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Buch der WocheLauren Groffs Expedition in ein feindseliges Amerika

Im Erzählband „Florida“ von Lauren Groff wird der tiefe Süden der USA zu einem Spiegel der Gegenwart.

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Sonnenaufgang über den Everglades in Florida © AP
 

Schlangen, Alligatoren, Panther. Milliarden von Insekten und ein feuchtheißes Klima, das allein schon ausreicht, um das Leben zur Schinderei zu machen. Der tiefe US-Süden, namentlich Florida, ist bei Lauren Groff keine stylishe Postkartenschönheit mit üppiger Natur und tropischem Lebensgefühl, sondern eine unwirtliche, beinahe lebensfeindliche Gegend, der eine Zivilisation auf tönernen Beinen aufgesetzt wurde. Ein dumpf brütender, brodelnder Sumpf voller Menschen, die sich durch einen Alltag mühen, hinter dessen Fassade Gefahren aller Arten lauern.

Groffs metaphernreiche, vor Spannung vibrierende Prosa fängt diese feindselige Atmosphäre plastisch ein. Es geht ums Scheitern im Kleinen und im Großen und um den Kampf dagegen. Details und Begebenheiten weitet Groff zu biografischen Skizzen und Wendepunkten aus, die die bleischwere Last des Lebens greifbar machen. Und das Horrorszenario des Klimawandels hängt als Damoklesschwert über der Szenerie.

In „Yport“, der längsten der Erzählungen und eine der wenigen, die nicht in Florida spielen, gibt Groff dem ausgelaugten Thema der Schreibblockade neuen Schwung. Sie lässt ihre Protagonistin samt Kinder in einer französischen Küstenstadt stranden, bei einer sinnlos gewordenen Recherche über Guy de Maupassant, einen Autor, den die desillusionierte Literaturwissenschaftlerin schon längst nur mehr verachtet. Groff liebt es offensichtlich, solche Momente des Scheiterns festzuhalten. „Oben und unten“ schildert, wie eine Intellektuelle zur Obdachlosen herunterkommt.
So ernst das alles klingt, so sinnlich erzählt Lauren Groff. Ihre Bilder sind so virtuos treffend, wie der Aufbau spannend ist. Mitunter scheint das fast schon zu perfekt, und es schiebt sich der Eindruck eines bloßen literarischen Könnens vor den des künstlerischen Müssens. Ein kleiner Einwand angesichts Groffs imposanten erzählerischen Talents.

Hanser/Kristin Kozelsky
Lauren Groff wurde 1978 im US-Bundesstaat New York geboren. © Hanser/Kristin Kozelsky


„Florida“ funktioniert auch als Zeitdiagnose. Es ist ein Buch über die Ära Trump, ohne dass der US-Präsident im Speziellen oder die Politik im Allgemeinen auch nur ein einziges Mal erwähnt werden. Aber das Gefühl, sich auf unsicherem Terrain zu bewegen, die Atmosphäre von Angst und Unruhe, spiegelt die Trump-Ära exakt wider. Es ist die Anspannung nach dem Millennium, in einem Land, das von Clowns regiert wird und in dem die Katastrophen der Zukunft vielleicht schon längst begonnen haben.

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