InterviewHochmair als "Jedermann": Ein Knopf im Ohr soufflierte

Philipp Hochmair (44) über seine Schrecksekunden vor dem Debüt als Jedermann nach der Erkrankung von Moretti.

SALZBURGER FESTSPIELE 2018: SCHLUSSAPPLAUS 'JEDERMANN' / HOCHMAIR
Hochgefühl nach dem Schlussapplaus. © APA/BARBARA GINDL
 

Ein Triumph des „Einspringers“: Gestern, nach dem Applaus, musste Philipp Hochmair gleich einen Interviewnachmittag einlegen. Auch heute wird er als Jedermann auf dem Domplatz stehen.

Wie und wo hat Sie die Salzburger Festspielleitung erwischt?
PHILIPP HOCHMAIR: In einem Tonstudio bei Dresden, bei den Aufnahmen zu meiner „Jedermann Reloaded“-CD. Ich saß in sommerlich-leichtester Bekleidung dort, und der erste Gedanke, der mir in den Kopf schoss, war: Wo krieg’ ich jetzt eine lange Hose und Schuhe her?

Und was ging danach in Ihrem Kopf vor sich?
HOCHMAIR: Die Suche nach Klarheit und Ruhe. Ich dachte an einen Airbus mit 2400 Passagieren, der in eine Notsituation kommt. Da gibt es nur eines: Eine Lösung finden, bevor etwas passiert.

Jedermann in Salzburg: Standing Ovations für Einspringer Hochmaier

Die Erleichterung war groß: Nicht einmal zwei Tage hatte Philipp Hochmair, um sich auf den "Jedermann" vorzubereiten.

APA/Barbara Gindl

Er war kurzfristig für den an Lungenentzündung erkrankten Tobias Moretti eingesprungen.

APA/Barbara Gindl

Seit 1920 ist es übrigens erst ein Mal vorgekommen, dass ein amtierender Jedermann ausgefallen ist.

APA/Barbara Gindl

In Salzburg war Philipp Hochmair 2013 (hier mit "Glaube" Johannes Silberschneider) schon in der Jedermann-Solo-Version in der Regie von Bastian Kraft aufgetreten. Sein "Jedermann reloaded", die Rockversion des Mysterienspiels von Hugo von Hofmannsthal, ist eines von vier Soloprogrammen.

APA/Barbara Gindl

Durch seine Rolle als mörderischer Minister Dr. Joachim Schnitzler in den "Vorstadtweibern" ist der 44-Jährige auch jenen ein Begriff, die eher selten ins Theater gehen.

APA/Barbara Gindl

Die Übung gelang: "Eine der ungewöhnlichsten Vorstellungen in der Geschichte der Salzburger Festspiele", urteilten die Salzburger Nachrichten.

APA/Barbara Gindl

Von "stehenden Ovationen für einen Jedermann, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat" war auf orf.at zu lesen.

APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
APA/Barbara Gindl
1/21

Immerhin spielen Sie seit einiger Zeit eine „Jedermann Reloaded“-Version, mit der Sie sehr erfolgreich sind. Hat das geholfen?
HOCHMAIR: Irgendwie schon, dennoch stellte sich die bange Frage: Ist es möglich, meine Fassung und Haltung in den Domplatz zu integrieren?
Es war möglich. Gab es irgendwelche Hilfsmittel bei diesem Riesentempo?
Ich hatte einen Knopf im Ohr, wo man mir alle Sätze, die ich nicht kannte, „einsagte“.

Wie haben Sie denn den Jubel am Schluss mitgekriegt? Wie schwer war der Stein, der Ihnen dann vom Herzen gefallen ist?
HOCHMAIR: Na, was glauben Sie? Ich konnte den ganzen Wahnsinn, der da passierte, nicht fassen. Ich versuche, das Ganze jetzt mit klarem Geist nachzuvollziehen. Trotzdem ist noch immer eine Art Schock da.

 

Noch immer kein Glücksgefühl?
HOCHMAIR: Das steigt mit jedem Interview, das ich heute gebe. Apropos Interview: Bei unserem letzten Gespräch, anlässlich von „Blind ermittelt“, haben Sie mich mit der Frage konfrontiert, was wäre, wenn mich Salzburg einmal einladen würde, den Jedermann zu spielen. Damals habe ich mich kurz mit dieser Frage beschäftigt, den Gedanken aber schnell verworfen. Er war mir zu unwahrscheinlich. Das war zu jener Zeit für mich absolut keine Option!

Wie haben die Kollegen am Domplatz reagiert?
HOCHMAIR: Sie alle haben mich in liebevollster Form unterstützt und gefördert.

Hatten Sie Kontakt mit Tobias Moretti?
HOCHMAIR: Ich habe ihm eine Mail geschrieben, mit meinen besten Genesungswünschen.

Wie viele Vorstellungen des „Jedermann“ stehen in Salzburg noch auf dem Pogramm?
HOCHMAIR: So viel ich weiß, sieben. Wie viele es für mich sind, weiß ich jedoch nicht. Das kommt drauf an, wie schnell Tobias wieder fit sein wird. Bis Anfang September drehe ich zudem noch mit Heino Ferch die TV-Komödie „Liebe verjährt nicht“.

Kommentieren