Diagonale 2018Harte Männer und brüchige Psychen in "Cops"

In "Cops" skizziert Stefan A. Lukacs einen Polizisten, der seine Ausbildung bei der Polizei-Spezialeinheit Wega absolviert und das betont maskuline Umfeld zunächst schätzt.

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Cops © Andreas Thalhammer und Xiaosu Han
 

Nach einem Einsatz mit Schusswechsel tauchen Zweifel auf, trotzdem leugnet er konsequent alle Probleme. Der Regisseur zeigt in diesem am Freitag bei der Diagonale gezeigtem Film diese sehr maskuline Welt in starken Bildern.

Lukacs hatte 2012 mit seinem Kurzfilm "Void" Aufsehen erregt, weil er darin den Fall des Asylwerbers Bakary J., der von Wega-Beamten misshandelt wurde, beschrieb. Auch für seinen ersten Langspielfilm wählte der Regisseur wieder dieses ganz spezielle Milieu. Unter dem für einen Film über österreichische Polizisten ein wenig befremdlichen Titel "Cops" zeigt Christoph (Laurence Rupp), einen jungen Polizisten, der kurz vor seiner Aufnahme bei der Wega steht. Seine Leben ist vor allem körperlich ausgerichtet, von den ersten Klimmzügen am Morgen über das Mannschaftstraining mit den Kollegen bis zum Sex mit der (Polizisten-)Freundin (Anna Suk) am Abend. Das funktioniert alles reibungslos, da gibt es keine Probleme.

Erst als Christoph bei einem Einsatz auf einen Mann schießt, wird es problematisch. Zunächst von den Kollegen gefeiert, merkt er plötzlich dass er nicht alles so einfach wegstecken konnte. Nicht zuletzt durch eine Polizistin (Maria Hofstätter), die nicht nur nach Vorschrift, sondern auch menschlich einfühlsam agiert, gerät seine Welt in eine Schieflage. Das strahlende Bild des Chefausbildners (Anton Noori) bekommt Sprünge, und sein Vater (Roland Düringer), der ebenfalls Polizist ist, schürt die Zweifel noch, indem er ihn als "Reserve-Rambo" bezeichnet. Auf die Frage, warum er bei der Wega sei, antwortet Christoph zu Beginn "Wegen der Action". Dieser "Action" kann er dann nicht standhalten und rastet bei einem Einsatz bei einem Fußballspiel aus.

Regisseur Lukacs zeigt die Bilder der ständig trainierenden und nur im Stillen leidenden Polizisten mit vielen Detailaufnahmen, da rinnt der Schweiß, da spielen die Muskeln. Die Einsätze sind gefilmt wie Szenen aus einem Action-Film, mit peitschender Musik und markanten Schnitten. Dahinter wird dann eine Leere spürbar, und diese wird bekämpft mit Feiern (großartig die Karaoke-Szenen), mit Trinken und mit Sex - solange es eben geht.

Der Film wurde beim 39. Max-Ophüls-Filmfestival Ende Jänner in Saarbrücken mit drei Preisen ausgezeichnet. Regisseur Stefan A. Lukacs durfte sich über den "Publikumspreis Spielfilm" sowie den "Preis für den gesellschaftlich relevanten Film" freuen. Als "Bester Schauspielnachwuchs (Nebenrolle)" wurde Anna Suk geehrt.

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