Seltsam irritierend sind die 13 Erzählungen der Kärntner Autorin Lydia Mischkulnig, die zuletzt mit ihrem Roman „Die Richterin“ Furore machte. Auch diesmal zeichnet sie fein gearbeitete Porträts ihrer Figuren, die es der Leserin mit ihren Verschrobenheiten nicht einfach machen.

Da führt die titelgebende Erzählung „Die Gemochten“ ein Paar ins Stundenhotel – und das möglichst auffällig, um ihrer Umgebung Sinnlichkeit und Leidenschaft vorzuspielen. Doch eine Art Happy End ist bei aller Kühle der Darstellung unvermeidlich, weil sich die beiden wirklich mögen, wenn nicht sogar lieben: „Sie wird nicht genauso wenig wie er nach einer Pfählung der Herzen lechzen. Sie wird immer mehr von ihm haben wollen, und wenn er ihren Wünschen stattgibt, wird das nicht aufhören. Deshalb müssen sie einander in Schach halten.“

Mit spöttischem Unterton spricht Mischkulnig wie schon J. K. Rowling vor ihr vom „menstruierenden Mensch“ oder denkt bei der Zubereitung einer Gänsestopfleber über die Zwangsernährung von Hungerstreikenden nach.
Nicht nur Körperliches findet sich leitmotivisch in allen Texten, die sich einmal reportageartig, dann wieder satirisch, einmal als Erzählung, dann als Essay lesen lassen.

Zahlreiche literarische Verweise und Überschreibungen laden dazu ein, entschlüsselt zu werden: Ingeborg Bachmanns Elisabeth aus der Erzählung „Drei Wege zum See“, Kafkas Affe aus dem „Bericht für eine Akademie“ und Ibsens „Nora“ werden paraphrasiert. Die Diskrepanz zwischen Körper und Identität ist ausformuliert: „Solange die Geschlechtlichkeit existiert, scheiden sich die Geister.“

Buchtipp: Lydia Mischkulnig. Die Gemochten.
Leykam, 174 Seiten, 22,50 Euro.

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