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Buchkritik"Afrotopia": Es ist wieder Zeit für große Utopien

Der Ökonom Felwine Sarr will mit „Afrotopia“ den afrikanischen Kontinent ganz neu denken.

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Felwine Sarr denkt über die Zukunft von Afrika nach
Felwine Sarr denkt über die Zukunft von Afrika nach ©  Jim Vallee - stock.adobe.com
 

Es gibt viele Legenden und Mythen über Afrika und damit sind nicht zwangsläufig die alten Erzählungen gemeint. Vielfach sind sie noch gar nicht alt, aber sie halten sich hartnäckig. Felwine Sarr, senegalesischer Schriftsteller und Ökonom, benennt sie: Mangel, Handicap, Defekt, Geburtsfehler. Das sind Begriffe, die man von außen gerne über einen Kontinent hängt. Afrika, du ewiger Almosenempfänger. Schon schubladisiert, noch bevor wir überhaupt die wohl wichtigste Frage gestellt haben: Wer, bitte, ist eigentlich Afrika überhaupt?

Ein Kontinent, ja, aber auch 55 unterschiedliche Länder. Felwine Sarr, der zuletzt neben Bénédicte Savoy für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen wissenschaftlichen Bericht über die Restitution von Kolonialkunst verfasst hat, will weit mehr als nur das Bild von Afrika ändern. Sarr fordert ein Umdenken – vor allem am afrikanischen Kontinent selbst. Das beginnt nicht zuletzt mit der Loslösung von der postkolonialen Vergangenheit, die wie ein Damoklesschwert über dem Kontinent hängt.

Afrika müsse sich jetzt neu erfinden: „Afrotopia ist eine aktive Utopie, die es sich zur Aufgabe macht, die gewaltigen Möglichkeitsräume innerhalb der afrikanischen Wirklichkeit aufzustöbern und sie fruchtbar werden zu lassen“, fordert Sarr in seinem Essay. Das muss für ihn nicht zwangsläufig damit zusammenhängen, dass Afrika keine Hilfe von außen braucht. Doch es muss ein Austausch stattfinden. Denn wer sagt, dass nicht der, der gibt, auch noch etwas lernen kann? Schaut gerade nicht so aus, denn ein neuer Mythos baut sich gerade auf: Afrika, der neue Boomkontinent. Eine Zuschreibung, die wohl mehr Freunde an der Wall Street denn in Addis Abeba hat.

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