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Burgtheater-ProzessZwei Jahre bedingt für Silvia Stantejsky

Im Burgtheater-Prozess gegen Silva Stantejsky ist das Urteil gefallen: zwei Jahre bedingt für die frühere kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, die der Veruntreuung von Millionen beschuldigt war.

BURGTHEATER UNTREUE-PROZESS: STANTJESKY
Silvia Stantejsky © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Im Fall eines Schuldspruchs hatte ihr eine Haftstrafe zwischen einem und zehn Jahren gedroht. Am Ende fiel die Strafe für Silvia Stantejsky relativ milde aus: Vom Vorwurf der Bilanzfälschung wurde sie freigesprochen, wegen Untreue und Veruntreuung ist Stantejsky (64) die frühere kaufmännische Geschäftsführerin des Wiener Burgtheaters, am Montagabend am Wiener Landesgericht zu einer zweijährigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem trug ihr das Gericht Schadensgutmachung auf: Stantejsky hat dem Burgtheater binnen 14 Tagen 319.156,10 Euro zu bezahlen. Darüber hinausgehende Forderungen muss das Burgtheater auf dem Zivilrechtsweg einklagen. Stantejsky hat das Urteil angenommen.

Honorare anderweitig verwendet

"Fehler, die mir unendlich leidtun" hatte Stantejsky zuvor am Montagabend am Wiener Landesgericht am Ende ihres Prozesses wegen Untreue, Veruntreuung und Bilanzfälschung eingeräumt. Sie habe Honorare des Ex-Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann und des Regisseurs David Bösch anderweitig verwendet, sich aber nicht persönlich bereichert. Mit den Beträgen habe sie Verbindlichkeiten des Theaters abgedeckt, betonte Stantejsky. Indem sie mit den Tränen kämpfte, versicherte sie dem Schöffensenat: "Das Burgtheater war meine Leidenschaft. Das können Sie mir glauben, ich hätte es nicht schädigen wollen." Sie ersuchte das Gericht, "meine damalige schlimme Situation, die teilweise aussichtslos war zu berücksichtigen".

Täuschungsmanöver für die Bilanz

Dem Gericht stand im Fall eines Schuldspruchs ein Strafrahmen zwischen einem und zehn Jahren zur Verfügung. Nun sind es zwei Jahre bedingt geworden. Zuvor wurden am Montag in dem Verfahren noch letzte Aussagen von Sachverständigen aufgenommen. Wirtschaftsprüfer Peter Wundsam ortete dabei "wesentliche Fehldarstellungen"bei der Bilanzerstellung in den Jahren 2008 bis 2013. Wundsam bemängelte etwa, dass ausgelaufene Inszenierungen, die sich nicht mehr am Spielplan fanden - am Ende der jeweiligen Saison nicht abgeschrieben wurden. So wurde "eine wirtschaftliche Nützungsmöglichkeit" suggeriert, auf diese Weise ließen sich zwischen 2009 und 2013 über 3,4 Millionen Euro fälschlicherweise in der Bilanz darstellen. Auch bei Personalrückstellungen gab es  solche Täuschungsmanöver - bei Urlauben und Zeitausgleich in der Technik wurden etwa bis zu 1.500 Stunden pro Jahr nicht berücksichtigt.

Das alles bewirkte "ergebniswirksame Fehldarstellungen", die allein 2009 vier Millionen Euro ausmachten, hielt der Wirtschaftsprüfer fest. Insgesamt wies das Burgtheater ab 2008 bis 2011 eine jährliche Bilanzsumme zwischen 27,5 und 33 Millionen Euro aus. Danach gab es massive Rückgänge aufgrund von Bilanzverlusten und verringertem Anlagevermögen.

Stantejsky war im bisherigen Verhandlungsverlauf zu den - was die Strafdrohung betrifft - zentralen Vorwürfen der Anklage teilweise geständig, hatte jedoch eine persönliche Bereicherung bestritten.
Die inkriminierte Bilanzfälschung hatte sie in Abrede gestellt. Stantejsky sei es darum gegangen, "die miese finanzielle Lage des Burgtheaters zu bewältigen" und das Ansehen des Hauses hochzuhalten, so die Verteidigung. Sie habe - wenn auch nur am Papier - die Vorgaben der Bundestheater-Holding umsetzen wollen, von der eine "schwarze Null" verlangte wurde.

Laut dem psychiatrischen Gutachten des Sachverständigen Kurt Meszaros war Silvia Stantejsky im inkriminierten Tatzeitraum zurechnungsfähig. Er billigte der ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführerin des Burgtheaters ein Burn-out-Syndrom zu, das sich "schleichend langsam" entwickelt habe. Auf ihre Schuldfähigkeit habe sich das aber nicht entscheidend ausgewirkt, meinte Meszaros.

Stantejsky sei unter starkem persönlichem Druck gestanden. Sie habe ein Übermaß an persönlicher Energie in "ein beinahe unerreichbares Ziel, die schwarze Null" gesteckt, erläuterte der Psychiater.  Dass sie psychische Probleme ab 2011 medikamentös behandeln ließ, habe sich nicht nachhaltig auf ihre Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit ausgewirkt. "Die war nie so herabgesetzt, dass die Dispositions- und  Diskretionsfähigkeit aufgehoben war", betonte Meszaros.

 

 

Kommentare (3)

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sugarless
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Kunstszene

Ja unsere intellektuelle Oberschicht. Wenn es ums Geld geht sind sie gleich wie das belächelte Spießbürgertum

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ES52
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Warum so niedrige Strafe?

In welcher Welt leben die Richter?
Bilanzfälschung, über Jahre keine ordnungsgemäße Buchführung, Gelder veruntreut, was muss jemand nach Meinung der Richter anstellen, um angemessen bestraft zu werden?
Wo waren die Kontrollinstanzen, wie Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer?
Einfach nur unverständlich.

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Estarte
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EIN ANGESTELLTER DER 10 EURO STIEHLT WIRD FRISTLOS ENTLASSEN IST VORBESTRAFT UND BEKOMMT KEINE ARBEIT MEHR

Da es für diverse Zahlungen keine Verpflichtungen gab,waren sie anscheinend auch nicht überprüfbar ?
Künstler holten sich ihre Gage teilweise an der Hauptkasse ab, und auch Frau Stantejski verordnete sich selbst ihren Gehalt.
Über Jahre wurstelte die "Dame" mit weit über 20 Millionen Euro herum, und hatte keinen Überblick mehr.
VERRÜCKT was in Österreich möglich war und ist.
Binnen von wenigen Jahren hat die "Dame" etwa 20 Millionen Euro AKONTO fließen lassen, und es ist die Rede von einem Schaden über 300.000 Euro.
HÖCHST MERKWÜRDIG.
Das Urteil ist schlicht und einfach ausgedrückt eine ABSOLUTE FRECHHEIT
Bei solchen und ähnlich Kulturinstitutionen ist man schon froh, wenn sich die "Wogen glätten".
(Kunsthistorisches Museum)
Bei solchen Zuständen wird die Kultur und die Kunst zur NEBENSACHE erklärt.
Politiker ohne irgendeine Affinität zur Kunst und Kultur sitzen in Positionen und bestimmen als Laien über die Kunst, und hochgradige Besetzungen.
Diese Korruption, das Verbrechen diese Amtsmissbrauch wird als Lappalie mit milder Strafe abgetan

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