuletzt war die Rede von sieben Betroffenen, die auf den MUK-Coronacluster zurückzuführen seien. Betroffen ist die Staatsoper, da ein Mitglied des Opernstudios des Hauses im Zuge der Nachverfolgung aller Kontaktpersonen im Zuge des Clusters positiv getestet worden war. Diese Person hatte am 6. September die MUK-Vorstellung besucht. Bevor die Betroffene nach Verständigung durch die Behörden in Quarantäne geschickt werden konnte, hatte sie laut Staatsoper an einer Ensembleprobe teilgenommen. Deshalb wurden alle direkten und indirekten Kontakte isoliert und täglichen Testungen unterzogen.

Grazer Musikverein

Der Grazer Musikverein muss sein Opernprojekt "Don Giovanni", das diese Woche im Grazer Stefaniensaal aufgeführt hätte werden sollen, wegen des Coronavirus verschieben. Der neue Termin für die Oper in Zusammenarbeit mit der Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker und der MUK Privatuniversität Wien ist nun der 25. Februar 2021, hieß es am Donnerstag seitens des Musikvereins.

Laut Michael Werba, Leiter der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, ist der Grund für die Verschiebung die Verflechtung von Teilnehmern in Produktionen der Wiener Staatsoper mit der Produktion von "Don Giovanni". Trotz konstant negativer Covid-Test-Ergebnisse sehe man sich seitens der Sommerakademie außerstande, das seit zwei Monaten erarbeitete Projekt kommende Woche aufzuführen.

Am Montag war bekannt geworden, dass nach einer Vorstellung von "Die lustige Witwe" des Universitätslehrgangs Klassische Operette der MUK ein Cluster mit zuletzt bekannten 46 Coronafällen gezählt wurde. Die MUK sagte alle öffentlichen Veranstaltungen bis Ende September ab. Und auch an der Wiener Staatsoper mussten daraufhin schon mehrere Umbesetzungen vorgenommen werden.

Zur Info: Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Weitere Informationen erhalten Gäste an der Konzertkasse unter der Telefonnummer 0316/82 24 55.

 

 

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