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Buch der WocheMario Vargas Llosa und die Bananenrepublik USA

In seinem neuen Roman „Harte Jahre“ greift Mario Vargas Llosa einen unglaublichen historischen Stoff auf, der nicht nur die Begrifflichkeiten verschiebt.

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Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hat ein neues Meisterwerk vorgelegt © APA/AFP/ORLANDO ESTRADA
 

Wenn es nicht so ein bitteres und blutiges Schrecknis wäre, das den Verlauf der Geschichte des ohnehin geschundenen Lateinamerika verändert hat, dann müsste man sich über diese unglaubliche, aber historisch verbriefte Begebenheit schieflachen. Denn: Weil sich der Bananenkonzern „United Fruit“ in den 1950er-Jahren durch Demokratiebestrebungen in Guatemala, die zum Beispiel Gewerkschaftsgründungen beinhalteten, in seiner Handlungsfreiheit bedroht sah, dichtete die Company dem Staat durch eine perfide PR-Strategie kurzerhand die Billigung kommunistischer Umtriebe an. Das war eine glatte Lüge, hat aber genügt, die missliebige Regierung in Guatemala durch einen Militärputsch zu Fall zu bringen – mit sehr freundlicher Unterstützung der USA bzw. des CIA.

Aus dieser historischen Unappetitlichkeit – wenngleich beileibe kein Einzelfall vor allem in den Ländern Mittelamerikas – hat der große Romancier und politische Kopf Mario Vargas Llosa einen Roman gezimmert, aus dem die beiden Stärken des Literaturnobelpreisträgers hervorleuchten: das Erzählen und der unbändige Wille nach gesellschaftspolitischer Balance, wenngleich das in vielen dieser Länder – und nicht nur dort – bis heute nur liberale Vision geblieben ist.

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