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Buchkritik„In Liebe, Dein Vaterland“: Selbstdemontage der Demokratie

Ryū Murakami lässt in „In Liebe, Dein Vaterland“ Nordkoreaner in Japan einmarschieren, um mit seiner Heimat abzurechnen.

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Ryū Murakamis Dystopie ist vor allem eine bittere Selbstanklage
Ryū Murakamis Dystopie ist vor allem eine bittere Selbstanklage ©  AP (Ng Han Guan)
 

Ein nordkoreanisches Invasionsheer fällt auf der japanischen Insel Kyūshū ein. Die als innenpolitische Rebellen getarnten Truppen besetzen die Metropole Fukuoka, das offizielle Japan gerät in Schockstarre. Ryū Murakamis Dystopie über ein überfordertes, von der Staatengemeinschaft und den verbündeten USA im Stich gelassenes Land ist vor allem eine bittere Selbstanklage. Der 67-jährige Romancier zeichnet ein drastisches Bild seiner Heimat: wirtschaftlich herunterkommen, desorganisiert, voller inkompetenter Politiker.

Dass Murakami die geopolitischen Kräfteverhältnisse aus dramaturgischen Gründen recht unrealistisch darstellt, ist zu verschmerzen, ist sein zweibändiger Wälzer doch eher ein provokantes Gedankenspiel. Murakami hält dem rückständigen, brutalen, aber extrem effizienten Nordkoreanern verweichlichte, korrumpierte Japaner entgegen. Kantige Wangenknochen da, Mondgesichter dort.

Verstörung und Provokation sind die Hauptmittel von Murakamis Werk als Autor und Filmregisseur: „Das Casting“, „Tokyo Dekadence“ sind Berichte aus den dunkelsten Ecken des Landes. Hier erzählt er nun in sachlicher Sprache auf fast 1000 Seiten minutiös vom Niedergang eines dekadenten Japans, dem sich nur eine Gruppe von Outlaws entgegenstellt. „In Liebe, Dein Vaterland“ ist weitschweifig, doch der Befund ist knochentrocken und präzise: Eine Gesellschaft, die nicht bereit ist, für ihre Freiheit Opfer zu bringen, ist dem Untergang geweiht.

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