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Buchkritik"Der Platz": Ich schick dich los, aber will, dass du bleibst

Vom Glück und Unglück des sozialen Aufstiegs: Annie Ernaux und ihre Milieustudie „Der Platz“.

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© Masson - stock.adobe.com
 

Sie sitzt an seinem Bett und versucht, Simone de Beauvoir zu lesen. Ein sinnloses Unterfangen, denn sie weiß, „auf irgendeiner Seite dieses dicken Buches würde mein Vater nicht mehr leben“. Kurze Zeit später: Der Vater ist tot. Er hat sie zurückgelassen. Endgültig. Aber dieses Verlassenwerden, das hat sich schon viel früher abgezeichnet.
1983 ist „Der Platz“ von Annie Ernaux zum ersten Mal erschienen, nun gibt es eine Neuauflage. Ernaux zeichnet darin die Biografie ihres Vaters nach. Ihre Mission: „Das Erbe ans Licht holen, das ich an der Schwelle zur gebildeten, bürgerlichen Welt zurücklassen musste.“

Das Leben ihres Vaters ist auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich, sondern ähnelt vielen Biografien dieser Zeit: Sohn von Tagelöhnern, der sich Stück für Stück sein Leben erobert hat. Auch typisch für diese Generation: Es gibt nur eine Richtung und zwar die nach oben. Ein kleiner Supermarkt, ein kleines Café, ein kleiner Aufstieg gepaart mit der großen Angst, das alles zu verlieren. Die Tochter, sie soll studieren, den Aufstieg noch weiter vorantreiben, verankern.

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