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Buch der WocheLiterarische Reise zur Pforte des Brexit

Prosa und Politik virtuos im Einklang: Wer verstehen möchte, wie es zum Brexit kommen konnte, sollte mit Jonathan Coe eine schmerzhafte, aber erhellende Reise nach „Middle England“ antreten.

Der britische Schriftsteller Jonathan Coe
Der britische Schriftsteller Jonathan Coe © AP
 

Bexit! Benjamins Exit. So beginnt dieser große, hochpolitische Gesellschaftsroman. Benjamin, das lebensuntüchtige Sensibelchen des Trotter-Clans, steigt aus, zieht den Stecker aus seinem Alltagstrott und in eine romantische Wassermühle ein. Dort verzettelt er sich weiter an einem Roman, an dem er sich seit 30 Jahren abmüht. Doch so träge der liebliche Fluss an seiner Mühle dahinfließt, so reißerisch die Strudel rundum. Denn dort, in der Mitte Englands, wo kein Pilcher-Plüsch pickt, sondern stillgelegte Bergwerke und Autofabriken vor sich hin rotten, liegt das Epizentrum und der Eingang zu jener nationalen Identitätskrise, die ihren Ausgang dort fand, wo jetzt ein Wort klebt: Brexit!

Mit „Middle England“ hat Jonathan Coe sein Figurenpersonal rund um die durch allerlei Schicksalswatschen ausgefranste Trotter-Familie wieder in Stellung gebracht, jenen liebeswert-chaotischen Clan, den man schon aus den Romanen „Erste Riten“ (2002) und „Klassentreffen“ (2006) kennt. Colin Trotter etwa, Benjamins Vater. In den 1970er-Jahren stolzer und daseinszufriedener Facharbeiter spiegelt sein physischer und psychischer Verfall den Niedergang der britischen Industrie wider.

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