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"Schwere Knochen" im VolkstheaterSchalkos Gangsterstory zeigt Längen

Das Volkstheater feiert seine erste Premiere im Ausweichquartier Messequartier. Auf dem Programm. David Schalkos "Schwere Knochen"

Die Umbriebe der Spedition Erdberg im Volkstheater im Museumsquartier © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Die Einrichtung von Romanen für die Bühne ist seit ein paar Jahren zu einer regelrechten Theater-Hype geworden. Mit nicht selten eher zweifelhaftem Ergebnis. David Schalkos historisch hinterfütterte Wiener Gangsterstory „Schwere Knochen“, als Buch rund 500 Seiten schwer, hat dieses Schicksal nun auch ereilt. Es wurde aber ein veritables Theaterstück daraus. In der Halle E im Museumsquartier – das Volkstheater-Stammhaus wird bis zum Sommer renoviert – wurde es uraufgeführt.

Schalko erzählte die Geschichte von vier Wiener Unterweltlern, allen voran der massige Ferdinand Krutzler, die schon vor dem Einmarsch der Nazis krumme Geschäfte machten. Krutzler landet im KZ-Mauthausen. Mit Schläue und Brutalität bringt er es dort zum Kapo. Eine ideale Ausbildung zum späteren Nachkriegsgangster, der als „Notwehrspezialist“ etliche Morde begeht.

Das Nachkriegs-Wien samt seinen Besatzern ist ein Wimmelbild der Machtspiele und Eigeninteressen, die Krutzler und seine „Spedition Erdberg“ geschickt ausnützen. Und wo List nicht ausreicht, wird bedenkenlos Gewalt geübt.

Älteren Theaterbesuchern mögen reale Vorbilder wie der G’schwinde, die Wilde Wanda, der Notwehr-Krista u. a. noch in Erinnerung sein. Aber Schalkos Roman ist mehr als eine austriakische Räuberpistole, es ist eine teils herzzerreißende Geschichte von verwehrter Würde, verweigerter Liebe und menschlicher Gier.

Anita Augustin gelang es, für die Bühnenfassung das Wesentliche zu destillieren, und Alexander Charim setzt es mit einer dynamisch-präzisen Regie um. Scheinbar mühelos wechselt er zwischen dramatisierter Erzählung, in der die Protagonisten manchmal in der dritten Person über sich reden und einer Art Nummernrevue mit schrillen Sketches. Die Live-Musik eines Elektro-Trios verdichtet die Atmosphäre zusätzlich.  Tief berühren jene Szenen im Konzentrationslager, in denen ein SS-Mann als Weißclown – ein Gruß an den Joker? – agiert und damit die Obszönität des Lagerlebens bizarr verstärkt.

Acht von neun durchwegs grandios agierenden Darstellern schlüpfen genderüberschreitend in bis zu neun Rollen. Nur Krutzler darf Krutzler bleiben. Thomas Frank wirkt dabei aber nur selten so brutal, wie er beschrieben wird. Und auch die Gründe seines Erfolges werden nicht ganz ersichtlich.

Die Fokussierung auf die KZ-Episode rächt sich im zweiten Teil des dreieinhalbstündigen Abends. Man fühlt, wie dem Team die Zeit davonläuft – und das trotz einiger offenkundiger Leerstellen. Eine noch beherztere Kürzung des Gesamttextes hätte dem Ergebnis gedient.

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