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Kulturjahr 2020Ab heute zeigt sich, wie Graz wirklich leben will

Heute geht es los: Das Grazer Kulturjahr 2020 beginnt mit einem ausgebuchten Symposion – und mit dem Anspruch,größtmögliche Breitenwirksamkeit zu erzielen.

"The Graz Vigil": erster Publikumserfolg des Kulturjahres © Nikola Milatovic
 

Die schlechte Nachricht ist hier auch die gute Nachricht: Alle Zählkarten für das Auftaktsymposion des Grazer Kulturjahres heute im Stefaniensaal sind bereits weg. Ausgebuchte Events sind für Veranstalter bekanntlich immer Good News. Umso mehr bei einem durchaus ungewöhnlichen Programm: Die Vorträge, die heute auf das Kulturjahr einstimmen sollen, drehen sich um Themen wie Klima, Big Data, Mobilität, Stadtentwicklung, künstliche Intelligenzen.

Die kommen zwar auch im laufenden Kulturbetrieb durchaus vor. Hier aber rücken sie ins Zentrum, als Aushängeschilder eines für Graz neu formulierten Kunst- und Kulturbegriffs, der alle Bereiche der Gesellschaft durchdringen soll. Unter dem Jahresmotto „Wie wir leben wollen“ sollen 94 ausgewählte Projekte in fünf Themenfeldern der Grazer Bevölkerung vermitteln, „dass solche Themen wichtig sind und dass es stets auch das eigene Leben betrifft, wenn wir von der Zukunft reden“. So formuliert es Christian Mayer, Programmmanager von Graz 2020.

Die fünf Themenfelder des Programms

Urbanismus: Unter dem Generalmotto „Wie wir leben wollen“ sind fünf Themencluster subsumiert, darunter „Urbanismus“. Mit Aspekten der Stadtplanung und -entwicklung beschäftigt sich u. a. La Strada. Die Festival-Organisation wird mit drei Teilprojekten „in Stadtquartiere der Zukunft vordringen und neue urbane Lebensräume zur großen Bühne der Stadt machen“, etwa auf dem Reininghausareal.
Digitale Lebenswelten: Nur eines von vielen Beispielen für eine digitale Zukunft: Das Klangforum Wien, Garant für das Ungewöhnliche und für happy new ears, bietet mit der Reihe „Happiness-Seriousness/A counterpoint“ im Juni interdisziplinäre Konzerte, zehn Kammermusikkonzerte und
50 Tête-à-Têtes über Skype. Dabei werden Wohnzimmer zu Bühnen verwandelt und via Social Media intime Räume zwischen Interpreten und Rezipienten hergestellt.
Soziales Miteinander: Wie ein Miteinander gelingt, unterstreicht zum Beispiel Isop: Die Gesellschaft für innovative Sozialprojekte will „Graz als Stadt der vielfältigen Zukunft“ sehen und zeigen, wie man „Ohne Angst verschieden sein“ kann. Dazu schafft man das Jahr über Zukunftswerkstätten und öffentliche Räume der kreativen Begegnung, die zu Gesprächsrunden, Diskursen und Interventionen einladen. 
Umwelt und Klima: Stadt und Natur, (k)ein Widerspruch: Das will u. a. der poetisch-sinnliche Beitrag der Grazer Klangkünstlerin Elisabeth Harnik demonstrieren. In Kooperation mit der Architektin Milena Stavric und der Akustikerin Jamilla Balint stellt sie im Augarten einen „Humming Room“ auf: Von Mai bis Oktober kann man dort Bienen summen hören in einer begehbaren Wabe, die am Ende zu Insektenhotels mutiert.
Arbeit von morgen: Ausblick braucht immer auch Rückblick: Beides vollzieht etwa das Rechercheprojekt „Das unsichtbare Handwerk“. Der Verein Annenviertel und das Wiener Eintagsmuseum gehen durch Vermittlungsformate wie Stadtspaziergänge und Workshops den individuellen Geschichten von Handwerksbetrieben im Annenviertel nach und setzt diese in Beziehung zur baulichen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Bezirke Gries und Lend.

Auf „Breitenenergie“ hofft folgerichtig auch der Grazer Kulturstadtrat Günter Riegler (VP), der Graz 2020, auch durchaus in Reibung mit dem kommunalen Koalitionspartner FPÖ, auf die Beine gestellt hat: Das Programm solle „langfristige inhaltliche Auseinandersetzung mit der Stadt statt kurzfristiger Wow-Effekte“ auslösen.

Was wäre ein erster Erfolg? „Wenn sich zeigt, dass sich die Bewohner der 17 Grazer Bezirke tatsächlich einladen lassen, beim Kulturjahr mitmachen; wenn also nicht nur die üblichen 1500 bis 2000 Leute am Programm teilnehmen und es eine echte Bürgerbeteiligung gibt.“ Dann könne sich Riegler auch vorstellen, „dass wir uns an eine Fortsetzung herantrauen, dass das alle paar Jahre wiederkehrt“.

Partizipation, Bürgerbeteiligung, kennzeichnet einen Großteil der Projekte. Mit teils enormem Zulauf: Für „The Graz Vigil“ auf dem Schlossberg etwa haben sich bereits 590 Grazerinnen und Grazer gemeldet, um dort die insgesamt 732 Sonnenauf- und -untergänge des Jahres zu beobachten.

Zum Kulturjahr

Auftakt heute im Grazer Congress. Ab 10 Uhr Symposion „Zeit für Graz“, ab 19 Uhr Festakt.
Eröffnungsredner ist der luxemburgische Wissenschaftspublizist Ranga Yogeshwar.
Koordiniert wird Graz 2020 im städtischen Kulturamt, Programmmanager ist Christian Mayer (Foto).
Das Budget beträgt fünf Millionen Euro. 94 Projekte, unter 568 Einreichungen ausgewählt, werden damit finanziert.
2020 stellt kein Kunstfestival dar, sondern ist eine Art Dachmarke bzw. Plattform für Einzelprojekte.
Details zum Programm im vierteljährlichen Heft und auf der Website:
www.kulturjahr2020.at

Community Art, Upcyclingworkshops, Gartengestaltung, Kulinariktreffpunkte: Wenn es an Graz 2020 vorab Kritik gab, dann an der Breite des Kulturbegriffs. Genau der sei aber ein „Schlüsselanliegen“ der Programmierung, sagt Riegler, „es geht auch darum, das Kulturgeschehen aus der üblichen Links-rechts-Logik herauszulösen und verständlich zu machen, dass Kultur für uns alle die geistige Grundnahrung ist. Es macht mir Sorgen, wenn die Leute das Gefühl haben, Kunst und Kultur seien elitäres Zeug, das mit ihrem Leben nichts zu tun hat.“

Niederschwelligkeit ist also Programm. Auch in der Kulturvermittlung: Die obliegt nämlich den Projektträgern selbst. Sollte sich das als nicht praktikabel erweisen, will Riegler im Bedarfsfall nachjustieren und zu den fünf Millionen Euro Programmbudget noch weitere Mittel lockermachen.

 

Kommentare (3)

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Estarte
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WIE WIR LEBEN WOLLEN ?

Ohne gesundheitsschädigenden Feinstaub
Ohne Stau und Verkehrskollaps
Ohne Zubetonierung mit Hochhäusern
Ohne Gondel
Ohne Abriss von historisch wertvollen Häusern
Ohne Verbauung von den letzten Grünflächen
Ohne massiven Zuzug
Ohne banale Projekte für den Kindergarten

Wie die Grazer leben wollen, das wissen sie selbst und um auf den Schlossberg zu gelangen, muss sich zum Glück noch kein Grazer anmelden.
Für das was der Grazer wirklich will, hat der Bürgermeister kein Ohr, weil er schläft, und seine eigenen Ziele verfolgt
das ist auch eine Un"Kultur"

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brosinor
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.....

.....wie unser Bürgermeister wirklich leben will!

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brosinor
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....und klarerweise wie ...

.....seine Freunderl leben wollen!

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